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Tagblatt Online, 10. Oktober 2008 01:05:30

Alles halb so wild

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Freude herrscht vor der Degustationshalle – trotz Rauchverbot auch bei den Rauchenden. (Bild: Bild: Ennio Leanza)

ST.GALLEN. Es geht auch ohne Rauchen, das Trinken. Wie in den meisten St. Galler Bars und Restaurants gilt auch in den Degustationshallen 4/5 Rauchverbot. Die meisten Raucher halten sich daran.

juliA buatsi

Sie arbeite seit 26 Jahren in der Degustationshalle an der Olma, sagt Helene Hotz-Gadient, Angestellte einer Weinhandlung. Endlich sei die Luft angenehm. «Wunderbar», sagt sie strahlend. Und sie habe nicht das Gefühl, dass weniger Leute gekommen seien.

Ähnlich tönt es bei anderen Angestellten von Ausstellern: Sie sind froh, nicht mehr während Stunden dem Rauch qualmender Hallen-Besucher ausgesetzt zu sein. «Bei so vielen Leuten ist das unerträglich», sagt die Angestellte eines Konfiserie-Standes, die seit 16 Jahren in den Degustationshallen arbeitet.

Doch was halten Raucherinnen und Raucher, die Leidtragenden der Massnahme, vom Rauchverbot in der Olma-Halle 4/5? Sie nehmen's erstaunlich gelassen, wie ein Augenschein vor den Türen der Halle zeigt.

Einerseits – andererseits

Unter den Rauchenden findet sich kaum eine Person, die ernstlich verärgert ist, dass sie draussen rauchen muss. Die meisten zeigen sich tolerant. Tolerant gegenüber den Bedürfnissen der Nichtraucher. Auch wenn sie finden, dass zum Glas Wein eigentlich die Zigarette dazugehört. Und dass der Schweissgeruch der Besucher störender ist als der Gestank ihrer Glimmstengel. Viele wägen sorgfältig die Vor- und Nachteile des neuen Rauchverbots ab. Wie Patrick, 22 Jahre. Er findet das Rauchverbot für die Halle 4/5 «scheisse und super». Es sei nötig, die Nichtraucher zu schützen, sagt er. Aber die Stimmung in der Degustationshalle sei seit dem Verbot nicht mehr dieselbe. «Nur schon, weil die Raucher dauernd rausrennen.»

Corina und Pamela, beide um die 30, fürchten vor allem um ihre Sitzplätze an den Degustations-Tischen. «Bald sind so viele Leute in der Halle, dass man seinen Platz sofort verliert, wenn man kurz rausgeht», sagt Pamela. Positiv sei aber, dass es dank Rauchverbot keine Brandlöcher mehr in der Kleidung gebe.

Kettenraucher-Kettenreaktion

Schliesslich finden sie sich doch noch: wütende Raucher. Raucher, die für das Verbot kein Verständnis haben. Eine Gruppe junger Männer zwischen 20 und 23 Jahren findet es «voll daneben», dass die Degustationshalle rauchfrei ist. Weil sich nun der ganze Abfall nach draussen verlagere. Und weil die Körperausdünstungen der Besucher viel schlimmer seien als aller Rauch. «Aber das Verbot lässt sich eh nicht durchsetzen», sagt Andi. Wenn erst einmal jemand zu rauchen beginne, würden andere folgen. «Ich sag nur: Kettenraucher, Kettenreaktion», sagt er lachend. Bei den vielen Leuten in der Halle seien die Security machtlos. Und wenn der Alkoholpegel steige, sinke bekanntlich die Hemmschwelle.





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