Hoch, höher, «Tower-Hotel»

Vergangenes Jahr überraschte Sepp Oberholzer mit der Idee eines Hotels im Turm der ehemaligen Landi. Bereits im Sommer soll das «Tower-Hotel» nun öffnen. Vorher geht Oberholzer noch auf eine ungewöhnliche Werbetour.

08. April 2009, 01:01
Markus Symank

Waldkirch. Schwindelfrei – das sollte man schon sein, wenn man dem «Tower-Hotel» in Waldkirch derzeit einen Besuch abstattet. Noch gelangt man nur über eine Feuertreppe zu den oberen Stockwerken, noch muss über wackelige Holzbalken balanciert und auf geländerlose Abgründe acht- gegeben werden.

Der Aufstieg wird mit einer atemberaubenden Aussicht von den bereits montierten Balkonen aus belohnt: In der Ferne glitzert silbern der Bodensee, die Schneefelder der österreichischen Alpen funkeln in der Morgensonne. Den St.-Blasius-Kirchturm überragt das «Tower-Hotel» deutlich. Nur der Säntis hält sich hinterm Tannenberg verborgen. «Aber das kriegen wir auch noch irgendwie hin», lacht Sepp Oberholzer.

Eröffnung im Sommer

Der Besitzer und Bauherr des «Tower-Hotels» lehnt am provisorischen Balkongeländer und blinzelt in die Sonne. «Ich war selbst erschrocken, als mir die Hotelidee erstmals durch den Kopf ging.» 14 Hotelzimmer auf vier Stockwerken entstehen seit Sommer vergangenen Jahres im ehemaligen Futterverarbeitungs-Turm der Landi-Liegenschaft (Ausgabe vom 19.9.2008). Ab Juli steht das Hotel für Gäste offen.

Bis dann sollen auch eine 100 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage sowie 30 Quadratmeter Sonnenkollektoren installiert werden. Ausserdem setzt Oberholzer auf Pelletheizung. Aus rein wirtschaftlichen Gründen, betont er. «Besonders grün bin ich nicht.» Zeitweise habe er auch mit dem Gedanken gespielt, auf dem Hoteldach eine Terrasse samt Whirlpool zu installieren. «Aber auf einer Höhe von 25 Metern erschien mir das dann doch zu riskant für die Gäste.»

Vollautomatischer Hotelbetrieb

Es ist nicht das erstemal, dass der Bauernsohn und gelernte Mechaniker mit einem aussergewöhnlichen Projekt aufhorchen lässt. So hoch hinaus wie mit dem «Tower-Hotel» wollte der Selfmademan, der selbst in den obersten zwei Turm-Stockwerken in 40 Meter Höhe wohnt – jedoch noch nie. Doch ist seine neuste Geschäftsidee nur kurios oder auch genial? «Sollte es funktionieren, dann baue ich einen zweiten Turm», folgt die schlagfertige Antwort – und sein Gesichtsausdruck schwankt dabei zwischen Belustigung und Ernst.

Fest steht: Die Betriebskosten werden niedrig ausfallen. So wie im Turm einst automatisch Futter verarbeitet wurde, so soll auch der Hotelbetrieb automatisiert von- statten gehen. Reserviert und bezahlt (pro Übernachtung zwischen 65 und 120 Franken) wird per Computer, dieser spuckt auch den Zimmerschlüssel aus. Zur Verköstigung stehen Getränke- und Snackautomaten bereit. Lediglich für die Zimmerreinigung benötigt Oberholzer Personal.

Gefahr des Stundenhotels?

Dass einige Waldkircher dem Betrieb angesichts dieser Anonymität eine Zukunft als Stundenhotel vorhersagen, lässt Oberholzer kalt. «Je mehr über das Hotel geredet wird, desto besser.» Einige Dörfler hätten bereits Interesse an einer Übernachtung bekundet.

Um jedoch auch positiv auf das «Tower-Hotel» aufmerksam zu machen, hat Oberholzer ein eigenes Werbekonzept entwickelt. An seine feuerrote Corvette will er einen Anhänger samt Werbetafel kuppeln und damit durch die Schweiz düsen. Aussergewöhnliche Ideen benötigen eben aussergewöhnliche Massnahmen.


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