Die Fasnachts-Show wird weitergehen

BERNECK ⋅ Pointierte Verse und Polit-Kabarett sind das Markenzeichen des Karneval zu Bernang. Auch am Fasnachtssamstag brachten vier Schnitzelbank-Gruppen an den Tag, was im letzten Jahr so alles krumm gelaufen war.
12. Februar 2018, 05:18

Die traditionelle Runde der Schnitzelbänkler durch Bernecks Gaststätten ist der lang erwartete Fasnachtshöhepunkt. In der fünften Jahreszeit gerät das Dorf sogar weltpolitisch ins Rampenlicht, wenigstens für die unzähligen Besucher der Schnitzelbank-Vorträge. Sei es, weil Christian Constantin (Überfliegair Roman Federer) das Dopinglabor für die Olympiade 2026 im Dokterhus von Felix Oberholzer einrichten will. Oder weil die Abstände der Pfosten an der Neugass Platz bieten zum Parkieren der Stretchlimousinen von BEF-Teilnehmern (Berneck Ekonomik Forum) und der autofreie Rathausplatz als Landeplatz für den Heli Marine One. War die Neugass drei Jahre lang ein Pumptrack, würde sie mit dem Aufmarsch des amerikanischen Präsidenten zum Trump-Track. Aber an der diesjährigen Fasnacht herrschten die regionalen und lokalen Themen vor: Das Haus des Weins, das Pärkli vor der Alpha Rheintal Bank, das Rössliplatz heissen wird, oder die Katze von Melanie Kast, die mit dem Manitou von Dachdecker Bieri vom Baum gerettet werden musste. Dazu reimten die Räbahäxa: «Mir froget üs, warum het si sich verkroche? Villicht liits dra, dass der Peter Kast in Asie glernt het koche.»

Treffend kostümiert, vom Maskenbildner geschminkt

Das optische Spektakel war dieses Jahr besonders vielfältig. Die Gruppe Bäredräck, drei Fasnachts-Urgesteine, die nach ei­nigen Jahren der Abstinenz in den Schnitzelbank-Zirkus zurückkehrten, kamen als schlichte Bernecker Bären. Sie punkteten mit der musikalischen Vielfalt von Handörgeler Hansruedi Lei und den wundervoll bissigen Helgen von Pablo Bänziger, vor allem aber mit der witzigen Moderation und den präzise gesungenen Spottversen von Mario Ammann: «De Jakob vo Huuse – de tuet nur no huuse. Im Rothuus ischt nünnt los – das liit nur am Seelos.»

Ein ganz anderes Bild boten die Jungs und Girls der Newscomer. Da moderierte Matthias Hüppi alias Michael Schläpfer die Auftritte von Alain Sutter, Carlo Janka und von Havarie-Kapitän Schettino. Zur Runde kam auch eine dopende Krankenschwester, eine gedopte russische Athletin und eine konkursite Air-Berlin-Hostess. Marco Geiger verkörperte mit wunderschönem Gemüse-Paket-Hut die neue Postagentur im Volg. Die Newscomer sind der fasnachtsbegeisterte Nachwuchs der Bernecker Familien Schläpfer, Seitz, Sieber, Geiger und Kast. Ein besonderer Hit war ihr Song zum nicht stattgefundenen 1125-Jahr-Jubiläum. Zur Melodie des Udo-Jürgens-Hits «Mit 66 Jahren . . .» kamen alle verschleppten Projekte aufs Tapet: «Doch anstelle einer grossen Jubiläumsschau, präsentiert man den Leuten nur unsern Strassenbau.» Im Refrain hiess es «Mit 1122 Jahren, der Strassenbau fängt an, mit 1123 Jahren, da bau’n sie noch daran. Mit 1224 Jahren, da komm’n sie erst in Schuss, mit 1225 Jahren ist noch lange nicht Schluss.» Mit der Verkleidung eindeutig den Vogel abgeschossen hat allerdings der Überfliegair René Lei: Sein Auftritt als Werner Bänziger in Zimmermannskluft war so täuschend echt, dass man sich die Augen rieb. Philipp Färber hatte zwar nicht ganz die Statur des von ihm verkörperten Felix Oberholzer, aber der Basler Dialekt war unverkennbar, während Christian Constantin alias Roman Federer in französisch gefärbtem Deutsch den schillernden Walliser Ex-Fussballpräsidenten perfekt darstellte.

Ende Fasnacht für die Räbahäxa

Seit 2011 jedes Jahr an der Fasnacht unterwegs, verkörperte die Gruppe der Räbahäxa die tradi­tionellen Bänkelsänger mit gesungenen Versen. Ihr Auftritt in wunderschönen Hexen-Kostümen mit spitzem Hut, bekränzt mit Reblaub und Trauben, war wie im­-mer eine besondere Augenweide. Nicht nur goldig geschminkt, sondern auch mit Gold in der Kehle besangen die acht bildhübschen Hexen Anekdoten aus dem Dorfgeschehen. Allwissend, scharfzüngig, mit viel Humor brachten sie ans Tageslicht, was die eine oder der andere gerne geheim gehalten hätte. Statt den Autoschlüssel für den Mann an der Rezeption abzugeben, gab eine Berneckerin nur ein Trinkgeld, den Schlüssel nahm sie wieder mit; ein Bernecker befürchtete einen Wassereinbruch, zur Kon-trolle öffnete er das Lichtschacht-Fenster, worauf ihm ein Schwall entgegenströmte. Auch der Präsident der Bernecker Energiekommission, der zum Start des Ladevorgangs an der Stromtankstelle immer den Alarmknopf drückte, bekam einen Spottvers mit passendem Bild. Leider finden die Räbahäxa es nach acht Jahren an der Zeit, in Frühpension zu gehen Die andern Gruppen suchen neue Kräfte, damit die Show auch 2019 weitergehen kann.

 

Maya Seiler


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