Tagblatt Online, 30. August 2008 01:05:32
Würstchen sucht Schlafrock
Ein Koch aus Radolfzell verkuppelt Menschen, die arbeiten, wenn andere flirten
Koch und Amor: Thomas Honold hilft einsamen Singles. (Bild: Bild: Gerhard Herr)
Radolfzell. Küchenmeister Thomas Honold ist der Mann für einsame Singles im Gastgewerbe. Vor einem Jahr hat er das erste Partnervermittlungs-Portal für Gastro-Singles lanciert. Inzwischen ist daraus ein ganzes Programm entstanden.
Gerhard Herr
«Meinen Beruf sehe ich als Berufung, und die Liebe brauche ich zum Leben. Aber was soll ich machen, wenn ich wegen des Jobs keine Liebe finde», fragt der Radolfzeller Thomas Honold. Der Küchenmeister löste die Frage selber und eröffnete im Internet mit gastrosingles.de die erste deutsche Partnersuch-Seite für Singles aus der Gastronomiebranche.
Erste Erfolge sind bekannt
Das war Anfang August 2007. In den ersten beiden Monaten hatte die Seite gerade 100 Mitglieder, mittlerweile sind es über 2100 in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auf Anregung der Nutzer hat Honold die Seite laufend ausgebaut. Inzwischen hat er auch Metzger, Bäcker, Mediziner, Ingenieure und Landwirte unter seine Such-Fittiche genommen.
Im deutschsprachigen Raum sei es einmalig, dass Frau oder Mann den Partner nach Beruf auswählen könne, berichtet Thomas Honold von seiner Intention. «Koch sucht Restaurant-Fachfrau, das gibt es doch in keiner Singlebörse in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.» Ein erstes Paar, ein Meisterkoch und eine Hotelfachfrau, habe ihm mitgeteilt, dass sie demnächst zusammenziehen würden, sagt Honold. Er sei vom Niederrhein, sie aus dem Grossraum Berlin. Die beiden hätten ohne seine Homepage wahrscheinlich nie das gemeinsame Glück gefunden. Das sei der erste ihm bekannte Erfolg, so der Küchenmeister.
«Ich musste doch helfen»
Nach den Gastrosingles-Benutzern, von denen auch viele aus der Ostschweiz und aus Vorarlberg kommen, riefen plötzlich auch Bäcker und Metzger bei Thomas Honold an und machten ihn darauf aufmerksam, dass auch sie Arbeitszeiten hätten, die nicht mit einem ausgiebigen Party- und Discoleben vereinbar seien. Der ledige Honold kennt das Problem. Wenn andere flirten, steht er am Herd im elterlichen Restaurant auf der Bodenseehalbinsel Mettnau. «Bis ich dann in die Bar oder Disco komme, sind doch die nettesten Damen schon vergeben», scherzt der 30jährige. «Also musste ich doch den Mädels und Jungs helfen.» Im Oktober erweiterte der findige Koch darum seine Internet-Seiten um Partnersuchende aus der Lebensmittelbranche. Nach wie vor sind aber rund 75 Prozent der Besucher aus der Gastronomie und Hotellerie. Die Jobsingles-Seiten laufen jedoch gemeinsam über eine Datenbank und sind untereinander verlinkt. «So können sich alle kennen lernen, die aussergewöhnliche Arbeitszeiten haben», sagt Honold.
Weltweite Verknüpfung
Als kurz vor Weihnachten 2007 eine nach einem Unfall erblindete Frau in Radolfzell anrief und um Hilfe bat, musste Honold schlucken. «Das hat mich so getroffen, da musste ich einfach was unternehmen», sagt er heute. Zu dem «Portal fürs Berufs- und Liebesglück» mit flotten Sprüchen wie «Würstchen findet Schlafrock» oder «Koch findet heisse Liebe» kamen die Parasingles-Seiten für Singles mit Handicap als separates Netzwerk hinzu.
Vorerst muss noch nicht bezahlt werden für die elektronische Partnervermittlung. Aber registrieren müsse man sich schon, sagt Honold. In der nächsten Ausbaustufe soll das Angebot in englischer Sprache erweitert werden. Dann will der selbst noch suchende Koch vom Bodensee für seine Kundschaft weltweit auf Partnersuche gehen – und gleichzeitig Jobs anbieten: Im angehängten Job-Singles-Forum sollen Suchanzeigen und Angebote aufgegeben, aber auch Tips und Tricks ausgetauscht werden können.
Nachkochern dieser Idee hat Thomas Honold schon vorzeitig den Topf weggezogen. Alle Titel sind beim Bundespatentamt in München geschützt.
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