SVP teilt nach Wahlniederlagen aus

Die SVP war die grosse Verliererin der St. Margrether Gemeindewahlen. Nun treten ihre Exponenten nach – in Mails und Leserbriefen. Die Hauptschuld an den Niederlagen gibt Vizepräsident Fabian Herter der FDP. Er sagt: «Sie hat ihre Seele verkauft.» Die FDP wehrt sich dagegen.
30. November 2012, 01:38
SAMUEL TANNER

ST. MARGRETHEN. Das Mail wurde am Sonntag um 20.17 Uhr versendet; die Wahlniederlagen lagen wenige Stunden zurück.

Denn erst am Nachmittag verlor die SVP zweimal gegen die Sozialdemokraten – in den Gemeinderat schaffte es Jacqueline Stäbler und nicht Marcel Toeltl, in die GPK der Schule Sabina Zeric und nicht Désirée Ketterlé.

Dann schrieb der SVP-Vizepräsident Fabian Herter, der im ersten Wahlgang den Sprung in die GPK der Gemeinde verpasst hatte, an die FDP: «Nun ist das Werk also vollbracht. Der vereinigte Filz von SP bis FDP inkl. der <Parteilosen> darf St. Margrethen weitere 4 Jahre regieren und verwalten.» Und weiter: «Um die Sache und um die Zukunft geht es ja längst nicht mehr in St. Margrethen.» Am Ende signierte er: «Bürgerliche Grüsse an eine LINKE FDP».

Einen Tag später verfasste der unterlegene Gemeinderatskandidat Marcel Toeltl einen Leserbrief, in dem er der FDP vorwirft, sie habe nur ein weiteres «formbares» Mitglied für den Gemeinderat gewollt.

Die Vorwürfe an die FDP lassen sich so zusammenfassen: Da ist eine Partei voller Eingesessener, die im Dorf sagt, wo es langgeht. Die Wahlen beeinflusst, wie es ihr gerade passt. Deren Exponenten im aktuellen Fall auf einem Flyer die zwei SP-Frauen unterstützten, nur um die SVP zu verhindern.

Auf Nachfrage sagt Fabian Herter: «Man wollte uns nicht, weil wir unbequem sind. Die FDP hat ihre Seele verkauft. Das verstehen wir nicht.»

Herr Herter, Sie finden, die Freisinnigen tragen die Hauptschuld an der Niederlage der SVP?

«Ja, sie waren das entscheidende Zünglein an der Waage.»

Aber am Ende entscheiden an der Urne ja die Wähler.

«Wie viele gingen wählen? Etwa dreissig Prozent der Bürger. Das ist vor allem der Filz; den anderen ist es gleichgültig.»

Im Moment sieht es vor allem so aus, dass Sie schlechte Verlierer sind.

«Möglich. Aber wir lassen uns von der FDP nicht mehr alles bieten. Irgendwann ist genug.»

Der andere SVPler, Marcel Toeltl, spricht davon, enttäuscht über die FDP zu sein. Er habe vor dem zweiten Wahlgang sowohl FDP als auch CVP gefragt, ob er sich vorstellen dürfe. – Beide hätten abgelehnt; nur damit nachher FDP-Exponenten für die SP-Kandidatinnen unterschrieben. – Toeltl sagt: «Ich bin halt ein kritischer Mann, vielleicht wollte man das nicht im Gemeinderat. Nun müssen wir aber auf nichts Rücksicht nehmen und werden weiter unsere politischen Interessen vertreten.»

Fabian Herter formulierte es in seinem Mail vom Sonntag so: «Die FDP und deren Vertreter dürfen sich auf 4 spannende Jahre freuen!» Es klang wie eine Drohung.

Ralph Brühwiler präsidiert die lokale FDP. Er ist von den Reaktionen der SVP nicht sehr überrascht und sagt: «Wir Ortsparteien pflegen generell einen guten Umgang; nur ab und zu startet die SVP einige Störmanöver.» Brühwiler hätte die SVP gerne in den Räten gesehen – «vielleicht hätte dann die gehässige Oppositionspolitik aufgehört». Als jedoch bekannt war, welche Kandidaten im zweiten Anlauf in den Gemeinderat und die GPK der Schule wollten, habe man eine Stimmfreigabe beschlossen. Dass dann einige FDP-Exponenten auf dem Flyer für die SP-Kandidatinnen zeichneten, sei Privatsache.

Den Vorwurf, die Seele verkauft zu haben, findet Brühwiler höchst unpassend. Er sagt: «In einer Gemeinde geht es nicht um Parteipolitik. Es geht um die besten Leute.» Deshalb die Unterschriften.


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