Kopf-an-Kopf-Rennen und hohe Wahlbeteiligung zeichnen sich ab

WAHLSONNTAG IN GOSSAU ⋅ Bis zuletzt kämpfen die beiden Kandidaten für das Gossauer Stadtpräsidium um jede Stimme. Es zeichnet sich eine hohe Wahlbeteiligung ab.
26. Januar 2018, 06:45
Noemi Heule

Noemi Heule

noemi.heule@tagblatt.ch

In aller Frühe stand Wolfgang Giella (parteilos) gestern am Gossauer Bahnhof, um mit frischen Äpfeln um die Gunst der Pendler zu werben. Daniel Lehmann (CVP) derweil lud zum Feierabendbier ins Werk 1. Beide Bewerber für das Stadtpräsidium haben zum Schlussspurt angesetzt. «Es geht um jede Stimme!», lässt Wolfgang Giella denn auch per Inserat und über Facebook verlauten. Die Kandidaten kämpfen um jedes Kreuz auf dem Wahlzettel. Doch nicht nur sie.

Beide haben längst ihre Anhängerschaft aufgeboten: Mit einer Liste aus über 400 Namen wartet Daniel Lehmann auf seiner Webseite auf. Wolfgang Giella zählt auf prominente Unterstützung aus den Parteispitzen von SVP, SP, FDP und Flig. Die Anhänger taten ihre Meinung nicht zuletzt per Leserbrief kund. 46 Stück gingen in den vergangenen drei Wochen beim «Tagblatt» ein – mehr als für beide Ersatzwahlen vom vergangenen November zusammen. 25 der Schreibenden bezogen Position für Daniel Lehmann, 19 bevorzugten Wolfgang Giella, zwei blieben neutral. Dass sich in beiden Lagern Nervosität ausbreitet, zeigt sich etwa am teils bissigen Ton der Texte. So wird nicht etwa der eigene Kandidat gepriesen, sondern gegen dessen Rivalen gepoltert. Der «Gossauer Filz» wird genauso verunglimpft wie der «fremde Churer».
 

Vorwürfe, Wahlkampfkasse und Finanzspritzen

Beide Seiten geizen nicht mit Beschuldigungen gegen die Gegenpartei. «Illegaler Wahlkampf» werfen sie sich gegenseitig vor. Weil Daniel Lehmann die Ortsbürger für Wahlwerbung einspannte, weil Wolfgang Giella die Gossauer Flagge auf Inserate und Plakate druckte, oder weil ein Wahlhelfer Lehmanns unbeholfen zur «Wahlparty» einlud.

Geizig zeigen sich die Kandidaten auch finanziell nicht. 40'000 Franken bezahlt Lehmann aus eigener Kasse allein für den zweiten Wahlgang, wie er am «Tagblatt»-Podium offenlegte. Giella dagegen liess sich nicht ins Portemonnaie schauen. 10'000 Franken habe er im ersten Wahlgang ausgegeben, verriet er einzig. Im zweiten dürften es wesentlich mehr sein. Giella kann allerdings auf finanzkräftige Unterstützung aus der Wirtschaft zählen (siehe Zweittext).

Beide Lager rechnen mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Um 331 Stimmen übertrumpfte Giella seinen Konkurrenten im ersten Wahlgang. Auch wenn sich die Kandidaten vor dem Wahlsonntag nochmals richtig ins Zeug legen: Viele Meinungen sind gemacht, viele Stimmen eingereicht (siehe Zweittext). Es bleibt spannend.


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