Tagblatt Online, 29. Oktober 2008 01:00:22
Zubringer auf Goldacher Boden
Die Region Rorschach hat sich auf eine Variante für einen Autobahnzubringer geeinigt: Jetzt wird der Kanton St. Gallen beim Bundesamt für Strassen vorstellig. «Wir wagen den Hosenlupf», kündigt Kantonsingenieur Urs Kost an.
CHRISTOPH ZWEILI
GOLDACH. Autobahnanschlüsse werden im Kanton St. Gallen nicht alle Tage gebaut. Wer in Rorschach wohnt, fährt heute in Rheineck oder Mörschwil auf. «Seit Jahrzehnten gibt es daher Pläne für einen direkten Zubringer zur Autobahn. Realisiert wurden sie nie», sagt der Goldacher Gemeindepräsident Thomas Würth.
2001 erhielt die Idee neuen Auftrieb: Die Gemeinden Rorschach, Rorschacherberg und Goldach meldeten den Bedarf für das laufende Strassenbauprogramm an. In Studien wurden Belastungs- und Entlastungsfaktoren untersucht. «Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir noch nie waren», freut sich Würth. «Wir haben uns zusammen mit dem Kanton auf eine Lösung geeinigt, die machbar und zweckmässig ist.» Die etappierbare «Variante Witen» sieht einen 30-Millionen-Zubringer vor, der ab der A1 (ungefähr Rastplatz Sulzberg) einspurig über Goldacher Boden ins Goldacher Industriequartier vorstösst. In umgekehrter Richtung sollen die Lastwagen zweispurig die neun Prozent Neigung hangaufwärts überwinden.
Vor allem Goldach entlastet
Ein Autobahnzubringer «Witen» entlastet vor allem die Gemeinde Goldach – denn, so zeigten Studien: Je näher ein Anschluss am Ortszentrum liegt, desto grösser ist die Entlastung. «Das vor allem auf der Hauptstrasse im Zentrum von Goldach», sagt Thomas Würth. «Hier verkehren derzeit durchschnittlich 10 000 Fahrzeuge pro Tag.» Würth rechnet weiter auch mit weniger Rückstau beim Bahnübergang, der mit S-Bahn- und HGV-Ausbau bis 2013 zusätzlich belastet werde.
Die Stadt Rorschach will sich zusammen mit Rorschacherberg vor allem vom Lastwagenverkehr aus dem Nestlé-Industriegebiet entlasten. «Die Lastwagen sollen künftig ohne grosse Umwege auf die Autobahn geführt werden, ohne das regionale Strassennetz wie bisher zu belasten», sagt Stadtpräsident Thomas Müller.
Südumfahrung vom Tisch
«Wir haben jetzt eine Lösung, hinter der auch der Kanton steht», sagt Würth. «Die Wirkung einer Südumfahrung von Goldach wäre ähnlich wie beim Autobahnzubringer. «Diese Pläne haben wir in der Hinterhand behalten. Jetzt setzen wir aber alle Kraft für den Autobahnanschluss ein.» Der Kanton St. Gallen will jetzt beim Bundesamt für Strassen in Bern vorstellig werden, «um abzuklären, ob wir die Autobahn überhaupt anknabbern dürfen», wie Kantonsingenieur Urs Kost sagt. Heikel ist die Frage der Finanzierung. Der Autobahnanschluss für die Agglomeration Rorschach wäre Sache des Bundes. Doch der Netzbeschluss, der die Verantwortlichkeiten für das übergeordnete Strassen-Grundnetz regelt, ist noch nicht rechtskräftig.
Damit wird Rorschach noch eine Zeit lang mit dem Schwerverkehr in der Innenstadt leben müssen: Erst mit der 115 Millionen Franken teuren Umfahrung des Stadtkerns mit Anschluss an die neue Zufahrt zur Autobahn wäre die Stadt am See nachhaltig entlastet.
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