Stadtpolizei St. Gallen prüft Einsatz von Bodycams

ST.GALLEN ⋅ Die Zürcher Stadtpolizisten sollen definitiv mit Bodycams ausgerüstet werden. Ein Pilotversuch zeigte, dass die Kameras eine deeskalierende Wirkung haben. In St.Gallen prüft man Massnahmen.
13. April 2018, 18:22
Dieser Artikel erschien zuerst am 13. April auf FM1Today.ch

Für den städtischen Sicherheitsvorsteher Richard Wolff (AL) sind die Uniform-Kameras ein «mildes Mittel zur Deeskalation», wie er am Freitag vor den Medien in Zürich sagte. Die Pilotphase habe gezeigt, dass nur schon die Ankündigung, dass die Kamera jetzt eingestellt werde, mässigend wirke. Während 36 Wochen testete die Zürcher Stadtpolizei im vergangenen Jahr die Uniform-Kameras. Die mit Bodycam ausgerüsteten Polizistinnen und Polizisten wurden gut ersichtlich gekennzeichnet: Hinten am Rücken ein «Video»-Schild, vorne auf der Brust ebenfalls.
 

St.Galler Stadtpolizei prüft Bodycams

Bei der St.Galler Stadtpolizei hat man die Tests der Kollegen aufmerksam mitverfolgt. Roman Kohler, Mediensprecher der Stadtpolizei: «Wir warten die Pilotversuche anderer Städte ab und wägen dann ab, ob auch in der Stadt St.Gallen Bodycams eingesetzt werden sollen.» Man will sich mit den Kollegen austauschen und genaueres dann prüfen. Ein Einsatz vorstellen könne man sich jedoch beim Corps: «Wenn, dann werden wir die Kameras wohl nur punktuell einsetzen», so Kohler.

Die Zürcher Stadtpolizisten sollen definitiv mit Bodycams ausgerüstet werden. Ein Pilotversuch zeigte laut Sicherheitsvorsteher Richard Wolff , dass die Kameras eine deeskalierende Wirkung haben. Zudem liefern sie Beweismaterial, falls sich ein Polizist nicht korrekt verhält. sda-Interview mit Richard Wolff. (Raphaël Rück)

Bodycams sollen in heiklen Momenten helfen

Die Kamera wurde immer dann angestellt, wenn etwa eine Personenkontrolle zu eskalieren drohte oder wenn das Gegenüber das Einschalten der Bodycam verlangte. Ein Blinklicht zeigte an, dass die Kamera lief. Zudem musste der Polizist sein Gegenüber immer auch verbal darauf aufmerksam machen. Die Auswertung der Ergebnisse zeigt, dass die Kameras durchaus eine Tendenz zur deeskalierenden Wirkung hatten. Ohne Bodycam gab es bei 0,6 Prozent aller Einsätze Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten. Mit der Uniform-Kamera nahm dieser Anteil auf 0,39 Prozent ab. Dies ist ein Rückgang um ein Drittel. «Unsere Polizisten wurden deutlich weniger geschubst und getreten», sagte Wolff.
 

Zurückhaltung bei Churer Stadtpolizei

Im Kanton Graubünden hat man den Entscheid der Zürcher Kollegen interessiert mitverfolgt. Roland Hemmi, der stellvertretende Kommandant der Churer Stadtpolizei, stellt klar: «Solche Kameras sind bei uns aktuell kein Thema. Schon aus finanzieller Sicht.» Man will erst abwarten bis Ergebnisse der Zürcher Kollegen eintreffen.
 

Filmclips könnten als Waffe gegen Polizei dienen

Doch auch für jene Menschen, die es mit der Polizei zu tun bekommen, sollen die Bodycams ein Vorteil sein: Falls sich ein Polizist nicht richtig verhält, gibt es davon Videoaufnahmen. Diese würden von der Staatsanwaltschaft als Beweismittel akzeptiert, falls es zu einem Strafverfahren gegen einen Polizist kommt. Nicht alle Polizisten sind erfreut über das neue Arbeitsinstrument. Gemäss Kommandant Daniel Blumer gibt es durchaus Vorbehalte gegenüber den Bodycams, weil damit Bildmaterial über das eigene Handeln vorhanden sei. Einige würden sich überwacht fühlen. In der Testphase gab es denn auch einen Fall, bei dem sich die Kamera unbeabsichtigt eingestellt hatte – ausgerechnet dann, als sich der Polizist nicht korrekt verhielt. Der Polizist wurde zwar nicht sanktioniert, doch der Vorfall sorgte intern für Unruhe. (sda/red)

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