Tagblatt Online, 10. März 2009 06:52:00
Zug zum Flug kommt aus Flums
Drei Züge der Skymetro auf dem Flughafen Zürich bekommen neue Kabinen aus Flums. (Bild: Bild: Keystone)
FLUMS. Die drei Züge der unterirdischen Skymetro auf dem Flughafen Zürich bekommen neue Kabinen. Gebaut werden die futuristischen Fahrzeuge in Flums. Schon im Juni sollen sie Passagiere zum Flieger «fliegen».
Reinhold Meier
Die Skymetro hat einen aussergewöhnlichen Antrieb: Der automatische People-Mover, der seit fünf Jahren das Hauptterminal mit dem Dock E verbindet, kombiniert Seilbahn- und Schwebetechnik. Zur Fahrt klinken sich die Züge an eine bewegliche Stahltrosse ein und werden dann binnen 165 Sekunden durch die 1138 Meter langen Tunnelröhren gezogen. Dabei schweben die bisher aus zwei Kabinen für je 112 Personen bestehenden Bahnen auf einem hauchdünnen Luftkissen, von gerade mal 0,2 Millimeter Dicke über dem Boden.
Doch die Skymetro, die pro Stunde 4200 Personen befördern kann, kommt nun an ihre Kapazitätsgrenze. Daher muss pro Zug eine dritte Kabine her. Ausserdem werden die Passagiergruppen künftig danach getrennt, ob sie von ausserhalb oder innerhalb des Schengen-Raumes einreisen.
Dank neuer Kupplung
Die drei neuen Kabinen dafür baut die Flumser Firma Bartholet. «Wir sind für den mechanischen Teil verantwortlich», erklärt CEO Thomas Spiegelberg. Man konstruiert also den Unterbau des Zuges – das Chassis – mit all seinen statischen und dynamischen Elementen inklusive der Luftkissenkompressoren, die die 15 Tonnen schwere Konstruktion einmal sanft schweben lassen.
Der Weiterbau gilt dann als Gemeinschaftswerk. Die elektrischen Installationen führt die Altdorfer Firma Sisag aus, der Kabinen-Aufbau kommt von der Berner Firma Gangloff. «Doch der Zusammenbau erfolgt bei uns», erklärt Spiegelberg und lässt durchblicken, wie reizvoll die Aufgabe ist: «Das ist spannend, denn so etwas haben wir bisher noch nicht gemacht.»
Die Flumser Seilbahnexperten profitieren von einer jüngst bei ihnen neu entwickelten Seilkupplung. «Sie wurde im Dezember erstmals bei unserer Sesselbahn in Val d'Isère eingebaut und hat sich bei der Ski-WM bestens bewährt», legt Spiegelberg dar. Dass sie nun, in einer etwas modifizierten Form, in der Skymetro gleich weitere Verwendung findet, sei ein Grund, stolz zu sein. «Ein Einstieg in den Massenmarkt», heisst es über die neue Kupplung.
Flughafen aufbrechen
Bis April sollen die drei Kabinen fertig sein. «Danach schliessen sich umfangreiche Testreihen an», erläutert Spiegelberg. Dabei stünden Sicherheitsaspekte im Vordergrund, die bei automatischen Beförderungssystemen besonders hoch seien. Streng geprüft würde die Qualität aller Komponenten, denn die Skymetro muss in höchstem Masse verfügbar sein und darf nicht wie ein Cisalpino einfach mal ausfallen.
Ab Juni sollen die Skymetros dann nach Zürich spediert werden. Spektakulär mutet an, wie die Züge schliesslich auf ihr unterirdisches «Gleis» gelangen – dazu wird der Flughafenboden aufgebrochen und die Kabinen werden anschliessend per Kran in die Tunnelröhren gesenkt. Danach verbinden die Ingenieure die neuen Fahrgastzellen mit den alten und schliessen den Stollen darüber wieder.
Alsdann kann die Skymetro dank Flumser Know-how ihrem Namen als «Himmels-U-Bahn» gerecht werden und den Fahrgästen sanft schwebend den Duft der grossen weiten Welt vermitteln.
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