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Tagblatt Online, 27. Oktober 2010 01:03:07

Von Knalltüten und Liebesdüften

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(Bild: Bilder: pd/ Tina Ehrenzeller)

Mit der Forscherkiste begeistert Gerd Oberdorfer Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften und Technik. Das Schulprojekt der PHSG überzeugte auch die Jury des Worlddidac Awards: Sie zeichnete die Kiste gestern aus.

Tina Ehrenzeller

Rorschach. Naturwissenschaften und Technik sind abstrakt, kompliziert, trocken und langweilig. So lautet die gängige Vorstellung, die nicht nur unter Schülern, sondern auch unter Lehrern erstaunlich weit verbreitet ist. Die Forscherkiste der Pädagogischen Hochschule des Kantons St. Gallen (PHSG) widerspricht dieser Vorstellung: Im Innern des Autoanhängers türmen sich nämlich nicht komplexe Formeln und schier unüberwindbare Zahlenberge, sondern 250 gebrauchsfertige Experimente, die Naturphänomene sicht- und erlebbar machen.

Aus Erlebnissen lernen

Da werden Liebesdüfte fabriziert, Knalltüten aus Papier gefaltet, Blumen in Seifenblasen gehüllt und Wunderkerzen unter Wasser angezündet. Für so viel Ideenreichtum und didaktische Kreativität wurden die Forscherkiste und der Initiant des Projektes, Gerd Oberdorfer, gestern an der Worlddidac Messe in Basel mit dem Worlddidac Award ausgezeichnet.

«Die Experimente ermöglichen den Schülern, Naturphänomene frei von Notendruck zu erleben. Ziel des Projektes ist nicht, dass Lehrpersonen etwas vermitteln. Vielmehr sollen die Schüler selbst über die fünf Sinne Sehen, Tasten, Hören, Riechen und Schmecken erstaunliche Phänomene erfahren können», erklärt Oberdorfer, der als Primarlehrer und Lernberater am regionalen didaktischen Zentrum tätig ist.

Bestätigung der Bemühungen

«Die Verleihung des Preises ist absolut genial: Erstens ist es für mich persönlich eine Bestätigung. Zudem ist die internationale Anerkennung für die Pensionierten, die die Kiste warten, die Sponsoren und alle anderen Beteiligten ein Zeichen, dass wir mit unserem Projekt auf dem richtigen Weg sind», freut sich Oberdorfer.

Auch Erwin Beck, Rektor der PHSG, ist stolz auf die Auszeichnung: «Es freut uns natürlich ganz besonders, dass die Forscherkiste mit diesem Preis ausgezeichnet wurde, weil wir unter anderem auch aufgrund der Resultate der Pisa-Studie seit längerer Zeit versuchen, bei Schülern und Lehrkräften naturwissenschaftliches Denken und Technikbegeisterung zu fördern.»

Mut zum Entdecken

Oberdorfer betreut das Projekt seit seinen Anfängen in den Achtzigerjahren. Damals sammelte er auf eigene Faust Experimente für den Unterricht. Allmählich wuchs so eine stattliche Sammlung heran, und bald kamen Anfragen, ob man die Experimente ausleihen könne. Schliesslich musste ein fahrbarer Untersatz her. Heute wird die Forscherkiste von Schulen in der ganzen Schweiz ausgeliehen. Für nächsten Sommer ist sie bereits ausgebucht. Aber auch Schüler, bei denen die Kiste vorerst nicht auf Besuch kommt, können entdeckend lernen: In Oberdorfers Buch «Die Forscherkiste» sind über hundert Experimente zum Nachbauen erklärt.

Das Erscheinungsbild der Forscherkiste hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Das Ideal dahinter ist aber laut Oberdorfer gleich geblieben: «Ziel ist nicht, das Interesse der Kinder zu wecken, sondern es zu wahren. Neugierig sind Kinder ohnehin schon. Man muss es nur wagen, sie selbst entdecken zu lassen.»

Das Buch «Die Forscherkiste» ist unter www.zytglogge.ch erhältlich.




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