Deponie und Lärmschutz vereint

GOSSAU ⋅ Statt eine Deponie im Radmoos will der Gossauer Stadtrat mit Aushubmaterial einen Lärmschutzdamm entlang der Autobahn erstellen. Diese Pläne sind schon alt. Besonders gross ist die Freude bei der Flig.
17. August 2017, 05:18
Angelina Donati

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angelina.donati

@tagblatt.ch

Im Gebiet Radmoos, zwischen Gossau und Niederwil, will der Kanton eine Deponie erstellen und es daher im Richtplan aufnehmen. Nun meldet sich der Gossauer Stadtrat zu Wort: Er lehnt den Standort ab. Im Westen von Gossau und in Oberbüren bestehen aktuell Pläne für acht neue Deponien. «Zu viele», findet der Stadtrat, der in einem Communiqué von «grossen Überkapazitäten» schreibt. Auch ist er der Meinung, dass die- se Standorte einzig über die Autobahnzufahrten Gossau und Oberbüren erschlossen werden könnten, wodurch das LKW-Aufkommen bei den Autobahnanschlüssen und in den Dörfern zunehmen werde. Viel lieber möchte der Stadtrat, dass das Projekt für einen aus Aushubmaterial aufgeschütteten Lärmschutzdamm entlang der Autobahn wieder ins Spiel gebracht wird. «Dies ist eingehend zu prüfen, bevor andere Deponiestandorte in den kantonalen Richtplan aufgenommen werden», so der Stadtrat.

Baustart könnte weitere Jahre dauern

Der Entscheid des Stadtrats, der in diesen Tagen kommuniziert wurde, stand anscheinend schon Anfang Juli fest. Die Mitteilung aber sollte nicht in der Saure-Gurken-Zeit an die Bürger gelangen, wie Urs Salzmann, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Gossau, sagt. Auf diese paar Wochen scheint es ohnehin nicht anzukommen, wie ein Blick in die unendliche Geschichte eines Lärmschutzdammes zeigt. Bereits 1980 soll das kantonale Baudepartement diesen Plänen der Stadt Gossau zugestimmt haben. Passiert ist allerdings nie etwas. Im Jahr 2000 informierte der damalige Gemeinderat über einen geplanten Damm von der Bischofszellerstrasse zur Lindenstrasse. Und wieder verstaubten die Dokumente in der Schublade. Erst eine Einfache Anfrage von Alfred Zahner, heutiger Präsident der Flig, brachte den Ball 2002 wieder ins Rollen. Zahner wollte wissen, wann mit dem Bau denn gestartet werde.

Heute, 15 Jahre später, spricht sich der Stadtrat nun für das Projekt aus, und es scheint, als gebe es einen Ruck. Dementsprechend gross ist die Freude bei Zahners Partei. «Die Flig ist hocherfreut, dass der Stadtrat den Denkanstoss der Flig aufgenommen hat und sich klar gegen die geplante Deponie im Radmoos wendet», heisst es in einer Stellungnahme. Von einem Lärmschutzdamm entlang der Autobahn könnten viele Gossauer profitieren, ist sich Zahner sicher. «Schliesslich sind zahlreiche Quartierbewohner vom Autobahnlärm betroffen.»

Bis es so weit ist, dürften Jahre vergehen. Denn um ein solches Projekt zu Stande kommen zu lassen, braucht es viel. «Für eine Deponieplanung wird jeweils mit fünf bis zehn Jahren gerechnet», erklärt Tensing Gammeter vom Amt für Umwelt des Kantons. Bis das Projekt überhaupt so weit fortgeschritten ist, müssen sich der Kanton und die Stadt Gossau beraten und eine geeignete Variante auswählen. Denn obwohl bislang stets von einem Lärmschutzdamm die Rede war, gibt es laut Gammeter auch noch eine weitere Lösung: eine Deponie im herkömmlichen Sinne, wie sie beispielsweise in Sirnach vorzufinden ist. Solche Deponien werden ebenfalls entlang der Autobahn in einem bestimmten Abschnitt angelegt. Auch diese Variante habe eine Schallschutzwirkung, und biete gegenüber dem eigentlichen Lärmschutzdamm den Vorteil, dass bei Weitem mehr Aushubmaterial deponiert werden könne. «Der Kanton hat natürlich Interesse an einer Deponie mit möglichst viel Volumen», so Gammeter weiter. Bei dieser Möglichkeit hingegen werde mehr Fläche benötigt, wogegen sich die Landbesitzer auflehnen könnten.

 


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