Tagblatt Online, 29. April 2012 12:08:00
«Es gab einen Knall beim Notwassern»
In Zusammenarbeit zwischen dem Seerettungsdienst und dem Schifffahrtsamt wurde die Maschine an Land geschleppt. (Bild: Rudolf Hirtl)
ALTENRHEIN. Erneut hat es ein Unglück mit einem Kleinflugzeug auf dem Bodensee gegeben. Die Maschine war um 9.48 Uhr in Altenrhein mit dem Ziel Bressaucourt im Jura gestartet. Kurz nach dem Start verlor sie an Leistung - der Pilot musste notwassern.
Daniel Walt/Marco Kamber
«Die beiden Insassen haben ihr höchstes Gut retten können: ihr Leben.» Das sagt Hanspeter Krüsi, Chef Mediendienst der St.Galler Kantonspolizei, zum zweiten Unglück mit einem Kleinflugzeug am Bodensee innert Monatsfrist. Ein 43-jähriger Pilot musste am Samstagmorgen vor Altenrhein notwassern - laut Krüsi in der Nähe der Staader Bucht, aber bereits im offenen See, rund 500 Meter vom Ufer entfernt.Flügel und Propeller durch Aufprall beschädigt
Laut der Kantonspolizei war die Maschine - ein zweiplätziges Experimentalflugzeug - um 9.48 Uhr in Altenrhein gestartet. Ziel des Fluges war gemäss Hanspeter Krüsi Bressaucourt im Jura. Kurz nach dem Start verlor das Flugzeug dann aber an Leistung. Der Pilot leitete in der Folge eine Notwasserung ein. Das Flugzeug setzte rund 500 Meter von Ufer und Flughafen entfernt im See auf, die erste Meldung über die Notwasserung ging laut Polizei um 9.53 Uhr ein. Durch das unsanfte Aufsetzen des Kleinflugzeugs auf dem Wasser wurde der grösste Teil des linken Flügels abgerissen und der Propeller beschädigt. Dem Piloten gelang es, das Flugzeugdeck zu öffnen. Er und sein 52-jähriger Flugpassagier - beides Schweizer - konnten sich an Teilen des auf dem Wasser treibenden Flugzeugs festhalten, bis sie nach wenigen Minuten von einem privaten Boot aufgenommen und an Land gebracht wurden.
Bilderstrecke: Flugzeugunglück Altenrhein
Ein Kleinflugzeug ist kurz nach dem Start in Altenrhein in Probleme geraten und hat auf dem Bodensee notwassern müssen. Die Bilder der Bergung der Maschine in unserer Galerie. (Bilder: Rudolf Hirtl)
An Land geschleppt
Vor Ort war auch Remo Pfändler, Obmann des Seerettungsdienstes Rorschach. «Wir hatten einen Alarm erhalten und rückten sofort mit einem ersten Boot und drei Leuten aus», sagte er zu Tagblatt Online. Als sie beim Kleinflugzeug ankamen, waren die beiden Insassen bereits vom Privatboot in Sicherheit gebracht worden. «Wir warteten beim leicht demolierten Flugzeug dann auf weitere Anweisungen der Polizei», hält Pfändler fest. Schliesslich schleppte der Seerettungsdienst die Maschine, die nicht unterging beziehungsweise gesichert wurde, in Zusammenarbeit mit dem Schifffahrtsamt an Land. Beobachtet wurde die Szenerie von vielen Schaulustigen - die einen hatten im Radio vom Unglück erfahren, die anderen auf ihren Booten per Funk.
Ein Anwohner berichtet
Guido Jacxsens wohnt am Staader Hafen. «Meine Frau und ich waren auf dem Balkon, von dem aus wir direkte Seesicht haben. Wir waren dabei, die Taschen zu packen, um unser Boot zu beladen», berichtet er. Für das Ehepaar ist es nichts Aussergewöhnliches, vom nahen Altenrheiner Flughafen startende Maschinen zu hören. «Doch dieses Flugzeug hörte sich nicht gut an. So haben wir nach ihm Ausschau gehalten und bemerkt, dass es nach dem Start nicht wirklich an Höhe gewinnen konnte», sagt Jacxsens. Die Maschine sei jeweils wieder abgesunken. «Uns war klar: Da stimmt etwas nicht», berichtet er. Einen Moment lang habe er dann den Eindruck gehabt, der Pilot wolle umkehren. «Beim Notwassern dann gab es einen Knall, den hörten wir bis hierher. Dies, obwohl die Entfernung doch einige hundert Meter betrug. Es war schon ein kurzer Schreckensmoment – zum Glück geht es den Passagieren des Flugzeugs aber gut», sagt er.
«Da schwimmt man nicht lange»
Laut Hanspeter Krüsi waren mehrere Dutzend Einsatzkräfte vor Ort: über 20 Angehörige der Seerettung, die Feuerwehren Thal, Rorschach und St.Gallen, Polizeitaucher und weitere Spezialisten. Das Unglücksflugzeug wird nun in einer Halle eingestellt und von Experten untersucht. Bei Experimentalflugzeugen handelt es sich gemäss Krüsi um Maschinen, welche nicht serienmässig hergestellt, aber zugelassen worden sind. Den beiden Insassen gehe es soweit gut, sagt Krüsi. Remo Pfändler von der Seerettung spricht zwar davon, dass in solchen Situationen immer die Gefahr bestehe, dass ein Flugzeug auf Segelschiffe oder Boote stürze. «Je mehr Boote auf dem See sind, desto grösser ist aber auch die Chance, dass die Flugzeuginsassen gerettet werden können», hält er fest. Die Wassertemperatur betrage derzeit nämlich gerade einmal 8 Grad - «da schwimmt man nicht lange», so Pfändler.
Tödlicher Flugunfall vor einem Monat
Vor ziemlich genau einem Monat war bereits ein Kleinflugzeug in den Bodensee gestürzt, und zwar vor Bregenz. Die Maschine war in Hohenems für einen Rundflug gestartet. Rund zehn Minuten später stürzte sie etwa 1500 Meter vom österreichischen Ufer entfernt in den See und sank sofort. Dabei verloren die beiden Insassen ihr Leben.
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