Tagblatt Online, 15. April 2011 16:24:00
Neun Masernfälle in der Ostschweiz
Sechs Kinder einer Familie sind an Masern erkrankt. (Bild: STR (AP))
FRAUENFELD/HERISAU. In den Kantonen Thurgau und Appenzell Ausserrhoden sind neun Kinder an Masern erkrankt. Die beiden Kantone vermelden zudem zwei Verdachtsfälle: Ein älterer Mann und ein weiteres Kind haben sich möglicherweise angesteckt.
René Rödiger/Sarah Gerteis
Sechs Kinder einer zehnköpfigen Familie aus dem thurgauischen Müllheim haben sich am 26. März bei einem Gottesdienst der «Organischen Christus-Generation» in der Rüegerholzhalle in Frauenfeld angesteckt, wie die Thurgauer Staatskanzlei am Freitagvormittag mitteilte. Beim Treffen der Religionsgemeinschaft, die von Experten als Sekte eingestuft wird, habe ein Masernpatient aus dem deutschen Waldshut teilgenommen und die Kinder infiziert.«Fünf der Kinder sind zu Hause isoliert und bereits auf dem Weg der Besserung. Ein sechsjähriges Mädchen liegt noch im Spital, da es als Folge der Masernerkrankung auch an einer Lungenentzündung leidet», sagt der Thurgauer Kantonsarzt Mathias Wenger.
Drei Ansteckungen in Ausserrhoden
Am Freitagnachmittag informierte auch die Ausserrhoder Kantonskanzlei über eine Masernansteckung. Drei Kinder sind erkrankt. Wann und wo sie sich angesteckt haben, sei derzeit noch unklar, sagt Vinzenz Müller, Kantonsarzt in Appenzell Ausserrhoden. «Bei einem Kind könnte die Spur aber auch in den Thurgau führen.» Die Kinder – sie stammen im Gegensatz zu den Müllheimer Fällen aus verschiedenen Familien – seien alle in ambulanter Behandlung.
Weitere Verdachtsfälle
Nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich weitere Personen am Gottesdienst angesteckt haben. «Wir wissen nicht, wieviele Menschen die Veranstaltung besucht haben. Bisher konnten wir noch keinen Kontakt mit der Gemeinschaft herstellen», sagt Wenger. In der Festhalle Rüegerholz haben über tausend Personen Platz.
Am Donnerstag ist im Spital Frauenfeld ein weiterer Verdachtsfall gemeldet worden. Wenger: «Ein älterer Herr um die 50 hat Masern-Symptome. Im Blut konnte das Virus jedoch noch nicht nachgewiesen werden.» Dass sich der Mann ebenfalls beim Gottesdienst angesteckt hat, kann ausgeschlossen werden. «Die Inkubationszeit beträgt längstens 18 Tage», sagt der Thurgauer Kantonsarzt. Auch im Appenzellerland gibt es laut dem Ausserrhoder Kantonsarzt Vinzenz Müller einen Verdachtsfall. Es handle sich dabei um ein Kind, dessen Erkrankung noch nicht bestätigt sei.
Häufig Begleitkrankheiten
Masern sind eine hochansteckende Krankheit. «Hat man das Virus, dann ist man richtig krank. Hohes Fieber, rote Flecken am ganzen Körper, Husten und Niesen sind Anzeichen der Erkrankung. In der Regel liegt man damit bis zu zehn Tage im Bett», sagt Wenger. Die Masern selbst sind nicht tödlich. Doch häufig treten lebensbedrohliche Begleitkrankheiten wie Lungenentzündungen oder Hirnhautentzüngen auf.
In der Schweiz sind die Masern trotz langjähriger Bemühungen noch immer nicht ausgerottet. «Die Ärzte empfehlen eine erste Impfung für Kinder im Alter von 12 und eine zweite Dosis MMR-Impfstoff im Alter von 15 bis 24 Monaten», sagt Wenger. Gegen die Virenerkrankung gebe es jedoch keine Altersgrenze für die Impfungen.
