Die cleveren Zwillinge

GOSSAU ⋅ Mit einem Schnitt von 5,96 schloss Alex Bühler das Gymnasium Friedberg als Jahrgangsbester ab. Seine Schwester folgte als Drittbeste. Mit 18 Jahren gehen die beiden erstmals getrennte Wege.
07. August 2017, 13:37
Noemi Heule

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Marisa und Alex Bühler gibt es praktisch nur im Doppelpack. Die beiden 18-Jährigen drücken seit zwölf Jahren gemeinsam die Schulbank, teilen sich Freundeskreis und Schulklasse. Gemeinsam nehmen sie seit zwölf Jahren auch die Rolle als Klassenbeste wahr. Wobei Alex jeweils eine Nasenspitze vor seiner Schwester abschneidet. Auch an der Matur. Alex schloss im Gymnasium Friedberg als Jahrgangsbester ab, mit einem Notenschnitt von 5,96. Marisa erreichte dieselben Ziffern, allerdings in anderer Reihenfolge: 5,69 steht in ihrem Abschlusszeugnis. Damit schneidet sie als Drittbeste ab.

Der Notendurchschnitt nur knapp unter einer blanken Sechs habe sich nach und nach ergeben, sagt Alex. Sein erklärtes Ziel sei es dagegen nie gewesen, als Jahrgangsbester abzuschneiden. «Natürlich war ich immer mit ­Interesse dabei», sagt er. Dass er trotz exzellenter Vornoten bis zum Schluss das Beste gab, war Ehrensache. «Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, mich zurückzulehnen.»

Zusammenarbeit statt Konkurrenzkampf

Mit der Matur schliessen die beiden auch einen Lebensabschnitt ab. Während sie die Schulkarriere seit dem Kindergarten in Henau gemeinsam absolvierten, sind sie bald zum ersten Mal auf sich alleine gestellt. Dass sie bis heute derselben Klasse angehörten, ist indes kein Zufall. «Wir haben uns immer vehement gewehrt, wenn uns jemand trennen wollte», sagt Marisa. Alex ergänzt: «Immer zu zweit zu sein gibt Sicherheit.» Die beiden schauten den Schulstoff gemeinsam an, tauschten Zusammenfassungen aus, fragten einander um Rat. «Wir haben uns gegenseitig angespornt», sagt Marisa. Einen Konkurrenzkampf dagegen gebe es zwischen ihnen nicht.

Rein äusserlich geben sich die beiden nicht sogleich als Geschwister zu erkennen. Alex ist schlaksig, trägt Jeans und Karohemd in Blautönen, dazu eine drahtige Brille à la Harry Potter. Seine Schwester ist etwas kleiner, ihr Haar heller, der Auftritt frecher. Auf dem T-Shirt prangt ein farbiger Schriftzug.

Ein Mathe- und ein ­Physikstudium

Was sie äusserlich unterscheidet, machen die Persönlichkeiten wett. Im Gespräch wird schnell klar, die beiden sind sich sehr ähnlich. «Wir würden uns bestimmt gut verstehen, auch wenn wir nicht Zwillinge wären», sagt Alex. Fragt man sie nach Unterschieden, fallen ihnen nur Gemeinsamkeiten ein: «Wir sind beide zurückhaltend», heisst es. Während Alex allerdings auch alleine gut zurechtkomme, bewege sich Marisa gerne in Gesellschaft. Beiden falle es aber schwer, auf neue Leute zuzugehen. Den Anschluss zu finden, ist denn auch ihre grösste Sorge vor Studien­beginn.

Marisa beginnt im September ein Physikstudium an der ETH, ihre Lieblingsfächer sind die Natur­wissenschaften. Alex konnte sich nicht auf einen Bereich festlegen. Sowohl Naturwissenschaften als auch Sprache, allen voran das ­gemeinsame Schwerpunktfach Latein, haben es ihm angetan. Er wird deshalb an der Universität Bern Mathematik mit Linguistik kombinieren. Dass sie bald auch räumlich getrennt sind, ist für beide eine schwierige Vorstellung. «Es ist aber auch eine Chance, sich neu zu erfinden», sagt Alex. Und sich nicht mehr als Duo, ­sondern als Einzelperson zu definieren.

 

 


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