Der Mensch steht im Mittelpunkt

BERNECK ⋅ Anfang Januar wurde Gregor Metzler zum Brigadier befördert. Eine grosse Ehre, aber auch eine Verpflichtung. Für diese anspruchsvolle Tätigkeit erfährt er viel Unterstützung von seiner Familie.
07. Februar 2018, 05:18
Benjamin Schmid

Benjamin Schmid

Lange ist es her, seit Gregor Metzler selbst hinter dem Steuer eines Panzers sass. Seit der aus Balgach stammende und in Berneck wohnhafte Brigadier die Karriereleiter hochgestiegen ist, fehlt ihm die Routine dafür. Als Verantwortlicher des Lehrverbandes Panzer und Artillerie ist er für deren Grundausbildung zuständig.

Zwischen sechs und halb sieben Uhr beginnt normalerweise Metzlers Arbeitstag. Seine Agenda ist durchgetaktet, doch, noch bevor er die Termine abarbeitet, lässt er es sich nicht nehmen, in einem Telefongespräch mit seinen Kindern nach deren Befindlichkeit zu fragen. «Meine Familie ist das Wichtigste. Sie spendet mir nicht nur Kraft für anstrengende Aufgaben, sondern hilft mir, mich von strapaziösen Wochentagen zu erholen», sagt Metzler.

Die Beförderung bringt nicht nur Ehre, sondern auch mehr Verantwortung mit sich. Umso wichtiger ist für den gelernten Bauingenieur, nebst einer sinnvollen Zeitplanung und einer umfassenden Beurteilung aller Faktoren, alle Unterstellten einzubeziehen. Im Gespräch mit Metzler entdeckt man schnell, dass dies keineswegs eine leere Phrase ist, sondern dass dieser Wert gelebt und hochgehalten wird. «Bevor Befehle erteilt werden, ist es wichtig, die Leute abzuholen, sie für Ideen zu begeistern und ­miteinander nach Lösungen zu suchen.» Die Wertschätzung gegenüber den Menschen ist sehr wichtig, ist sich Metzler bewusst. Ob zu Hause bei der Familie oder auf dem Waffenplatz in Thun, Metzler bleibt sich treu. Er ist fordernd, aber zugleich fair und vertrauensvoll. Als Führungspersönlichkeit sei es entscheidend, dass man berechenbar ist und nichts verlangt, was man selber auch nicht tun würde. Diese Grundeinstellung vereinfache nicht nur das Zusammenleben in der Kaserne, sondern beeinflusse auch das Privatleben.

Abschalten bei der Familie

Metzlers Tätigkeit verlangt ein hohes Mass an persönlichem ­Engagement, nimmt viel Zeit in Anspruch und trennt ihn von seiner Familie. Oft dauern seine Arbeitstage bis weit nach 20 Uhr. Meistens kümmert er sich um Personalfragen, wird von seinen Mitarbeitern auf Geschäfte vorbereitet und von Technikern und Spezialisten gebrieft. Es gebe ständig etwas zu besprechen, einzelne Ausbildungssequenzen zu bewerten und Rapporte zu erstellen. Als Chef von 220 Mitarbeitern hat er oft ein offenes Ohr für deren Probleme. Doch nicht nur für sie – auch seine Familie darf sich jederzeit an ihn wenden. Immer wieder komme es vor, dass er sich via Handy den Angelegenheiten seiner Kinder widmet: eine Mathematik-Hausaufgabe mit dem Sohn bespricht oder seiner Tochter einen guten Schultag wünscht. Nebst den Kontakten zu seiner Familie hilft ihm sportliche Betätigung dabei, abzuschalten. Oft reist der Brigadier in der Schweiz umher: Berneck, Thun, Bière, ins Simplongebiet oder nach Bern ins Hauptquartier. «Wenn man oft unterwegs ist, ist es wichtig, speditiv zu arbeiten und jede Gelegenheit zu nutzen, die einem geboten wird», sagt Metzler. Oft sei er bestrebt, die anfallenden Aufgaben so zu erledigen, dass ihm das Wochenende mit der Familie bleibt. «Wenn ich zu Hause bin, dann widme ich mich voll und ganz meiner Familie.» Nur in den seltensten Fällen lässt er sich der Zeit mit der Familie berauben, schliesslich gibt sie ihm Kraft und schafft einen willkommenen Ausgleich zum stressigen Berufsalltag. Jedes Wochenende, wenn Metzler Richtung Osten ins Rheintal fährt, spürt er seine Verbundenheit mit der Region. Daher kam es für die Familie auch nie in ­Frage, Berneck zu verlassen, um dafür näher an Thun und seinen Arbeitsplatz zu rücken.

