Zur Mobile-Ansicht wechseln
Tagblatt Online
18. Februar 2016, 07:23 Uhr

Ein Chefredaktor für 14 Zeitungen

Die NZZ-Gruppe unterstellt ihre Regionalmedien einer gemeinsamen publizistischen Leitung. Chef der Redaktionen von St. Gallen und Luzern wird Pascal Hollenstein. Philipp Landmark tritt von seiner Funktion als Chefredaktor zurück.

ANDRI ROSTETTER

Seit Monaten wurde darüber spekuliert, jetzt ist es Tatsache: Die Zeitungen des Tagblatt-Verbunds und die Luzerner Zeitung werden redaktionell unter ein gemeinsames Dach gestellt. Die NZZ-Gruppe, Besitzerin der beiden Medienhäuser in St. Gallen und Luzern, hat Pascal Hollenstein zum publizistischen Leiter aller 14 Regionaltitel ernannt. Die beiden amtierenden Chefredaktoren, Philipp Landmark vom St. Galler Tagblatt und Thomas Bornhauser von der Luzerner Zeitung, treten von ihren Posten zurück. Landmark wird noch bis im April die Redaktion leiten und danach für einzelne Aufgaben zur Verfügung stehen. Wer die Regionalleitung in St. Gallen übernimmt, ist offen. Landmark wurde angeboten, weiterhin die Redaktion in St. Gallen zu leiten. Dies lehnte er jedoch ab. «Nachdem mir die neue Aufgabenteilung erläutert wurde, war klar, dass ich dieses Angebot nicht annehmen werde, da sie entscheidende Abstriche an meinen Befugnissen beinhalten. Mit der Person von Pascal Hollenstein – dem ich im übrigen ein glückliches Händchen bei seiner neuen Aufgabe wünsche – hat dies nichts zu tun.»

Philipp Landmark Chefredaktor St. Galler Tagblatt und Partnerzeitungen seit 2009. Zoom
Philipp Landmark Chefredaktor St. Galler Tagblatt und Partnerzeitungen seit 2009.

Laut NZZ-Unternehmensleitung hat die Umstrukturierung vorderhand keine Entlassungen zur Folge. Hollensteins Aufgabe wird es aber sein, die beiden Zentralredaktionen in St. Gallen und Luzern zusammenzuführen. Langfristig sollen die überregionalen Inhalte der Zeitungen von einer gemeinsamen Mantelredaktion produziert werden.

Pascal Hollenstein Designierter Leiter Publizistik NZZ-Regionalmedien Zoom
Pascal Hollenstein Designierter Leiter Publizistik NZZ-Regionalmedien

NZZ am Sonntag, Axa, Renova

Der 45jährige Hollenstein ist derzeit stellvertretender Chefredaktor der NZZ am Sonntag. Seine journalistische Laufbahn startete der gebürtige Thurgauer als Redaktor bei Radio Thurgau und der Thurgauer Zeitung. 2001 gehörte Hollenstein zum Gründungsteam der NZZ am Sonntag. Ende 2009 wechselte er auf die Medienstelle des Versicherungskonzerns Axa, ein Jahr später wurde er Sprecher der Renova-Gruppe des russischen Investors Viktor Vekselberg. 2011 kehrte er zur NZZ am Sonntag zurück.

«Befürchtungen bestätigt»

Die St. Galler Kantonsregierung reagierte gestern bestürzt. «Wir sind enttäuscht über diese Entwicklung. Die Befürchtungen, die wir 2014 geäussert haben, werden nun leider bestätigt», sagt Regierungspräsident Benedikt Würth. Bereits im Oktober 2014 hatte die NZZ-Leitung einen gemeinsamen Gesamtleiter für die Regionalmedien in St. Gallen und Luzern ernannt. Dass die Medienhäuser nun auch publizistisch zusammengeführt werden, sei für die Ostschweiz ein schlechtes Zeichen, meint Würth. «Die st. gallische und die ostschweizerische Perspektive auf nationalen Themen wird geschwächt. Das ist für die Profilierung unseres Landesteiles negativ.» Es sei zudem unklar, welche Rolle der neue Leiter Publizistik spielen soll. «Hier bleibt ein Klärungsbedarf.» Die Regierung werde deshalb bei den NZZ-Verantwortlichen vorstellig werden.

