Viel Schilf im Moosanger

DIEPOLDSAU ⋅ Im Naturschutzgebiet Moosanger steht Schilf, wo es laut Verträgen nicht stehen sollte. Kontrollieren, ob und wann gemäht wurde, müssen nicht mehr die Gemeinden, sondern der Kanton.
15. Februar 2018, 05:20
Kurt Latzer

Kurt Latzer

Überbleibsel des letzten Sturms liegen entwurzelt oder geknickt im Naturschutzgebiet Moosanger. Fisch- und ein Silberreiher lassen sich auf Bäumen auf den Streuwiesen nieder. Sie halten Ausschau nach Beute. Auf dem Spaziergang mit einem Mann, der sich in der Natur und im ­Gebiet sehr gut auskennt, sind neben den gemähten Streuwiesen immer wieder Schilfgürtel zu sehen.

«Die sollen eigentlich gemäht sein, damit andere Pflanzen wieder mehr Licht bekommen, um wachsen zu können», sagt der Naturfreund. Schliesslich gebe es Geld für den Unterhalt der sogenannten GAöl-Flächen. An einzelnen Stellen zeigt der Mann zwischen Kopfweiden auf Stellen mit meterhohem Schilf, das da eigentlich nicht stehen dürfte.

Bei Missbrauch drohen Abzüge und Bussen

In den etwa 12000 GAöl-Verträgen (Gesetz über die Abgeltung ökologischer Leistungen) im Kanton St. Gallen ist unter anderem geregelt, welche Streuwiesen wann gemäht werden dürfen. Im Fall des Moosangers darf der Landwirt, der die Abgeltung für ökologische Leistungen bekommt, nicht vor September mähen. Geregelt aber ist auch die Grösse der Streuwiesen, die zu mähen sind.

Hält sich der Landwirt nicht an die Vereinbarungen, kann es teuer werden. Denn Missbräuche ahndet der Bund mit der Kürzung von Direktzahlungen und Bussen. Das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) ist zuständig für die Einhaltung der GAöl-Verträge. Kontrollieren kann das Amt aufgrund der vielen Verträge nur stichprobenweise. Zudem gehen die Verantwortlichen Meldungen aus der Bevölkerung nach.

Auch bei Streuwiesen gibt es Ausnahmen

Bei der Einhaltung von Schnittzeiten und -flächen gibt es laut ANJF nur in sehr seltenen Fällen Verstösse. Bei den nicht gemähten Flächen im Naturschutzgebiet Moosanger könnte es sich um sogenannte Rückzugsstreifen für Wildtiere während des Winters handeln. Fünf bis zehn Prozent der Schilffläche könne man als Rückzugsstreifen behalten. Im folgenden Herbst aber sei das Schilf auf den Rückzugsstreifen zu entfernen, damit die Streuwiesen nicht zu sehr mit Büschen überwuchern.

Das Naturschutzgebiet Moosanger liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Diepoldsau. Präsident der Naturschutz- und der landwirtschaftlichen Kommission ist der Landwirt Stefan Britschgi. Laut ihm zählen im Moosanger 159 Aren zu den GAöl-Streuwiesen, die ab dem 1. September bis zum folgenden Frühling gemäht würden. Und warum wurde im Moosanger nicht die gesamte GAöl-Streuwiese gemäht? «Weil der Biber den Auslauf des Moosangers staute, sodass die Streuwiesen grösstenteils unter Wasser standen», sagt Stefan Britschgi. Wenn weniger GAöl-Fläche unterhalten werden kann als vertraglich vereinbart, gibt es dann auch weniger Geld? «Ja, wenn die entsprechende Fläche aus dem Vertrag genommen wird», sagt der Diepoldsauer Gemeinderat. Und was ist, wenn man den Unterhalt witterungsbedingt oder wegen schlechter Bodenbeschaffenheit nicht leisten kann? Stefan Britschgi: «Das ist nicht abschliessend geklärt. Im Normalfall besteht die Gefahr eher im zu frühen Schnittpunkt wegen zu starker Nässe im Herbst.»


Anzeige: