Bedrohter Molch wird endlich heimisch

KLEIN UND UNSCHEINBAR ⋅ Speziell für den Fadenmolch wurden auf dem Waffenplatz Herisau-Gossau zwei zusätzliche Weiher angelegt. Mit Erfolg, wie neueste Beobachtungen zeigen.
29. September 2017, 07:01
Angelina Donati

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angelina.donati

@tagblatt.ch

Wie viele andere Amphibien steht auch der Fadenmolch in der Schweiz auf der Roten Liste. Er ist vom Aussterben bedroht. Vereinzelt kam er zwar in der Vergangenheit auf dem Areal des Waffenplatzes Herisau-Gossau vor, allerdings nur in geringer Zahl. Und dies obwohl den Amphibien als Fortpflanzungsgewässer mittlerweile über 30 Weiher und Tümpel zur Verfügung stehen.

Speziell für den Fadenmolch wurden zwei zusätzliche Weiher erstellt. Im Gegensatz zu anderen Molcharten fühlt sich der Fadenmolch am wohlsten in verwachsenen und hügeligen Gebieten, wie Ivo Moser vom Ökobüro Hugentobler AG in Altstätten erklärt. «Der Fadenmolch bevorzugt schattige Lebensräume.» Zudem sucht sich der kleinste aller Molche auch stets Weiher aus, die nicht gross von anderen Molchen oder Fröschen besiedelt sind. Wohl genau auch wegen der Larven. So sind nämlich zahlreiche Amphibienarten hinter dem Laich des Fadenmolches her, wie Moser weiter erklärt.

Zwei Männchen entdeckt

Regelmässig wird überprüft, wie Amphibien auf die Pflegemassnahmen auf dem Areal des Waffenplatzes ansprechen. Die neuesten Ergebnisse stimmen die Naturschützer zufrieden: Wie sich zeigt, sei der bedrohte Molch in einem der Gewässer heimisch geworden, heisst es in einer Mitteilung. Und die Chancen stünden gut, dass sich der Fadenmolch auch im zweiten, extra angelegten Weiher, bald ansiedeln werde. Konkret gesichtet wurden zwei Männchen, wie Moser sagt. «Sehr wahrscheinlich werden bald auch Weibchen dazukomen.» Zwar dauerte es etwas, bis sich der Fadenmolch niederliess, wurden doch die beiden Weiher vor bereits vier Jahren erstellt. Moser ist dennoch zuversichtlich, dass der Bestand der seltenen Molche gehalten werden kann. Ideal sei, dass sich die Tiere in mehreren Weihern aufhalten, und nicht mehr nur in den Randbereichen des Areals. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass sich die Populationen verinseln und kein Austausch stattfindet.

Bereits seit 20 Jahren werden Flächen auf dem Waffenplatz Herisau-Gossau nach ökologischen Gesichtspunkten extensiv bewirtschaftet und die Amphibienlaichgewässer fachmännisch gepflegt. Ein seit 2008 laufendes Amphibienmonitoring bestätigt gemäss Mitteilung, dass die Amphibien gut auf die Pflegemassnahmen ansprechen.

 

Der Fadenmolch ist der kleinste einheimische Molch und unscheinbar bräunlich gefärbt. Kennzeichnend und namengebend ist die fadenförmige Schwanzspitze des Männchens. Gemäss Mitteilung besiedelt der Fadenmolch fischfreie Kleingewässer unterschiedlichster Art. Auch schattigere und kühlere Gewässer, welche andere Amphibienarten eher meiden, sagen ihm zu. In der Schweiz wird der Fadenmolch auf der Roten Liste als verletzliche Art geführt. (ad)


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