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Tagblatt Online, 20. Juni 2012 17:11:00

Grosser Hangrutsch in Oberriet

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Auf 60 Metern Breite und etwa 120 Metern Länge rutschten einige 10'000 Kubik deponierter Aushub und Bauschutt langsam zu Tal. (Bild: Mäx Hasler)

OBERRIET. Weil der Hang der Deponie König letzte Woche immer unruhiger wurde, schlossen die Betreiber das Areal am Montag. Am Dienstagabend glitten dann während etwa einer Stunde prompt Tausende von Kubikmetern Erde und Bauschutt talwärts. Verletzt wurde niemand.

René Schneider

«Ein Schreck» habe ihn durchfahren am Dienstagabend, gesteht Peter Dietsche. Er ist Geschäftsführer der Deponie-Betreiberin Robert König AG. Er habe kurz vor halb acht Uhr am Telefon vom Niedergang erfahren. Bis zuletzt habe er gehofft, dass die Schüttung halten werde.

Bilderstrecke: Hangrutsch Oberriet

Mehrere tausend Kubikmeter Erde und Bauschutt sind am Dienstagabend in einer grossen Deponie in Oberriet abgerutscht. Hauptsächlich die Niederschläge der letzten Monate waren dafür verantwortlich. (Bilder: Hangrutsch Oberriet)


Drei Gründe
Peter Dietsche nennt drei Gründe für den Rutsch: Das nasse Wetter der letzten Monate, gleichzeitig wurde wegen des Baubooms sehr viel und oft nasses Material angeliefert. Dieses wurde in der Folge zu schnell aufgeschüttet und konnte sich zu wenig verfestigen. «Wir können uns jetzt vorwerfen, dem Druck des Marktes nachgegeben zu haben», räumt der Deponie-Betreiber ein. «Das schnelle Geschäft», wie in Oberriet kolportiert wird, sei jedenfalls nicht der Grund gewesen. Die Deponie ist die einzige ihrer Art in der Region. Auch in den Nachbarregionen ist Deponieraum knapp und allein wegen der längeren Transportwege teurer. «Was heute nicht angeliefert wird, kommt morgen» sagt Dietsche. Doch sei der Druck der zwei Dutzend regionalen Baugeschäfte auf die Deponiebetreiber gross. Jetzt herrsche «Notstand». Abbruch- und Aushubmaterial muss bei den jeweiligen Baustellen oder sonstwo zwischengelagert werden, was aber auch wegen gesetzlicher Auflagen schwierig ist.

Seit Wochen angekündigt
In Bewegung war jener Teil der Aufschüttung gemäss Dietsche seit Wochen – und unter dauernder Beobachtung durch den Geologen. Vor drei Wochen wurde den Lieferanten (Rheintaler Baugeschäfte) mitgeteilt, dass aus Sicherheits-Überlegungen vorübergehend nur noch 500 Kubikmeter pro Tag angenommen würden. An Spitzentagen der letzten Monate waren es 2000 Kubikmeter gewesen. Allen Lieferanten wurden die Liefermengen prozentual zu ihren bisherigen Lieferungen gekürzt. Letzten Freitag erhielten alle Bescheid, dass ab Montag die Deponie geschlossen sei. «Wir hofften auf trockeneres Wetter, und dass sich der instabile Teil setzen und verfestigen würde», sagt Dietsche.

Keine Gefahr für Anwohner
Am Dienstagnachmittag fand dann eine der regelmässigen Sitzungen der Deponiebetreiber mit Vertretern von Kanton, Gemeinde und Anwohnern statt. Dietsche entschied, die Sitzung nicht wie gewohnt im Büro-Container der Deponie sondern bei der Bauunternehmung Dietsche in Kriessern abzuhalten. Stunden später  glitt eine Schicht von drei bis fünf Metern Tiefe auf etwa 120 Metern Länge und 60 Metern Breite zu Tal.

«Eine Gefahr für Menschen und Siedlungen bestand nie und besteht auch jetzt nicht», versichert Peter Dietsche. Möglich sei, dass in den nächsten Tagen noch mehr Material nach rutsche. Doch würde auch dieses «langsam» zu Tal gleiten. «Das ist nicht vergleichbar mit einem Felssturz. Das hört man, sieht man kommen, man könnte vom Bergfuss wegrennen.» Trotzdem ist es nicht ratsam, die Abschrankungen zur Deponie zu überschreiten.

Die Deponie werde voraussichtlich für Monate geschlossen bleiben, sagt Dietsche. «Es gibt eine Lösung, aber wir haben sie noch nicht», ist er überzeugt. Die Deponie ist für 1,6 Mio. Kubik ausgelegt und zu 1.2 Mio. Kubik bereits gefüllt.


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