Tagblatt Online, 02. Mai 2012 01:04:00
«Wagen wir die Vision»
Künstliche Wolke auf der Arteplage Yverdon-les-Bains an der Expo.02. (Bild: ky/Fabrice Coffrini)
ST. GALLEN. Die Regierungen von Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen und Thurgau sind entschlossen: Sie wollen die nächste Expo in der Ostschweiz durchführen. Und sie wollen das benachbarte Ausland einbeziehen – das gab es noch nie.
REGULA WEIK
Die Vision von einer Landesausstellung in der Ostschweiz verleitet zum Abheben, Schweben, Träumen. Die Kantonsregierungen von Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen und Thurgau sind realistisch genug, um trotz verlockender Idee auf dem Boden zu bleiben – typisch Ostschweiz eben. «Eines nach dem andern», bringt es der Thurgauer Regierungsrat Jakob Stark auf den Punkt. Deshalb auch das etappenweise Vorgehen. Das erlaube, immer wieder innezuhalten, Bilanz zu ziehen – und «sich vorzubehalten, jederzeit auszusteigen», sagt Stark.
Gibt es einen «point of no return?» Den gibt es – derzeit liegt er noch in weiter Ferne. Stark skizziert den Fahrplan: 2016 Einreichen der Ostschweizer Bewerbung an den Bundesrat; 2017 Zuschlag für die Durchführung der Landesausstellung 2027; 2018 Beginn der konkreten Projektarbeiten für die Expo Bodensee-Ostschweiz. Somit bleiben neun Jahre bis zur Durchführung – «ein vernünftiger zeitlicher Vorlauf», sagt Stark.
Grünes Licht aus Bern
Welches sind die wichtigen Planungsetappen bis 2016? Der nächste Schritt ist der Ideenwettbewerb. «Das Mandat dafür wird noch dieses Jahr vergeben», sagt Stark. Das Ergebnis des Wettbewerbs liegt Ende 2013 vor – «und es ist das eigentliche Gerüst für das Vorprojekt», sagt Stark. Danach wird 2014 die Machbarkeitsstudie durchgeführt und 2015 dann das Vorprojekt ausgearbeitet. Wird vorerst also munter ins Blaue hinaus konzipiert und geplant, ohne zu wissen, ob der Bundesrat überhaupt grünes Licht für eine nächste Landesausstellung im Zeitraum 2025 bis 2030 gibt? Dieser Entscheid stehe in der Tat noch aus, sagt der Thurgauer Regierungsrat. Er werde im Sommer erwartet.
Stark ist bereits heute vom Expo-Fieber infiziert: «Eine Landesausstellung im Raum Bodensee-Ostschweiz verändert die Ostschweiz und ihr Bild in der Schweiz positiv. Wagen wir die Vision.»
Grenzüberschreitend
Wovon hängt der Erfolg einer Ostschweizer Expo ab? «Sie muss von der Bevölkerung mitgetragen sein», sagt Stark. Der St. Galler Regierungsrat Beni Würth doppelt nach: «Eine Expo darf kein Behördenprojekt sein.» Deshalb sei der Verein «Expo Bodensee-Ostschweiz» wichtig. Ihm gehören Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur an – Botschafter für eine Expo in der Ostschweiz.
Ist ein solches Vorhaben nach den Turbulenzen im Vorfeld der Expo 2002 und angesichts der hohen Kosten überhaupt opportun? Für Stark ist klar: «Die Expo in der Ostschweiz muss bezahlbar und nachhaltig sein.» Einzelne Bauwerke sollen über die Ausstellung hinaus stehen bleiben – «als Denkmal». Und: Die Expo Bodensee-Ostschweiz wird nicht an den Kantonsgrenzen aufhören; sie wird «punktuell» ins benachbarte Ausland ausgreifen, mit Süddeutschland, Vorarlberg und dem Fürstentum Liechtenstein zusammenarbeiten – eine grenzüberschreitende Expo. «Das ist einmalig, das gab es noch nie», sagt Stark.
Ein Schaufenster
Die Ausserrhoder Regierungsrätin Marianne Koller ist überzeugt, dass die Ostschweiz von einer Expo profitiert – «auch wenn der Erfolg kaum sofort und schon gar nicht in Franken messbar sein wird». Eine Landesausstellung stärke eine Region, sagt sie. Beni Würth schiebt nach: «Es ist eine einmalige Chance, der Schweiz zu zeigen, was die Ostschweiz drauf hat.» Die Expo 2027 sei nicht nur eine Landesausstellung, sondern auch «ein Schaufenster für die Ostschweiz».
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Kommentar lesen
unangan (02. Mai 2012, 20:22)
wetten..!!!...
dass die "hochfliegenden Pläne" der Ostschweizer-Expo-Fantasten ihre Kürzungen der sozialen Verpflichtungen in der Ostschweiz, mit der Notwendigkeit einer Ostschweizer-Landesausstellung rechtfertigen.
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