Tagblatt Online, 07. Juni 2012 06:04:00
«Öfter Neuland betreten»
Glückliche Gewinner: Jonas Bischoff und Anita Bünter (Fernsehen), Rahel Boksberger (Radio), Katrin Meier (Reportage), Mona Vetsch (Fernsehen), «Engadiner Post»-Chefredaktor Reto Stifel (Tagestext) und Benjamin Manser (Fotografie) präsentierten ihre Preise nach der Verleihung im Pfalzkeller. (Bild: Urs Jaudas)
Sechs journalistische Arbeiten aus dem Jahr 2011 wurden gestern mit dem Ostschweizer Medienpreis ausgezeichnet. Unter den Gewinnern waren nicht nur Einzelkämpfer, auch ein ganzes Redaktionsteam wurde geehrt.
ST. GALLEN. Zweimal habe sie schon im Pfalzkeller gesessen und zugesehen, wie ihre Kollegen den Ostschweizer Medienpreis in Empfang nahmen. «Geträumt habe ich schon länger davon, ihn auch einmal zu gewinnen», sagte Rahel Boksberger. Gestern abend war es das dritte Mal, und der Traum ging in Erfüllung. Ihr Beitrag «Nöd ohni min Sohn» auf «Radio Top» beschrieb das Schicksal einer Winterthurerin, deren Sohn von ihrem iranischen Mann in dessen Heimat verschleppt wurde – eine «packende Radiodokumentation», befand Elmar Hürlimann im Namen der Jury. «Absolut preiswürdig.»
Vielleicht war es das, was der St. Galler Regierungsrat gemeint hatte, als er in seinem Grusswort sagte: «Hervorragende Eigenleistungen sind es, die guten Journalismus von einfachen News unterscheiden.» Einzelkämpfer würden hier ausgezeichnet, sagte Tagblatt-Chefredaktor Philipp Landmark als Präsident der Stiftung Ostschweizer Medienpreis. Aber diese «müssen sich darauf verlassen können, dass Kolleginnen und Kollegen dafür mehr Routinearbeit leisten» – denn Journalismus sei ein Mannschaftssport.
Ausgezeichnetes Team
So wurde in der Kategorie «Tagestext» eine ganze Redaktion gewürdigt: Das sechsköpfige Team der «Engadiner Post». Wer die 14 Artikel der Serie «Architektur im Engadin» gelesen habe, schaue künftig anders hin, wenn es ums Bauen im Engadin gehe, sagte Jurorin Eva Nietlispach.
Teamarbeit wurde auch beim ersten der beiden Preise für Fernsehbeiträge ausgezeichnet. Für eine Beitragsserie für TVO gingen Anita Bünter und Jonas Bischoff nach Kairo. Mitten in einer Phase der Unruhe porträtierten sie dort eine Ostschweizer Familie. Die Jury will diese Entscheidung auch als eine Motivationsspritze verstanden wissen: «Regionale Medien dürfen ruhig öfter Neuland betreten.»
Heute arbeiten Bünter und Bischoff in Zürich, bei «Tages-Anzeiger» und «Tele Züri». An eine, die auszog, ging auch der zweite Preis der Kategorie Fernsehen. Von Hattenhausen und «Radio Thurgau» an den Leutschenbach zog es die wohl prominenteste Preisträgerin des gestrigen Abends: Mona Vetsch erhielt den Preis für die Moderation des «Club» des Schweizer Fernsehens.
Ohne Vorurteile
Noch weiter weg von zu Hause müssen Mormonen – um ihre Religion zu verbreiten. Katrin Meier begleitete einen Ostschweizer Mormonen und seinen amerikanischen «Companion» auf ihrer Mission in Frankfurt. Für den daraus entstandenen Text «Glauben Sie an Gott?» zeichnet die Jury sie in der Kategorie «Reportage» aus. Meier sei nicht der Versuchung erlegen, sich dieser Religion über das Absonderliche oder über Vorurteile zu nähern. «Die präzisen Beobachtungen legen das unerbittliche Regelwerk der Gemeinschaft offen», sagte Juror Bruno Scheible. Nach ihrem Volontariat bei unserer Zeitung ist Katrin Meier nun Redaktorin bei der «Zürichsee-Zeitung.»
Dafür geht ein neuer Stern am ostschweizerischen Fotografen-Himmel auf, sagte Corinne Schatz im Namen der Jury. Gleich drei Arbeiten reichte Tagblatt-Fotograf Benjamin Manser ein, und alle hätten es in die letzte Runde geschafft. Seine Bilder aus einem Thurgauer Durchgangsheim «beeindruckten durch ihre Zurückhaltung». Zurück hielt sich Manser auch bei langen Reden am Podium. Beim Dank an die Bewohner des Durchgangsheims (und an seine Arbeitgeber) liess er es bewenden. (ken)
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