Tagblatt Online, 29. Juni 2012 05:59:00
Welle um Welle runter ins Sittertobel
Ruhe nach dem Sturm: Nach stundenlangem Gedränge ist der Weg ins Sittertobel ein Spaziergang. (Bild: Luca Linder)
St.Gallen. «Echt jetzt! – Das geht gar nicht. – So was habe ich bei meinen letzten 15 Besuchen noch nie erlebt.» So klagten Festivalbesucher gestern morgen an der Zürcherstrasse – dort, wo die Strasse ins Sittertobel abzweigt. Der Grund für ihre Kritik, die allerdings schnell in zischende Bierlaute und freudige Begrüssungsrunden überging: die enorme Schlange. Nun braucht die lange Wartezeit vor dem 36. OpenAir St.Gallen nicht zu verwundern, weil das Festival seit Ende Mai ausverkauft ist und statt 15 000 wie letztes Jahr diesmal 20 000 sogenannte Nachtschwärmer bereits am Donnerstag aufs Gelände gelassen wurden.
Bilderstrecke:
OpenAir St.Gallen: Die Besucher
Am Donnerstag öffnete das OpenAir St.Gallen seine Gittertore für 20'000 Nachtschwärmer, ab Freitag werden täglich 30'000 Besucherinnen und Besucher auf dem Gelände an der Sitter zelten, Musik hören - und natürlich feiern.
Bilderstrecke: OpenAir St.Gallen: Die Besucher
Am Donnerstag öffnete das OpenAir St.Gallen seine Gittertore für 20'000 Nachtschwärmer, ab Freitag werden täglich 30'000 Besucherinnen und Besucher auf dem Gelände an der Sitter zelten, Musik hören - und natürlich feiern.
Durchgeschwitzt und erschöpft
Was heisst Donnerstag – die hartnäckigsten Festivalfreaks richteten sich schon am Mittwoch und sogar am Dienstag vor dem Haupteingang ein. «Ich kann mich nicht erinnern, dass die Leute je so früh kamen», staunte Sabine Bianchi, OpenAir-Mediensprecherin. Entsprechend froh um die gestrige Eröffnung waren jene, die seit eineinhalb Tagen vor verschlossenen Toren ausgeharrt hatten. «Wir haben seit Dienstag durchgefeiert», sagte ein durchgeschwitzter und sichtlich erschöpfter Toggenburger in Pole- Position. Sein Campingstuhl war zum Schlafen eben doch nicht so bequem gewesen wie erhofft.
Da hatten es einige Rorschacher beim Eingang in Abtwil um einiges einfacher: «Wir sind erst am Mittwochabe
nd gekommen, doch es hatte schon mehr Leute als am Donnerstagmorgen vor einem Jahr.» Mit ein bisschen Drängeln und Plaudern schafften sie es aber doch noch rechtzeitig bis an die Spitze der Schlange.
Wider Erwarten friedlich
Und dann war es endlich soweit – um 14 Uhr, drei Stunden früher als geplant. Weil es auf der Zürcherstrasse zu Verkehrsbehinderungen kam und die Sicherheit gefährdet war, mussten die Veranstalter reagieren und das Gelände vorzeitig öffnen. «Unsere Organisation klappte zum Glück, es kam zu keinerlei Engpässen» freute sich Sabine Bianchi.
Und wider Erwarten wurde weder gedrängelt noch gestürmt: In geordneten «Kontingenten» wurden die Wartenden eingelassen – Welle um Welle. Schnell suchten die ersten Nachtschwärmer ihren Schlafplatz, auf möglichst flachem Boden. In dem noch leeren, herrlich grünen Sittertobel blieb die Stimmung zunächst ruhig und entspannt. Bis die ersten Hahnenkämpfe um die besten Plätze entbrannten. Jetzt füllte sich das hügelige Gelände rasant; das idyllische Grün verwandelte sich innert Kürze in ein bewegtes Meer aus partywütigen Menschen und ihren kurzfristigen Behausungen.
Bilderstrecke:
OpenAir St.Gallen: Die Bands
Die besten Konzerte, die schrägsten Posen und die wildesten Musiker und Musikerinnen am OpenAir St.Gallen.
(Bilder: Benjamin Manser)
Mehr Wasserstellen in der Hitze
Bilderstrecke: OpenAir St.Gallen: Die Bands
Die besten Konzerte, die schrägsten Posen und die wildesten Musiker und Musikerinnen am OpenAir St.Gallen. (Bilder: Benjamin Manser)
Die Konzerte zum Auftakt überzeugten durch eine geballte Ladung Frauenpower: So heizten am frühen Abend die St.Gallerinnen von Velvet Two Stripes und die Norwegerinnen von Katzenjammer ein – und machten Lust auf mehr. Fussball war noch kein Thema, aber Stadionhymnen wurden schon mal angestimmt – jene der Toten Hosen, die aus vielen Boxen der Zeltstadt dröhnten.
Ob der Punkrock gegen die Hitze hilft? Wohl kaum, da empfehlen sich doch eher Wasserschlachten, wie es sie gestern schon einige gab. «Wir haben den Besuchern wegen der voraussichtlich hohen Temperaturen mehr Wasserstellen bereitgestellt», sagt Sabine Bianchi. Eine kühle Dusche vor der Hauptbühne darf aber niemand erwarten. «Es wäre zu gefährlich, da das Wasser auf dem Boden gleich verdampft und so das Ganze nur noch schlimmer machen würde.»
Christoph Renn
- Artikel empfehlen:
















Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben