Die Appowiler kann man künftig mieten

ABTWIL ⋅ Nach zwei verregneten Highland Games ist die Vereinskasse fast leer. Zur Geldbeschaffung sind kreative Ideen gefragt. Unter anderem lassen sich die Appowiler «mieten». Und sie wollen kleinere Brötchen backen.
04. Januar 2018, 06:29
Corinne Allenspach
Ein bisschen Regen hat noch keinen Schottlandfan aus dem Konzept gebracht. Wenn allerdings gleich zwei Ausgaben der Appowila Highland Games ins Wasser fallen, wirkt sich das nicht nur auf die Motivation der Vereinsmitglieder aus, sondern vor allem auf die Finanzen. Bereits an den vierten Highland Games von Anfang September 2015 war es nasskalt. Bei der fünften Ausgabe 2017 zwangen sintflutartige Regenfälle die Appowiler am Samstag gar dazu, Höhepunkte wie den grossen Umzug durchs Dorf abzusagen. Zudem war viel Improvisationsgeschick gefragt. Dass schliesslich doch noch 13 000 Tageseintritte verkauft wurden, war einerseits dem sonnigen Sonntag zu verdanken, andererseits dem guten Ruf der Veranstaltung, die längst weit über die Region hinaus ihre Anhänger hat.
 

Ziel ist ein Stock von 25 000 Franken

Während die Motivation bei den Appowilern nach anfänglicher Ernüchterung zurück ist, sind die finanziellen Reserven aufgebraucht. «Nach Bezahlung aller Rechnungen liegen in der Vereinskasse rund 4000 Franken», sagt Appowila-Präsident Martin Tschirren. Obwohl dies bescheiden tönt, ist es weit mehr, als die Appowiler zu hoffen gewagt haben. Schliesslich schlossen die fünften Highland Games bei einem Budget von rund einer halben Million Franken mit einem Verlust von 40 000 Franken (Ausgabe vom 30. September 2017). Dass es doch für ein leichtes Plus gereicht hat, ist der Grosszügigkeit all jener zu verdanken, die die Appowiler nicht im Regen stehen lassen wollten. Viele Firmen, Sponsoren und Rechnungssteller seien dem Verein aufgrund der Ausnahmesituation «extrem grosszügig entgegengekommen», sagte Tschirren vergangenen September.

Die Appowila Highland Games in Abtwil fanden bei richtig schottischem Wetter mit viel Regen statt. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch. (Bilder: Ralph Ribi)

Wie aber geht’s finanziell weiter? Darüber haben die Appowiler kürzlich an ihrer Mitgliederversammlung diskutiert. «Ziel ist es, einen Stock von rund 25 000 Franken zu erreichen», sagt Tschirren. Als Erstes wurden die Mitgliederbeiträge um 50 Franken erhöht. Die Idee sei von einigen der rund 120 Mitglieder gekommen und praktisch einstimmig gutgeheissen worden, freut sich Tschirren. Eine weitere Idee sei, dass man die Appowiler künftig mieten könne. Für Geschäftsanlässe etwa, bei denen die Mitglieder schottische Wettkämpfe organisieren. Weiter ist in der Alten Turnhalle Engelburg ein Konzert mit dem Saint City Orchestra geplant. Dort werden die Appowiler eine Bar betreiben. Unter Federführung von Highland-Games-OK-Mitglied Adrian Osterwalder wird eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die weitere Ideen zur Geldbeschaffung umsetzt. Osterwalder habe zudem kürzlich nach einem Abend im Gallus Pub knapp 3000 Franken aus eigener Tasche in die Vereinskasse gezahlt, wie Tschirren sagt.
 

Appowiler weichen mit dem Datum aus

Damit starten die Appowiler mit rund 7000 Franken in die Vorbereitung der sechsten Highland Games. Obwohl diese erst in eineinhalb Jahren stattfinden, treffen sich die Ressortchefs noch diesen Monat zur ersten Sitzung. Besonders schön sei es, den Elan der Vereinsmitglieder zu spüren, sagt Tschirren: «Die Grundhaltung nach zweimal schlechtem Wetter ist: jetzt erst recht.»

Diskussionspunkt war auch das Datum der nächsten Wettkämpfe. Bisher fanden die Games am ersten ganzen Septemberwochenende statt. Da dann auch das Irish-Open-Air in Ennetbühl über die Bühne geht und künftig das Hofspektakel in Wil, weichen die Appowiler aus. Die sechsten Highland Games finden eine Woche früher statt, vom 30. August bis 1. September 2019. Und zwar wieder in kleinerem Rahmen als 2017. Man wolle «zurück zu den Wurzeln», sagt Tschirren. Der Anlass solle wie gewohnt «schön und detailverliebt» werden. «Aber wir müssen nicht die grössten Highland Games der Schweiz sein.»