Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 07. September 2010 07:45:00

Abfall im Garten als Protest

Zoom

Murtez Ademaj vor seinem privaten Abfallberg im Garten. Das Protestplakat hatte er für den 1. August geschrieben. (Bild: Bild: Nana do Carmo)

BÜRGLEN. Seit fünf Monaten wirft ein IV-Bezüger in Bürglen seinen Abfall einfach vors Haus. Damit will er der Welt zeigen, «wie mein Leben zerstört wurde». Jetzt stellt die Gemeinde ein Ultimatum.

ida sandl

Murtez Ademaj sieht sich als Opfer. «Ich will, dass die Wahrheit ans Licht kommt», sagt er. Alle sollen erfahren, wie ihm seit Jahren Unrecht geschehe. Jetzt seien er und seine Frau krank, «kaputt», sagt Ademaj. Er ist IV-Rentner und anerkannter Flüchtling. Vor sieben Jahren verlor der Kosovare seinen Job als Vorarbeiter. Wegen sexueller Belästigung. «Ach was», sagt Ademaj. Das sei ein Komplott gewesen, die Aussagen der Frauen gegen ihn waren arrangiert. Weil er Ausländer sei, habe man ihn weggemobbt.

6300 Franken reichen nicht

Ademaj kam in ein Beschäftigungsprogramm. Da er die «Zwangsarbeit» verweigert habe, stellte das Arbeitsamt die Zahlungen ein. Eine psychische Erkrankung wurde diagnostiziert. Seit 2005 bekommt die fünfköpfige Familie eine IV-Rente von 6300 Franken monatlich. Das reiche nicht, sagt Ademaj, er müsse seiner Tochter eine private KV-Ausbildung finanzieren. Als Ausländerin habe sie trotz guter Noten keine Lehrstelle bekommen.

Vor vier Jahren stellte die Familie ein Einbürgerungsgesuch, die Gemeinde lehnte es ab. «Wir bürgern keine Personen ein, die ihre Wünsche mit Drohungen durchsetzen wollen», sagt Gemeindeammann Armin Eugster. Es folgte ein Papierkrieg. Von jedem seiner Briefe schickt Ademaj Kopien um die halbe Welt, an den Europäischen Gerichtshof, die Menschenrechtskonvention, Botschaften, Bundesräte. An die 15 000 Blätter habe er so versandt.

Abfallberge vor dem Haus

Genützt hat es ihm nichts. Sein Kampf wird immer einsamer. Jetzt wurde der Familie die Wohnung gekündigt. Seit August zahlen Ademajs keine Miete mehr, sagt Liegenschaftsverwalter Bruno Lanter. Inzwischen ist auch bei Gemeindeammann Eugster der Geduldsfaden gerissen. Ständig gebe es «Mais», seit die Familie Ademaj vor 20 Jahren in die Schweiz gekommen war. Seit fünf Monaten wirft die Familie zudem ihren Abfall vors Haus. Allen Mahnungen, den Kehricht zu entsorgen, hat die Familie bisher getrotzt.

Der Dreck sei sein Protest, sagt Ademaj. Er wundert sich, dass die Entrüstung erst jetzt ausbricht. «Wir wollten die Sache nicht aufbauschen», sagt Eugster. Ausserdem hatte der Hausbesitzer der Familie schon auf Ende Juli gekündigt. Anschliessend wollte die Gemeinde aufräumen. Ademajs zogen aber nicht aus. Am Montag soll es aber ernst werden. Ist der Güsel bis dahin nicht weg, räumt die Gemeinde den Garten. Mit der Polizei habe er die Aktion bereits abgesprochen, sagt Eugster.

Er hofft, dass die Familie irgendwann Bürglen verlässt. Vielleicht Richtung Kosovo. Am 23. August hat das Bundesamt für Migration allen Kosovaren den Flüchtlingsstatus entzogen, weil der Kosovo inzwischen ein anerkannter, unabhängiger Staat ist. «Die Rückkehr ist eine Option», sagt Murtez Ademaj. Aufgeben dagegen komme nicht in Frage.





Leser-Kommentare:
3 Beiträge

Kommentare lesen

schwizer (18. September 2010, 10:51)
Ausschaffen

Nachdem diesen Sozialschmarotzern der Flüchtlingsstatus aberkannt wurde, gibt es hier nur eine Lösung: Zurück in den Kosovo! Dort hat es genug Abfall zum entsorgen, dass er arbeitsfähig ist hat er nämlich bewiesen. 6300.- pro Monat ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Arbeitnehmenden!

Ausländer die den Gemeindeangestellten drohen die nur ihren Job machen gehören Subito asugeschafft, die haben hier nichts verloren!

Beitrag kommentieren

panchina (07. September 2010, 11:19)
sauerei

ich bin ein erwerbstätiger Jungvater - krampfe von morgens bis abends und habe annähernd nicht so ein schönes Einkommen wie Herr Ademaj! Warum lassen sich Schweizer Behörden immer wieder so auf der Nase rumtanzen!

Dieses Beispiel zeigt ja auch klar, dass Herr Ademaj klar zuviel Freizeit hat!

Jetzt ist Schluss! Liebe Gemeinde Bürgeln - schiebt hier einen Riegel!

Beitrag kommentieren

bide (07. September 2010, 10:53)
Viel zu lange

Viel zu lange hat sich Bürglen an der Nase herum führen lassen. Wenn jetzt endlich ein dicker Schlussstrich gezogen wird, ist das wohl im Sinne der übrigen Gemeindemitglieder. Mit Fr. 6'300.-- von der IV lässt sich sehr gut leben. Wieviele Schweizer haben ein derart hohes Einkommen? Was ich nicht verstehe ist, dass hier keine Zwangsausschaffung möglich sein soll. Solche "Leute" haben in der Schweiz nun wirklich nichts zu suchen!

Beitrag kommentieren

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / apps

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: