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Tagblatt Online, 02. Mai 2012 17:11:00

Verunfallte Wanderin: Föhn als Fluch und Segen zugleich

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Ein Rega-Helikopter beim St.Galler Kantonsspital. (Bild: Archiv/Urs Jaudas)

WASSERAUEN. Die verletzte Wanderin, die am Mittwoch nach drei Nächten im Alpstein gerettet werden konnte, wurde ins Kantonsspital St.Gallen eingeliefert. Sie soll Kopfverletzungen erlitten haben. Der starke Föhn der letzten Tage hat ihr Überleben erleichtert, gleichzeitig aber die Arbeit der Rettungskräfte erschwert.

Daniel Walt

Das Hoffen und Bangen hat ein gutes Ende genommen: Drei Nächte hatte eine 32-jährige, in der Ostschweiz wohnhafte Deutsche im Gebiet Laseierwald zwischen Wasserauen und der Alp Sigel im Freien auf Rettung warten müssen. Sie war am Sonntag auf einer Wanderung verunfallt und hatte zwar per Natel Alarm schlagen, ihren Standort aber nicht genauer angeben können. In der Folge brach der Kontakt zu ihrem Handy ab. Während einer weiteren organisierten Suchaktion konnte die erfahrene Berggängerin nun lebend gefunden werden, wie die Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden am Mittwoch mitteilte. Die Frau wurde in Zusammenarbeit mit der Rega geborgen und zur ärztlichen Behandlung ins Kantonsspital St.Gallen gebracht.

Wanderer gab Hinweis
«Bereits am Dienstag hatten wir oberhalb des Gebietes, wo die Frau jetzt gefunden wurde, gesucht. Dies nach einem entsprechenden Hinweis eines Wanderers», sagt Roland Koster, Mediensprecher der Kantonspolizei. Am Mittwochmorgen sei die Suche in jenem Gebiet zwischen Wasserauen und Alp Sigel dann ausgedehnt worden. Im Einsatz waren die Alpine Rettung Schweiz, die Gebirgsgruppe der Feuerwehr Schwende sowie die Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden - insgesamt rund 20 Personen. Sie stiessen in unwegsamem Gelände auf die Frau, welche Handzeichen gab. «Das Terrain ist in jenem Bereich sehr steil, glitschig und lehmig», sagt der Sprecher der Kantonspolizei. Die Frau konnte sich praktisch nicht bewegen, ohne Gefahr zu laufen, noch weiter abzustürzen. Der nächste Wanderweg oberhalb der Stelle, an der die Frau gefunden wurde, befindet sich laut Koster in beträchtlicher Entfernung.

Brot gegessen, Schnee geschmolzen
Gemäss ersten Aussagen der 32-Jährigen wanderte sie am Sonntag von Wasserauen aus zur Alp Sigel und dann weiter zur Oberen Mans. Auf dem Rückweg nach Wasserauen kam sie gemäss Mitteilung der Kantonspolizei Innerrhoden vom Weg ab, verirrte sich, geriet in steiles Gelände und stürzte ab. Die Frau ernährte sich in den letzten drei Tagen von Brot, das sie bei sich hatte. Wasser gewann sie, indem sie Schnee schmolz.

Per Rettungswinde ausgeflogen
Laut offiziellen Angaben war die Frau ansprechbar, als die Retter auf sie stiessen. Informationen, dass sich die Frau bei ihrem Unfall Verletzungen am Kopf zugezogen hatte, wollten die Verantwortlichen zunächst nicht bestätigen. Da der Helikopter nicht in der Nähe der Wanderin landen konnte, wurde die Frau per Rettungswinde ausgeflogen. Der Einsatz verlief laut Ariane Güngerich, Mediensprecherin der Rega, sehr schnell: «Von dem Moment an, wo der Helikopter in St.Gallen wegflog, verging gerade einmal eine halbe Stunde bis zur Ankunft des Rettungshelikopters im Kantonsspital St.Gallen», hält sie fest. Das Überleben der Frau begünstigt hat der starke Föhn, der in den letzten Tagen im Alpstein herrschte: «Nachts war es immerhin zwischen fünf und sieben Grad warm», sagt Polizeisprecher Roland Koster. Sonst könnten die Temperaturen aktuell auf dieser Höhe durchaus bis null Grad sinken. «Handkehrum hätten wir die Frau ohne den starken Föhn, der die Einsätze der Rega und der Suchhunde behinderte, möglicherweise auch schneller gefunden», sagt Koster.

