Die CVP zählt auf die SVP-Basis

TAKTIK ⋅ Die CVP Gossau-Arnegg hat in der Kandidatensuche für die Ersatzwahlen den Alleingang gewählt. Aus Sicht des Parteipräsidenten Elmar Hardegger steht die CVP dadurch nicht isoliert da. Ein Punkt ärgert ihn aber.
04. Oktober 2017, 05:20
Sebastian Schneider

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Daniel Lehmann, der bereits vor den Sommerferien für die CVP ins Rennen ums freiwerdende Stadtpräsidium gestiegen ist, hat mit Wolfgang Giella aus Chur Konkurrenz von der Findungskommission bekommen. CVP-Parteipräsident Elmar Hard­egger beurteilt den Alleingang seiner Sektion auch im Nachhinein als richtig. Eine «unheilige Allianz gegen die CVP» sieht er nicht – ausser, wenn alle anderen Parteien den Gegenkandidaten unterstützen würden.

 

Elmar Hardegger, die Findungskommission hat einen linken Politiker aus Chur als Gegenkandidaten von Daniel Lehmann portiert. Sind Sie froh?

Froh ist der falsche Begriff. Doch die Chancen für Daniel Lehmann sind so sicherlich intakt. Er kann auf die Unterstützung der Wirtschaft zählen, was bei Wolfgang Giella schwieriger sein dürfte.

Waren Sie ob der Wahl eines linken Politikers überrascht?

Sehr wohl. Dennoch macht Giella einen guten Eindruck. Wir nehmen die Gegenkandidatur sehr ernst.

Was sagen Sie zur Kritik, dass Daniel Lehmann nicht von einer Partei, sondern von der Handels- und Industrievereinigung Gossau (HIG) rekrutiert wurde?

Das stimmt so nicht. Die CVP hat Daniel Lehmann rekrutiert und portiert. Er stand bei uns von Anfang an auf der Namensliste. Mit dem Vorgehen der HIG sind wir auch nicht ganz glücklich. Daniel Lehmann ist ganz klar der Kandidat der CVP, die Unterstützung der HIG freut uns aber.

Dennoch könnte Sie eine Hypothek sein.

Das mag sein. Wir stellen darum auch Themen wie Familie und Bildung in den Mittelpunkt des Wahlkampfs.

Von einem Wahlkampf hat man bislang nicht gerade viel gespürt. Offenbar hat die CVP ihren Vorsprung nicht nutzen wollen, um Daniel Lehmann frühzeitig bekannter zu machen.

Sie wissen nicht, was im Hintergrund alles bereits gegangen ist. Der Wahlstab ist seit längerem gebildet; das Werbematerial ist bereit. Sie können darauf zählen: Wir werden einen aktiven Wahlkampf betreiben.

Finden Sie es grundsätzlich gut, dass sich Daniel Lehmann im Wahlkampf behaupten muss?

Dass die anderen Parteien einen Gegenkandidaten aufgestellt haben, ist in mehrfacher Hinsicht zu begrüssen. Wichtigster Punkt ist wohl, dass ein Wahlkampf die Wahl des Stadtpräsidenten legitimiert. Sollten wir gewinnen, wird Daniel Lehmann als Gewinner aus einem Rennen gegen einen würdigen Gegner hervorgehen. Er müsste sich dann auch nicht rechtfertigen, einfach im Schlafwagen gewählt worden zu sein.

Allerdings wurde der Kandidat von allen anderen Goss­auer Parteien ausgesucht. Fühlt man sich da nicht ein wenig isoliert?

Nein. Wie gesagt, begrüssen wir es ja, dass es einen Wahlkampf gibt. Dass der Vorgang einen Einfluss auf die sonstige Zusammenarbeit der Parteien hat, spüre ich nicht.

Dann würden Sie wieder so vorgehen?

Ja.

Auf dem Flugblatt von Wolfgang Giella wirbt nun etwa SVP-Parteipräsident Pascal Fürer für den Churer. Er lobt ihn gar als «liberale und wirtschaftsfreundliche Person». FDP-Vorstandsmitglied Brigitta Mettler sagt, Wolfgang Giella könne die Stadt Gossau «verantwortungsbewusst und innovativ in die Zukunft führen». Ärgert Sie das nicht?

Diese Aussagen erstaunen mich tatsächlich. Es überrascht mich auch, dass sich SVP-Vertreter so früh hinter einen linken Politiker stellen. Sollten die FDP und die SVP schliesslich den Gegenkandidaten unterstützen, dann würde ich tatsächlich von einer «unheiligen Allianz gegen die CVP» sprechen. Ich gehe allerdings davon aus, dass gerade die Basis der SVP sich anders entscheiden wird und die Wahlempfehlung für unseren bürgerlichen Kandidaten gibt.

Noch zum Zustand der CVP allgemein. In Andwil hat man das Gemeindepräsidium verloren, in St. Gallen muss der anfangs als Favorit gehandelte Stadtratskandidat Boris Tschirky zittern. Wie steht es um die Ortspartei Gossau-­Arnegg angesichts der ­Niederlagen und des Ver­lierer-Images der CVP.

Natürlich sieht man nicht gerne, wenn die Partei verliert. Dass man es als Mittepartei schwierig hat, wissen wir aber schon seit mehr als 20 Jahren. Der momentane Zustand unserer Sektion ist gut. Wir haben immer noch fast einen Drittel der Wähler und mit Helen Alder Frey eine starke Stadträtin. Daniel Lehmann ist zudem ein fähiger und aussichtsreicher Kandidat fürs Stadtpräsidium.


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