Auch der Thurgauer Regierungspräsident Jakob Stark äusserte gestern sein Bedauern. Es sei klar, dass sich die Printmedien angesichts der schwindenden Erträge der Branche neu organisieren müssen. Die Thurgauer Regierung erwarte aber, dass die Vertreter der Ostschweiz weiter adäquat in der Zeitung gespiegelt werden. «Wir sind stark auf diese Zeitungen angewiesen. Die Herausforderung ist deshalb, in den nationalen Debatten weiterhin regionale und kantonale Aspekte hineinzubringen.»

Nicht mehr St. Gallen unterstellt

Für den Thurgau ist die Neuerung indes weniger einschneidend als für St. Gallen. Die Redaktion in Frauenfeld verfügt bereits seit Anfang 2007 über keine eigene Mantelressorts für überregionale Inhalte mehr. Bis Ende 2010 belieferte der Winterthurer «Landbote» die Thurgauer Zeitung mit Mantelseiten, seit der Integration in den Tagblatt-Verbund Anfang 2011 ist die Hauptredaktion in St. Gallen zuständig für die überregionalen Inhalte in der Thurgauer Zeitung. Neu ist für die Thurgauer Zeitung, dass Redaktionsleiter David Angst künftig nicht mehr St. Gallen unterstellt ist, sondern direkt dem Leiter Publizistik.

Zum Tagblatt-Verbund gehören die Ausgaben für St. Gallen und Rorschach, Appenzeller Zeitung, Wiler Zeitung, Toggenburger Tagblatt, Thurgauer Zeitung, Werdenberger & Obertoggenburger sowie die Ostschweiz am Sonntag. Der Luzerner Verbund umfasst sechs Titel. Die 14 Ausgaben haben zusammen 565 000 Leserinnen und Leser.



Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Jonischmi (19. Februar 2016, 12:40)
Eine schlechte Entwicklung

Trotzdem darf ich nicht klagen.
Schliesslich bezahle ich nicht für das Tagblatt.

Allerdings würde ich gerne eine Zeitung abonnieren, die eine unabhängige Berichtserstattung betreibt.

Aber gibt es diese?

Beitrag kommentieren

schoenenberger-blessing (18. Februar 2016, 10:17)
Das ist Unüberlegt oder einfach nur Zürcher Aroganz????

Nachdem die NZZ Gruppe schon die Appenzeller Zeitung auf das Niveau eines Quartierblättlis "runter geritten " hat macht sie nun mit dem gesamten Tagblatt noch etwas Rigideres. Der Leserrückgang kommt nicht einfach so, sondern das Angebot für die Ostschweiz (Lokalteile) stimmt einfach nicht mehr. Nachdem ich bereits 2 ABOS gekündigt habe ist vermutlich jetzt das letzte, noch verbleibende, ABO fällig. Vermutlich muss ich inskünftig den TAGI lesen, da weiss ich wenigstens, was ich erwarten kann. Für den Regionalteil gibt es ja noch den Appenzeller Volksfreund !!!!!! Dieser Verlag in Appenzell wird sich über neue Abonnenten bestimmt freuen. Herr Landmark danke ich für sein "Rückgrat" und wünsche ihm alles Gute für die Zukunft. Für Daniel Ehrat, das erste NZZ Opfer, hat sich ja auch wieder eine Chance eröffnet.

Beitrag kommentieren

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

ostjob.ch  STELLENSUCHE

Ostschweizer Trauerportal

tagblatt.ch / leserbilder

FACEBOOK.COM /TAGBLATT