Mehrere 10'000 Franken
In die Suche nach der verletzten Wanderin und ihre Bergung waren über mehrere Tage hinweg die Polizei, Rega-Helikopter sowie die Alpine Rettung Schweiz involviert. In der Nacht auf Dienstag kam auch ein Superpuma der Armee mit Wärmebild-Ausrüstung zum Einsatz. Die Gesamtkosten für die diversen Suchmassnahmen dürften sich laut Roland Koster von der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden auf mehrere 10'000 Franken belaufen. Wer wird für die entsprechenden Beträge aufkommen? Rega-Mediensprecherin Ariane Güngerich sagt aus Sicht ihrer Organisation: «Jeder Einsatz wird verrechnet.» Gedeckt werden die Kosten normalerweise von der Unfall- beziehungsweise Krankenversicherung jener Person, welche die Dienste der Rega in Anspruch nehmen musste. «Jene Kosten, welche von keiner Versicherung getragen werden, übernimmt die Rettungsflugwacht als Dank bei Rega-Gönnern», so Güngerich.

Armee verrechnet nichts
Analog zur Antwort der Rega-Mediensprecherin fällt die Auskunft von Andres Bardill, Geschäftsführer der Alpinen Rettung Schweiz, aus. «Unsere Stiftung ist massgeblich durch die Rega finanziert. Wenn jemand Mitglied bei der Rega ist, tragen wir die Kosten für den Einsatz selbst, sofern keine Versicherung zahlt», hält er fest. Keine Rechnung stellt die Schweizer Armee für den Einsatz des Superpumas mit Wärmebildausrüstung, genauso wenig die Polizei für ihren Beitrag zur Suche nach der vermissten Frau.
 


Leser-Kommentare:
9 Beiträge

Kommentare lesen

AX57 (03. Mai 2012, 16:34)
Was ist am Bergwandern dumm?

Die Schweiz macht damit Reklame und holt dadurch Touristen ins Land. Sind die alle dumm weil sie Bergtouren machen? Wollen Sie etwa dass man Sie vorher fragt ob Sie zahlen können bevor Ihnen hilft? Allein die Tatsache, dass JEDER Artikel zu diesem Fall mit dem Hinweis auf die Kosten in Höhe von mehreren 10000.-- ist bodenlos und zynisch.

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diethelm (03. Mai 2012, 16:07)
Es hat auch schon Unfälle gegeben,

bei denen ich mich über die Verunfallten geärgert habe, beispielsweise, wenn jemand bei hoher Lawinengefahr abseits de Pisten Ski fährt oder ohne entsprechende Ausrüstung in die Berge geht. Aber auch bei guter Vorbereitung kann man Pech haben und verunfallen. Sollen dann nur noch diejenigen Leute gerettet werden, die REGA-Gönner sind oder genug Geld haben? Menschlichkeit heisst, dass man auch einmal für andere einspringen muss und dafür auch Hilfe bekommt, wenn man sie nötig hat, auch wenn man sie vielleicht nicht verdient. Ausserdem hat wohl jeder von uns beim Sport auch schon mehr Glück als Verstand gehabt, dass er nicht verunfallt ist.

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adolfk31 (03. Mai 2012, 15:56)
Sollen wir ....

Die Dummheit von Personen gar noch finanzieren ? Sind wir soweit gekommen ?

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AX57 (03. Mai 2012, 09:24)
Geld scheint

uns wirklich am Wichtigsten zu sein. Dann schaffen wir doch die REGA ab und sparen eine Menge Geld!
Von mir aus kann die REGA dann noch die Verletzten US-Soldaten aus Kabul zurück holen und damit Geld verdienen.

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fozzibär (02. Mai 2012, 18:03)
Geld oder Menschenleben

Noch nicht bemerkt??? Man sieht es doch bei jedem Gerichtsurteil: In der Schweiz ist das Geld ein Mehrfaches wichtiger ist als ein Menschenleben.

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deich (02. Mai 2012, 15:53)
Billig

Von ADOLFK31 war keine andere Aussage zu erwarten: Sie ist billig und gezielt (die Abgestürzte stammt aus dem nördlichen Nachbarland)! Man wünscht der Frau eine gute Genesung. Alles andere wird sich regeln lassen, wenn die Sachlage geklärt ist. Dass die Armee und die Polizei schon mal nichts in Rechnung stellen, ist schön. Danke!

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adolfk31 (02. Mai 2012, 10:21)
Es ist ...

nach dem Verursacher (in) Sinne abzurechnen. Ein persönlich eingegangenes Risiko ist daher direkt zu berappen ....

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alphacentauri (03. Mai 2012, 07:47)
Nach Verursacherprinzip.....nein..

Nein ADOLF31, so nicht. Gemessen an den Kosten, die beispielsweise Fussballchaoten regelmässig verursachen fallen diese Rettungkosten kaum ins Gewicht. Mir sind Leute, die noch was anderes mit ihrem Leben anzufangen wissen, lieber als all diejenigen, die sich stattdessen am Bahnhof, auf Drei Weihern oder sonstwo aufhalten und mit ihrem dreckverursachenden Verhalten den Steuerzahler ebenfalls regelmässig zur Kasse bitten. Wenn diesbezüglich nach dem Verursacherprinzip abgerechnet würde, dann wäre wenigstens dieses Problem bald gelöst.

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nahona (02. Mai 2012, 12:00)
Geld?

Ein Leben konnte gerettet werden!
Ich freue mich.
Geht alles nur immer ums Geld bei uns??

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