Mit der Pumpe vom Gegner

MOUNTAINBIKE ⋅ Der 23-jährige Rheinecker Simon Vitzthum hat zum ersten Mal das 8-Tage-Rennen Cape Epic in Südafrika bestritten: «Es war ein Abenteuer.»
11. April 2018, 05:21
Yves Solenthaler

Yves Solenthaler

Zusammen mit dem Obwaldner Martin Fanger, der das Cape Epic bereits 2014 gefahren war, nahm Vitzthum das legendäre Mehretappenrennen in Angriff.

Fanger war aufgrund seiner Erfahrung als Leader des Duos vorgesehen. «In der Vorbereitung hat er diesen Part auch übernommen», sagt Vitzthum. Im Rennen selbst war es aber der Rheinecker, der als Antreiber fungieren musste. Denn sein Partner hatte schon vor dem Start über Magen-Darm-Beschwerden geklagt und war während des ganzen Rennens nie richtig gesund.
 

Als Einzelsportler plötzlich im Team funktionieren

Das Unwohlsein drückte auf die Stimmung und wirkte sich auch negativ auf Fangers Leistungs- fähigkeit aus. Daher übernahm Vitzthum den Lead im Rennen, das für ihn Neuland war: «Eine sehr lehhreiche Erfahrung.» Im richtigen Moment den Partner antreiben, aber auch mal den Ton verschärfen. «Ich bin locker geblieben und habe das ziemlich gut hinbekommen», sagt Vitzthum. Was gerade für einen Einzelsportler nicht selbstverständlich ist: «Normalerweise schaue ich nur für mich selbst. Zusammen mit einem Partner bringt es nichts, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen – man muss die Situation so nehmen, wie sie ist.»

Im Gegensatz zu anderen Profiteams sind Fanger/Vitzthum nicht mit einem Begleittross gereist. Das bedeutete: Übernachten im Zelt, eigenhändig das Bike wieder für die nächste Etappe richten – wenn auch nur notdürftig. «Dadurch war es weniger komfortabel – aber darauf hatten wir uns eingestellt», sagt Vitzthum. Andere Teams halfen gerne aus. So hatte die Pumpe im vom Veranstalter bereitgestellten Rollkoffer keinen Platz: «Wir haben dann jeweils eine Pumpe geliehen bekommen.»
 

Vitzthum wurde erst nach dem Rennen richtig müde

In der 1. Etappe – täglich waren etwa 100 km durch steinigen und dornigen Sand zurückzulegen – fuhren Fanger/Vitzthum auf den vierten Platz, im Gesamtklassement waren sie nach Rang 14 im Prolog Achte: «Damit haben wir uns Respekt verschafft.» Später fiel das Duo zurück, konnte sich aber am Schluss wieder steigern. Mit dem 17. Platz ist Vitzthum ziemlich zufrieden.

Trotz des gewaltigen Pensums habe er nie übermässige Müdigkeit gespürt: «Erst als ich am Sonntag nach dem Rennen mit dem Taxi in die Nähe des Flughafens gefahren bin, hat mich die Müdigkeit übermannt», sagt Vitzthum. Es kam ihm vor, als habe er mit seinem Körper erfolgreich abgemacht, acht Tage lang nicht müde zu werden.


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