Für das Militär entschieden

Obschon er eine steile Karriere absolviert hat, war es nicht sein Bubentraum, im Militär zu dienen. Daher überrascht es auch nicht, dass er sich mit 30 erst relativ spät für das Berufsmilitär entschieden hat: «Es war keine Entscheidung gegen das zivile Leben, sondern eine für das Militär», erklärt Metzler und fügt an: «Ich bereue diesen Schritt keine Sekunde.»

Einst habe er als Panzergrenadier die Rekrutenschule absolviert, jetzt, viele Jahre später darf er die Panzertruppen und die Artillerie führen, dies erfülle ihn mit Stolz. Zusätzlich zum Stolz behält er die stets gute Kameradschaft in Erinnerung sowie die Leidenschaft für Sport und Fitness. «Oft betätige ich mich über den Mittag oder am Abend sportlich», sagt der Brigadier und ergänzt: «Dafür geniesse ich am Wochenende ein Glas Bernecker mit Freunden.»

Veränderte Bedrohungslage

Natürlich hat sich das Gesicht des Militärs in den letzten Jahren gewandelt, weiss Metzler, der einen Master of Advanced Studies in Sicherheitspolitik und Krisenmanagement besitzt. Schliesslich sei die Sicherheitslage auch anders als früher. Anstelle einer bipolaren Welt, die vom Kalten Krieg geprägt war, zeigen sich heute verschiedene Akteure auf dem sicherheitspolitischen Parkett. Die jüngste Geschichte in Europa hat gezeigt, dass sich die klassische Kriegsführung zwischen Staaten in sogenannte hybride Kriege gewandelt hat. Schon vor offenen Kampfhandlungen wird unterhalb der Kriegsschwelle versucht, durch wirtschaftliche Massnahmen, gezielte Manipulation der Medien und durch Cyberoperationen die politischen Ziele durchzusetzen.

Die Schweiz müsse diese Entwicklungen nebst der Bedrohung durch Terrorismus, Extremismus, Natur- und technische Katastrophen sowie Cyberkriminalität in ihre sicherheitspolitische Lagebeurteilung einbeziehen, sagt Metzler. Für ihn ist die Weiterentwicklung der Armee, die seit dem Januar umgesetzt wird, die logische Konsequenz dieser veränderten Bedrohungslage. Die Armee hilft im Katastrophenfall, schützt bei Bedarf kritische Infrastrukturen, die Bevölkerung und unsere Lebensgrundlage und hält sich für Notfälle bereit, um zu kämpfen.

Um diese Leistungen auch künftig erbringen zu können, benötigt die Armee moderne, zeitgemässe Systeme. «Wir entscheiden jetzt darüber, wie die Armee in 20 bis 30 Jahren aussehen soll», sagt Metzler.

Dass Rüstungsbeschaffungen immer in einen umfassenden politischen Prozess eingebettet sind, ist für ihn klar. In der Schweiz definiert die Politik die Aufträge der Armee und stellt die benötigten finanziellen Mittel dazu bereit. «Momentan ist das Parlament dem Militär wohl gesinnt», hat Metzler den Eindruck. Dies sei sicher auch auf das erhöhte Sicherheitsbedürfnis in der Bevölkerung zurückzuführen.


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