Nervosität wegen Medical Master

ST. GALLEN. Das Projekt für einen Mediziner-Ausbildungsgang stösst in St. Gallen kaum auf Widerstand. Der politisch heikle Teil steht aber erst bevor. Das Gesundheitsdepartement bemüht sich deshalb, die Reihen zu schliessen.

13. Januar 2016, 07:02
ANDRI ROSTETTER

Anfang März entscheidet der Bundesrat über einen Kredit von 100 Millionen Franken für den Aufbau zusätzlicher Studienplätze für Mediziner. Ein Teil des Geldes soll in die Ostschweiz fliessen: Die St. Galler Regierung will zusammen mit dem Kantonsspital und der HSG einen Master-Studiengang für Mediziner aufbauen. «Das Potenzial für einen neuen Studiengang in St. Gallen ist gross: Das Kantonsspital ist das sechstgrösste Zentrumsspital der Schweiz und ein anerkanntes Lehrspital. Und die Universität punktet mit den Bereichen Gesundheitsmanagement, Gesundheitsökonomie, Gesundheitsrecht, Informationstechnologie und Ethik», sagte Gesundheitschefin Heidi Hanselmann gestern an der Jahresmedienkonferenz der St. Galler Regierung. Aktuell prüft ein Projektteam drei verschiedene Varianten: einen Master-Studiengang mit externer Bachelor-Ausbildung, ein Master-Teilprogramm in Zusammenarbeit mit einer bestehenden Medizinischen Fakultät sowie den Aufbau einer eigenen Medizinischen Fakultät. Geht es nach den Chefärzten des St. Galler Kantonsspitals, müsste der Kanton gleich eine komplette Fakultät aufbauen (Ausgabe von gestern).

Kampf um Informationshoheit

Der Wunsch der Chefärzte hat im kantonalen Gesundheitsdepartement kurzfristig Nervosität ausgelöst. Dass viele Mediziner im Kanton mit einer eigenen Fakultät liebäugeln, ist im Departement zwar nichts Neues – das entsprechende Papier der Chefärztekonferenz datiert vom September 2015. Die Regierung beanspruche aber die Informationshoheit in Sachen Medical Master für sich, heisst es aus Spitalkreisen – Chefärzte und Spitalverantwortliche dürfen sich zum Medical Master nicht offiziell äussern. Begründung: Das Geschäft sei politisch heikel, die interkantonale Konkurrenz gross – spätestens seit bekannt ist, dass der Bundesrat Geld für die Medizinerausbildung lockermachen will. Im St. Galler Gesundheitsdepartement will man deshalb die Reihen schliessen. Die Devise lautet: Konzentration auf das Machbare. Gemeint ist damit, dass man sich vorderhand auf den Aufbau eines Master-Studiengangs konzentriert. Ein Entscheid wird in rund einem Jahr erwartet. Im September prüft ein Ausschuss der Hochschulkonferenz die Projekte, im Januar 2017 entscheidet der Schweizerische Hochschulrat.

Begeisterte Jungfreisinnige

Welche Chancen das St. Galler Projekt hat, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Im Kanton kann Hanselmann aber auf breite Unterstützung zählen. Geradezu begeistert von der Aussicht auf ein Medizinstudium in der Region zeigen sich die St. Galler Jungfreisinnigen: Die Jungpartei verlieh Hanselmann im April 2015 den Titel «Freigeist des Monats».

Die Mutterpartei hat bereits konkrete Wünsche angemeldet: In einer Beilage zum Wahlkampfkonzept 2015 forderte die FDP, dass die Privatkliniken in die Ärzteausbildung eingebunden werden.


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