«Der erste Schritt ist getan»

Mit Sabina Zeric zieht für die SP eine Migrantin in die St. Margrether Schul-GPK ein. «Eine kleine Sensation», wertete Präsident Rolf Hanselmann. «Der Einstieg in die Gemeindepolitik», sagt Sabina Zeric.
30. November 2012, 01:33
MAYA SCHMID-EGERT

ST. MARGRETHEN. Natürlich sei im Dorf darüber geredet worden, dass eine «-ic» für die Schul-GPK kandidiere, sagt Sabina Zeric am Tag eins nach der Wahl. Direkt sei sie aber nie dumm angesprochen worden. «Wirklich nicht», bekräftigt sie. Im eigenen Umfeld, in der hier heimischen bosnischen Familie, seien alle zuerst einmal baff gewesen, als sie erfuhren, dass die Tochter, Nichte und Schwester von der SP portiert worden sei.

Mit Politik hatte die junge Mutter dreier Kinder bislang nämlich wenig am Hut. Ausser, dass sie sich über die Schaf-Aktion der SVP geärgert hatte.

Auch erinnert sie sich, dass sie am Tag der letzten Abwahl eines Bundesrates gewitzelt habe: «Wenn der wirklich gehen muss, werde ich politisch tätig.»

Nicht mehr fremd sein

Wir wissen: Blocher musste gehen – und nun zieht die erste Muslima in ein St. Margrether Gemeindegremium ein. «Die SP hat meine Familie direkt angefragt», erzählt Sabina Zeric. Mann Enes, ein Grenzwächter, habe dann an die politisch mehr interessierte Ehefrau verwiesen. Nach ersten Gesprächen mit Präsident Rolf Hanselmann habe sie an einem Höck erste SP-Luft geschnuppert und festgestellt: «Es hat gleich gefunkt.» Das erste Mal, dass sie sich in ihrer Wahlheimat «nicht anders» gefühlt habe, sagt sie. Das erste Mal, dass sie sich hundertprozentig ernst genommen, fair und gerecht behandelt gefühlt habe. Sabina Zeric spricht bereits fliessend SP, macht aber keine Schuldzuweisung. Differenziert stellt sie fest: «Es macht einen Unterschied, nur eine Versammlung zu besuchen oder selbst Teil davon zu sein.» Mit der Wahl in die GPK sehe sie eine Chance, die richtigen Leute kennenzulernen, ein Netzwerk aufzubauen, vielleicht sogar etwas bewegen zu können – auch als Stimme aller Migranten. Sie sagt: «Der erste Schritt ist getan.» In Multikulti-Romantik schwelgt sie nicht. Dass der Ausländeranteil im Dorf «wirklich hoch ist» und es deswegen auch Probleme gebe, stellt die Berufsbildnerin bei Coop nüchtern fest.

Religion zweitrangig

Dennoch möchte sie, «dass nicht alle in den gleichen Topf geworfen werden». Ihre muslimischen Lehrlinge ermahne sie jeweils, «Tradition und Glaube» nicht zu vermischen. Dies sei der Zündstoff für die meisten Missverständnisse. Was Religion anbelangt, möchte sie «nicht allzu tief gehen». Politik interessiere sie momentan mehr.


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