Krankheit könnte ausgerottet werden
In Nord- und Südamerika gelten die Masern als eliminiert. «Hier sind wir ein Entwicklungsland», sagt Wenger. Während in Amerika ein Impfobligatorium besteht oder nur geimpfte Kinder zur Schule dürfen, gibt es in der Schweiz keinen Impfzwang. Wenger: «Bei uns verzichten vor allem Eltern aus höheren Bildungsschichten auf Impfungen. Dabei ist das Masernvirus relativ konstant, und mit der heutigen Technik könnte die Krankheit endgültig besiegt werden.»
Laut Bundesamt für Gesundheit sind in der Schweiz im März 104 und seit Anfang April 36 Masernfälle gemeldet worden. Am 23. April beginnt die Europäische Impfwoche, an der sich auch die Schweizer Kantone beteiligen. Schwerpunkt ist die Masernimpfung unter dem Motto: «Der 1. Geburtstag - Zeit für ein nachhaltiges Geschenk: die Masernimpfung!».
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Kommentare lesen
blume (17. April 2011, 12:32)
Masern sind eine harmlose Kinderkrankheit
Kinder mit durchgemachten Masern werden selbständiger, Stottern und Bettnässen können verschwinden, und allergische Krankheiten ausheilen. Chronische Krankheiten klingen oftmals nach der Krankheit ganz ab, wie z.B. Schuppenflechte. Noch in den sechziger Jahren wurden Kinder mit dem nephrotischen Syndrom in Basel in der Kinderklinik bewusst mit Masern angesteckt, weil danach die Krankheit geheilt war. Multiple Sklerose ist bei Menschen, die Masern durchgemacht haben, viel niedriger.
Beitrag kommentierenEigentlich machen Kinder Masern in aller Regel ohne Komplikationen durch. Heute wird allerdings von Medizinerseite die Krankheit mit den Komplikationen verwechselt und so werden Angst und Schrecken unter den Eltern verbreitet.
Zum Beispiel ging in Ghana die Sterblichkeit nach Masern ganz zurück, nachdem einzig und allein auf fiebersenkende Mittel verzichtet wurde.
Wozu wieder all das Geschrei um die Masern? Wenn doch hochinteressante Studien solch Fakten nachweisen.
unbekannt (16. April 2011, 23:33)
Die Krankheit könnte ausgerottet werden!!!
Würde es den Verantwortlichen wirklich von Herzen darum gehen, die Masern landesweit gänzlich auszurotten, gäbe es eine wirksame Möglichkeit, die auch Impfkritiker ins gleiche Boot holt: Man rufe schweiz- oder am liebsten weltweit statt einer Impfwoche einen festgesetzen Quarantäneurlaub aus, der die Inkubationszeit überschreitet, und schon wäre der Virus gemeinschaftlich ausgerottet. Zugegeben, für die Pharma`s würde nicht so viel Profit abfallen, ausser für den Mundschutz... Aber das wäre sicherlich zu verkraften. Wenn wir also wirklich so gesundheitsbewusst, global und gesamtbewusst denken, gibt es bestimmt eine Möglichkeit, diese unangenehme Krankheit auch ZUSAMMEN (ohne Feindbild gegen Impfer und Impfkritiker) zu bekämpfen.Würden wir alleso vorgehen, würden wir auch andere Viren eliminieren und vor Langzeitschädigungen wie Allergien ect. verschont bleiben. Möglich wäre es... wenn es wirklich ALLEN um die propagierten Ziele geht...
Beitrag kommentierenSophie_Adler (16. April 2011, 22:20)
E bisle Impfung?
Beim lesen dieses Artikel sind mir gleich 2 Gedanken gekommen:
Beitrag kommentieren1.Was für ein toller "Zufall", das grad kurz vor der EU Masern-Impfwoche unsere Zeitungen wie Marktschreier von Masernfälle berichten...
2.Sind die erwähnten "Experten" aus der selbe Schule wie diese, die immer wieder vor der "Schweine-Vogel-Rinderwahn-Grippe" warnen? oder diese, die uns versichern,das Atomenergie "sauber" wäre?
In der Tat ein recht amüsanter Artikel!
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