Die Schokolade-Vergolder

GOSSAU ⋅ Die Gietz AG stellt eine besondere Art von Druckern her und gehört damit zu den führenden Unternehmen weltweit. Dieses Jahr feiert sie das 125-Jahr-Jubiläum.
23. November 2017, 07:43
Nina Rudnicki

Nina Rudnicki

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Ob Banknoten, die Verpack­ungen von Lindt-Schokolade, ­Toblerone und des Chanel-Parfüms Coco oder die Schachteln der neuen Heets-Zigaretten: ­Gemeinsam ist all diesen Produkten, dass sie durch eine ­Maschine der Gietz AG veredelt wurden. Die Gossauer Firma gehört weltweit zu den führenden Anbietern von Heissfolien-Prägedruckmaschinen. Dank diesem Verfahren können beispielsweise Hologramme als Sicherheitsmerkmale auf Banknoten appliziert oder Verpackungen und Etiketten mit Gold- und Spezialschriften veredelt werden.

In diesem Jahr feiert das Unternehmen, das ursprünglich Buchdrucktiegel produzierte, sein 125-Jahr-Jubiläum. Die Geschwister Claudia Gietz Viehweger und Hansjörg Gietz führen es bereits in fünfter Generation. Am Hauptsitz in Gossau, wo die Produktion von Maschinen für den internationalen Markt angesiedelt ist, arbeiten 65 Mitarbeitende. Zwölf weitere Mitarbeitende sind bei der Gietz & Co AG in Dietlikon angestellt. Dort werden die Maschinen ausländischer Hersteller importiert.

Die Digitalisierung setzt die Gietz AG unter Druck

«Wir haben eine besondere Verantwortung», sagt Claudia Gietz Viehweger. Mit dem Familienunternehmen hätten sie eine Firma übernommen, die von vier Generationen vor ihnen auf­gebaut wurde: «Zum einen möchten wir, dass die Gietz AG im Sinne unserer Vorfahren performt, zum anderen dürfen wir den Wandel ins digitale Zeitalter nicht verpassen.»

Bezüglich digitaler Transformation stehe die Branche der Druckveredelung und Druckweiterverarbeitung vor Herausforderungen. So drängen etwa immer mehr Anbieter mit kleineren und kostengünstigeren Maschinen mit digitalen Druck- und Veredelungsverfahren auf den Markt. Maschinen für das klassische, analoge Druckverfahren, wie sie die Gietz AG anbietet, liefern laut Hansjörg Gietz im Gegensatz dazu qualitativ bessere Drucke und eignen sich für die Produktion grosser Serien. «Uns in diesem Spannungsfeld zwischen digitaler und analoger Verfahren zu positionieren, gehört aktuell zu den grössten Herausforderungen», sagt Hansjörg Gietz, der an der ETH Betriebs- und Produktionsingenieur studiert hat und seit 2003 im Unternehmen für die Produktion, den Vertrieb und die Entwicklung zuständig ist. Claudia Gietz Viehweger stieg nach ihrem HSG-Studium bereits 1998 in die Gietz AG ein und ist heute für die Bereiche Personal, Finanzen und Administration verantwortlich.

Fachkräftemangel ist am Standort Gossau spürbar

Schon seit über 50 Jahren hat die Gietz AG ihren Hauptsitz in Gossau. Mitte der 1960er-Jahre entschieden sich die Verantwortlichen der Firma, den Standort in Oerlikon aufzugeben und in die damals kostengünstigere Ostschweiz zu verlegen. Heute bringt der Standort in Gossau allerdings auch einige Schwierigkeiten mit sich. «Den Fachkräftemangel spüren wir hier in der Region besonders stark. Es gibt zu wenig Polymechaniker sowie Elektro- und Maschineningenieure», sagt Claudia Gietz Viehweger.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, bildet die Gietz AG eigene Polymechaniker aus, fünf sind es aktuell. Eine weitere Strategie ist, die Firma bekannter zu machen. Die Vorteile ihres Unternehmens lägen auf der Hand: So sei die Gietz AG klein genug, damit die Mitarbeitenden am Standort Gossau jede Station, von der Entwicklung über die Fertigung und die Montage bis zum Vertrieb, mitverfolgen und gestalten könnten. Gleichzeitig sei das Unternehmen gross genug, um ein weltweiter Player zu sein.


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