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Tagblatt Online
5. Januar 2016, 06:37 Uhr

Richter könnten Wölfe retten

Wölfe im Tierpark Bruderhaus in Winterthur: Zweien ihrer Artgenossen am Calanda droht der Abschuss. Zoom

Wölfe im Tierpark Bruderhaus in Winterthur: Zweien ihrer Artgenossen am Calanda droht der Abschuss. (Bild: Urs Jaudas)

ST. GALLEN. Der geplante Abschuss zweier Calanda-Wölfe könnte bald die Gerichte beschäftigen: Seit Sonntag läuft die Frist für allfällige Beschwerden der Umweltverbände. Diese hätten jedoch nicht automatisch eine aufschiebende Wirkung.

ADRIAN VÖGELE

Seit zwei Wochen ist der Abschuss zweier Wölfe aus dem Calanda-Rudel amtlich bewilligt: Die Kantone St. Gallen und Graubünden publizierten die Abschussverfügungen kurz vor Weihnachten. Sie sind befristet bis 31. März. Die Umweltverbände haben angekündigt, Beschwerden gegen die Verfügungen zu prüfen. Die entsprechende Frist läuft seit dem 3. Januar; in St. Gallen beträgt sie 14 Tage, in Graubünden 30 Tage. Beschwerdeinstanz sind die kantonalen Verwaltungsgerichte.

Allerdings wären die Wölfe mit dem Einreichen einer Beschwerde noch nicht aus der Schusslinie. Im St. Galler Amtsblatt heisst es ausdrücklich: «Beschwerden gegen die vorliegende Verfügung wird die aufschiebende Wirkung entzogen.» Denn das Volkswirtschaftsdepartement hat die sofortige Vollstreckung der Verfügung angeordnet – um einer «Zunahme von problematischen Verhaltensweisen des Calanda-Rudels vorzubeugen», wie es in der Erklärung heisst. Den mit dem Abschuss betrauten Personen – also den Wildhütern – sei für die Abschüsse genügend Zeit einzuräumen.

Chef entscheidet über Aufschub

Im Kanton Graubünden haben Beschwerden ans Verwaltungsgericht generell keine aufschiebende Wirkung. Die Beschwerdeführer müssen diese einfordern, worauf das Gericht darüber entscheidet. Im Fall der Wolfsabschuss-Verfügung könnte dies nun theoretisch auch im Kanton St. Gallen eintreffen, wie Verwaltungsgerichtspräsident Beda Eugster sagt: «Falls ein Beschwerdeführer beantragen sollte, dass seiner Beschwerde gegen diese Verfügung eine aufschiebende Wirkung verliehen wird, müsste diese Frage zuallererst geklärt werden – und zwar relativ rasch.» Den Entscheid müsste Eugster als Gerichtspräsident fällen.

Der Beschluss für oder gegen aufschiebende Wirkung hätte deshalb eine besondere Bedeutung, weil die Beschwerdeverfahren an den Gerichten mehrere Wochen oder gar Monate dauern könnten – allenfalls sogar länger als die Gültigkeit der Abschussverfügung. «Unter anderem müssten wir dem zuständigen Departement rechtliches Gehör gewähren, anschliessend den Beschwerdeführern», sagt Thomas Audétat, Vorsitzender der Ersten Kammer des Verwaltungsgerichts Graubünden, die für Beschwerden gegen die Bündner Abschussverfügung zuständig ist. Möglicherweise könne ein solches Verfahren noch kurz vor Ende März abgeschlossen werden, sicher sei dies aber nicht.

Unterschiedliche Entscheide?

Somit ist denkbar, dass Wolfsabschüsse am Calanda für diesen Winter vom Tisch sind, falls bei den Verwaltungsgerichten beider Kantone Beschwerden mit Anträgen auf aufschiebende Wirkung eingelegt werden und die Richter diese Anträge gutheissen. Möglich ist auch, dass die Gerichte zu unterschiedlichen Schlüssen kämen und die Abschussverfügung auf der einen Seite des Calanda aufgeschoben würde, auf der anderen aber nicht. Die Kantone haben für die geplanten Wolfsabschüsse jeweils eigene Perimeter definiert, die an der Kantonsgrenze aufeinandertreffen.

Abschuss nur in Siedlungsnähe

Soweit die Theorie. In der Praxis bleiben die Abschussverfügungen einstweilen in Kraft. Sie sind aber an eine Reihe von Bedingungen geknüpft: Beispielsweise darf nur ein Wolf auf einmal abgeschossen werden, dies nur in Siedlungsnähe und nur dann, wenn zwei oder mehr Jungwölfe anwesend sind. Auf diese Weise sollen die sogenannt «dreisten» Wölfe wieder mehr Scheu vor Menschen und ihrer Infrastruktur entwickeln.

Bislang hatten die Wölfe Wetterglück: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Rudel in Dorfnähe vorwagt, steigt, wenn in höheren Lagen viel Schnee fällt und die Beutetiere der Wölfe, etwa Rehe und Hirsche, in die Niederungen ziehen.



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alvin (07. Januar 2016, 08:34)
frust ablassen bei den wölfen?

nützt doch nix dann wird einfach woanders fleisch ausgelegt um die wölfe anzulocken
oder eine subventionierte kuh auf einem hügel über nacht stehn gelassen bis ein wolf kommt;-)
am besten wir sparen noch mehr den inlandkonsum beeinflusst es ja nicht
auch bei der gesundheit kann man noch viel sparen ebenso bei der bildung und noch viel mehr bei den löhnen , hauptsache wir schmeissen den bauern noch mehr geld in den rachen
schickt die armee und ruft gleich noch die un truppen auf das sie uns vor dem bösen wolf beschützen

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fedex (05. Januar 2016, 14:46)
Entzug der aufschiebenden Wirkung?

Will heissen: Egal ob Beschwerde gegen die Abschussverfūgung eingereicht wird: Ein Jungwolf WIRD abgeschossen. Wenn das Gericht dann zum Schluss kommt, dass die Verfūgung aufzuheben ist und dass kein Wolf abgeschossen werden darf, dann.. ist der Wolf halt schon tot. Das wāre dann doof.

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