Bau bleibt blockiert

UNEINS ⋅ Wann das Alters- und Pflegezentrum auf dem Areal des Andreaszentrums gebaut wird, weiss im Moment niemand. Einsprecher stellen sich nach wie vor gegen das Vorhaben.
27. Oktober 2017, 05:19
Sebastian Schneider

Sebastian Schneider

sebastian.schneider

@tagblatt.ch

Ein weiteres Mal wird die Geduld der alt Regierungsrätin Kathrin Hilber auf die Probe gestellt. Als Verwaltungsratspräsidentin der Sana Fürstenland AG will sie so rasch als möglich mit der Realisierung des neuen Alters- und Pflegeheims auf dem jetzigen Areal des Andreaszentrums beginnen. Dabei spürt sie auch den Druck von aussen: «Ich werde immer wieder darauf angesprochen, wann man einen Platz im Alterszentrum reservieren dürfe», sagt Hilber. Versprechen könne sie den Interessenten gar nichts. «Obwohl wir von unserer Seite so weit wären, um im nächsten Sommer mit der Bauphase zu starten», sagt Hilber, die vom Bauvorhaben mit 100 Betten im Hauptgebäudeteil und 25 Alterswohnungen in einem zweiten Baukörper überzeugt ist. Gegen den entsprechenden Gestaltungsplan ist eine Einsprache von zwei Parteien eingegangen («Tagblatt» vom 6. Juni). Die Gemeinde wies diese ab, worauf die beiden Einsprecher kürzlich Rekurs einlegten. Das Verfahren ist derzeit beim Kanton hängig, wie die Stadtkanzlei bestätigt.

Am «Espel» hängen noch viele

Kathrin Hilber bedauert «ausserordentlich», dass man sich mit den Einsprechern nicht einigen konnte und dass das Projekt auf unbestimmte Zeit blockiert bleibt. Einer der Einsprecher, Alex K. Fürer, hat sich schon früh öffentlich gemeldet. In einer Art Interview in den «Gossauer Nachrichten» legte er seine Argumente dar. Daraufhin beklagte ein Leserbriefschreiber, Fürer wehre sich nur aus egoistischen Motiven gegen das Projekt. Fürer kann sich an den Leserbrief bestens erinnern und sagt auf Anfrage: «Ja, ich habe als Anstösser Einsprache eingelegt. Eine Betonwand mit über 70 Metern Länge und fünf Stockwerken verträgt sich mit der heutigen Überbauung in Gossau schlicht nicht. Zudem besteht kein Verkehrskonzept, es gibt für die über 100 Beschäftigten keine Parkplätze.» Die Einsprache gegen den Gestaltungsplan sei die letzte Möglichkeit, noch gegen das Projekt vorzugehen. «Hätte ich nichts gemacht, wäre das Vorhaben jetzt so gut wie bewilligt», hält Fürer, der rund um das Areal des Andreaszentrums mehrere Liegenschaften besitzt, fest.

Grundsätzlich ist dem ehemaligen Präsidenten der Ortsbürgergemeinde Gossau das Alters- und Pflegezentrum einfach zu gross. Geht es nach ihm, könnte man zum Beispiel das Altersheim Espel renovieren und nur einen Teil der pflegebedürftigen Senioren ins Zentrum holen. Damit greift Fürer Stimmen in Gossau auf, die sich immer wieder für den Erhalt des Espels aussprechen. «Gerade für Demenzkranke wäre die Lage beim Espel ideal», ist Fürer überzeugt. Kathrin Hilber hält entgegen: «Das Espel liegt in der Landwirtschaftszone; baulich kann man an diesem Haus gar nichts machen.» Eine Aussage wiederum, die Urs Pfister, Anwalt von Alex K. Fürer, nicht stehen lassen will. Man könne eine Teilzonenplanänderung vornehmen, und besondere Nutzungen seien zudem auch ausserhalb der Bauzonen zulässig, wie das Beispiel der Institutionen von Pfarrer Ernst Sieber zeige.

Hilber und Fürer sind zudem darin uneins, was für demenzkranke Menschen die bessere Umgebung ist: Stadtrand oder Stadtzentrum. Kathrin Hilber nennt den allgemeinen Trend, dass Altersheime heute nicht mehr am Waldrand gebaut werden, sondern in den Zentren. Bereits vor 20 Jahren habe sich ein Paradigmawechsel eingestellt. «Betagte wollen heute mehr am sozialen Leben teilhaben, und sie wollen individueller leben. Im Stadtzentrum sind sie rasch im Supermarkt, in der Kirche oder am Bahnhof.»

78 Prozent Ja-Stimmen für ein veraltetes Projekt?

Verändert hat sich auch aus Sicht von Alex K. Fürer viel. «Man muss doch überprüfen, ob das Projekt noch zeitgemäss ist. Heute sind private Anbieter bereit, auch Demenzkranke aufzunehmen.» Die damaligen Annahmen über den Bedarf von Pflegeplätzen seien überholt. Die Worte Fürers prallen bei den Verantwortlichen ab. «Der Auftrag ist klar und demokratisch abgestützt», sagt Kathrin Hilber und erinnert daran, dass bei der Abstimmung im März 2013 über 78 Prozent Ja sagten und darauf die Stimmbürger in Andwil, Gaiserwald, Oberbüren und Niederbüren ebenfalls dem Projekt zustimmten. Ende 2014 genehmigte zudem eine deutliche Mehrheit der katholischen Kirchbürger in Gossau den Baurechtsvertrag mit der Sana Fürstenland. Hilber kann nicht verstehen, weshalb ein demokratisch abgestütztes Projekt immer noch von Gegnern gebodigt werden will. Fürer seinerseits relativiert die Abstimmung von 2013. «Ich bin mir nicht sicher, ob sich alle bewusst waren, worüber sie abstimmten.» Seinen Kampf gebe er nicht auf. «Die Einsprache wurde ja von der Gemeinde abgewiesen, die selber so gut wie Partei ist.» Alex K. Fürer will zuerst die Beurteilung durch die Rekursinstanz abwarten. Über weitere Schritte denke er erst nach, wenn die Beurteilung des Kantons vorliegen wird.

 

 


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