Tagblatt Online, 19. August 2012 21:06:00
Feuerwehr findet einen Toten
KREUZLINGEN. Am Samstagabend brennt an der Kreuzlinger Löwenstrasse eine Wohnung komplett aus. Während der Löscharbeiten finden Feuerwehrleute eine Leiche. Die Identität des Toten und die Hintergründe sind noch unklar.
URS BRÜSCHWEILER
Am Freitag feierten die Kreuzlinger noch ausgelassen das Löwenstrassenfest. Am Samstagabend folgte das Drama an selber Stelle. Ein Velofahrer hatte gegen 19.30 Uhr Rauch aus einer Wohnung an der Löwenstrasse aufsteigen sehen. Die Stützpunktfeuerwehr rückte sofort mit einem Grossaufgebot aus.
Die Einsatzkräfte mit Atemschutzgeräten standen im Treppenhaus in der zweiten Etage vor verschlossener Wohnungstür. Sie mussten sie aufbrechen. Im Inneren machten die Feuerwehrmänner den traurigen Fund: die verkohlte Leiche eines Mannes.
Identitätsklärung per DNA
Dessen Identität birgt Rätsel. Ob es sich um den Wohnungsmieter handle sei unklar, schreibt die Kantonspolizei Thurgau. Mediensprecher Ernst Vogelsanger sagt, die Leiche sei bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Eine Identifizierung müsse über eine DNA-Analyse erfolgen. Zur Klärung der Todesursache wurde der Leichnam ins Institut für Rechtsmedizin nach St. Gallen überführt. Ebenso gibt es noch keine Angaben zur Brandursache. Die Staatsanwaltschaft untersucht den Fall, der sehr mysteriös wirkt.
Im Raum steht die Frage, ob der Mann schon tot war, als das Feuer ausbrach oder er dem Brand zum Opfer fiel. Die Polizei weiss derzeit keine Antwort auf Fragen nach dem Ablauf, ob noch weitere Personen beteiligt waren oder der Brand vielleicht sogar gelegt wurde, um Spuren eines Verbrechens zu vertuschen. Verhaftet wurde bisher niemand.
Feuerwehrleute werden betreut
Der Brand konnte rasch gelöscht werden. Die Bewohner des fünfstöckigen Wohn- und Geschäftshauses wurden evakuiert. Zwei Frauen begleitete die Feuerwehr das Treppenhaus hinunter. Eine von ihnen wurde mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Spital gebracht. Sie konnte dieses bereits wieder verlassen. Die Feuerwehrleute, welche die tote Person gefunden haben, werden psychologisch betreut, sagt Rolf Giger, stellvertretender Kommandant der Kreuzlinger Feuerwehr. Auch wenn die Männer dafür ausgebildet seien, dass man bei Bränden mit solchen Funden rechnen müsse, sei es doch kein alltäglicher Vorfall. Die Stadt Kreuzlingen kümmerte sich um die Evakuierten. Stadtrat David Blatter sagte, die meisten Bewohner hätten bei Bekannten und Verwandten Unterschlupf gefunden. Für fünf Personen habe man Hotelzimmer organisiert. Die meisten konnten am Sonntag zurückkehren. Jene, die oberhalb und unterhalb der ausgebrannten Wohnung leben, können wohl erst am Montag nach Hause. Sie erwartet kein schöner Anblick. Im Treppenhaus stinkt es am Sonntag stark nach Rauch. Die Wände sind schwarz, wie ein Augenschein zeigt. Im Flur liegen verkohlte Gegenstände, während die Polizei in der Wohnung arbeitet.
Viele Fragezeichen im Haus
Betroffen vom Brand war auch Ralf Scherer. Sein Immobilien-Geschäft befindet sich im Erdgeschoss. Zur Brandzeit war dort niemand anwesend. Ein Schock sei es gewesen, als er davon erfuhr, sagte Scherrer. In seinem Laden sei wohl die Decke kaputtgegangen. Genaueres könne er erst nach einem Augenschein sagen. Über die Hintergründe weiss er nichts. Er habe keinen Bezug zu den Bewohnern. «Die ganze Sache birgt noch viele Fragezeichen.» Die Namensschilder an der ausgebrannten Wohnung und am Briefkasten sind abmontiert. Ein Bewohner sagte, er sei eben erst aus den Ferien zurückgekehrt und habe das ganze erst jetzt gesehen. Er habe keine Ahnung, wer in jener ausgebrannten Wohnung lebe.
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