Spital kostet 41 Millionen

KREDITVORLAGE ⋅ Die Innerrhoder Standeskommission hat die Kreditvorlage für einen Spitalneubau präsentiert. Die Landsgemeinde stimmt 2018 darüber ab.
10. Oktober 2017, 05:19
Roger Fuchs

Roger Fuchs

roger.fuchs@appenzellerzeitung.ch

Will die Innerrhoder Bevölkerung weiterhin eine wohnort­nahe medizinische Grundversorgung mit kleiner stationärer Abteilung, so gibt es nur einen Weg: Sie muss an der kommenden Landsgemeinde einen Kredit von 41 Millionen Franken durchwinken. Das machten gestern Frau Statthalter Antonia Fässler und Bauherr Ruedi Ulmann vor den Medien klar. «Bei einem Nein zum Kredit würde voraussichtlich innerhalb weniger Jahre der Beschluss für eine geordnete Schliessung des heutigen Spitals folgen», sagte Fässler. Die Leistungen der akutstationären Spitalversorgung müssten dann ausserkantonal eingekauft werden. Ulmann erachtet dies nicht als ein Unter-Druck-Setzen der Bevölkerung.

An einer Grossratssession im April seien drei Optionen diskutiert und dabei der Grundsatz gefällt worden, dass man einen Neubau vorziehe. Geprüft wurde aber auch eine Sanierung der heutigen Gebäude nicht. Die Kosten wären aber ebenso hoch wie bei einem Neubau. Überdies sind sich Ulmann und Fässler einig, dass die Vorteile eines Neubaus überwiegen. Mit der Schaffung einer zeitgemässen Infrastruktur könnten auch Betriebsabläufe optimiert und die Konkurrenzfähigkeit gestärkt werden – nicht zu vergessen die höhere Attraktivität für Patientinnen und Patienten, Ärzteschaft und Personal.

Eine Bettenstation mit 13 Zimmern

Der Neubau soll an der Stelle des heutigen Personalhauses zu stehen kommen. Das Siegerprojekt ging aus einem Projektwettbewerb hervor. Vom Konzept her soll sich das Spital zu einem Ambulanten Versorgungszentrum Plus (AVZ+) entwickeln. Dieses beruht primär auf einem ambulanten medizinischen Angebot, das eine Grundversorgung ergänzt mit verschiedenen Fachdisziplinen und Gesundheitsdienstleistungen umfasst. Weiter enthält das «AVZ+» eine Tagesklinik mit einer Bettenstation mit 13 Zimmern und maximal 26 Betten. Rettungsdienst und Notfallaufnahme runden das Angebot ab. Das neue Spital will man wie bisher mit einem Beleg- und Konsiliararztsystem führen. Zusätzlich bestehen in bestimmten Fachbereichen Kooperationen mit dem Kantonsspital St. Gallen und dem Ausserrhoder Spitalverbund. Der Kredit von 41 Millionen Franken setzt sich zusammen aus 37,2 Millionen für die Baukosten und einer kantonalen Kostenbeteiligung von 3,8 Millionen an der Anschaffung von neuen Einrichtungen und medizinischen Apparaten. Das letzte Wort hat die Landsgemeinde 2018.

Es könnte zu einer Steuererhöhung kommen

Angesichts der Eigenmittel von 70 Millionen Franken ist der Neubau für Appenzell Innerrhoden leistbar, sind sich Fässler und Ulmann einig. Werden allerdings alle kantonal geplanten Investitionsvorhaben in Betracht gezogen, braucht es ab 2020 zusätz­liches Geld in Form von Fremdkapital oder mittels einer Steuererhöhung. Der Grosse Rat wird die Vorlage in der Dezember- und der Februarsession diskutieren. Läuft der Abstimmungsprozess rund, soll im Frühjahr 2019 die Baueingabe erfolgen und von Herbst 2019 bis Mitte 2022 der Neubau erstellt werden.

Und was sagt Antonia Fässler zur Kritik, dass die Wege nach St. Gallen oder Herisau kurz sind und Appenzell nicht zwingend ein Spital braucht? «Es ist unsere Aufgabe, die Gesundheitsversorgung vor Ort sicherzustellen», sagt sie. Zudem würden ohne Spital Steuermittel nach St. Gallen oder Ausserrhoden transferiert. Denn mit der kantonalen Kostenbeteiligung an den Krankheitsfällen würden auch Infrastrukturen mitfinanziert. «Wir müssen schauen, die Gelder in unserem Kanton zu behalten», sagt Fässler.


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