Tagblatt Online, 08. Oktober 2008 06:36:00
Warteggpark vor der Rettung
Stangenwald vor einem weit ausstrahlendenkulturgut: Immer mehr Rorschacherberger wollen eine Überbauung an deisem Ort verhindern. Bislnag sind Mittelzusagen über 1,7 Mio. Franken eingetroffen. (Bild: Bild: Reto Martin)
RORSCHACHERBERG. Einem schweizweit bedeutenden Ensemble von Park und Schloss mit kaiserlicher Vergangenheit droht die Verschandelung: Ein Teil des Warteggparks in Rorschacherberg soll überbaut werden. Nun sammeln Bevölkerung und Gemeinde Geld.
Thomas Walliser Keel
Jahrzehntelang lagen Park und Schloss Wartegg, wo die Habsburger nach dem Ersten Weltkrieg Zuflucht nahmen und die letzte österreichische Kaiserin Zita auch später zu Besuch kam, in einem Dornröschenschlaf. Dann erwarben 1994 Christoph und Anna Angelika Mijnssen einen Teil des Parks und das Schloss und machten aus dem Anwesen einen kulinarische und kulturelle Hochburg.
Damoklesschwert Überbauung
Dass der übrige Parkteil überbaut wird, hing schon immer wie ein Damoklesschwert über dem Ganzen. In der südwestlichen Ecke, direkt neben der Kapelle, in der zwei Schwestern von Kaiserin Zita begraben liegen, wurde in den 70er-Jahren tatsächlich auch eine Telefonzentrale erstellt, die den Gesamteindruck kaum stört.
Doch seit Ende 2006 ist im westlichen Parkteil eine Grossüberbauung ausgesteckt. Swisscanto, die Anlagestiftung der Kantonalbanken, plant hier 70 Wohnungen. Dagegen hat sich 2007 mit der IG Warteggpark breiter Widerstand formiert (www.warteggpark.org). Rückendeckung erhält die IG von einem Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege: Wartegg habe nationale Bedeutung und sei daher zu erhalten. Schlossbesitzer Mijnssen hält sich zwar in der Öffentlichkeit eher zurück, aber auch er sähe durch die Überbauung die ganze Atmosphäre zerstört. «Das gesamte Ensemble von Schloss und Park nähme es an sich locker mit dem Napoleonmuseum Arenenberg auf. Dieses geniesst aber aufgrund der Beteiligung der öffentlichen Hand eine ganz andere Rückendeckung. Langsam dringt jedoch die Einsicht durch, dass die Region als Ganzes bei einem Erhalt des Warteggparks nur gewinnen kann.»
Meinungsumschwung
Entscheidend ist jedoch, dass inzwischen die Gemeinde Rorschacherberg ebenfalls für die Erhaltung eintritt. Kurz vor seinem Rücktritt Ende Jahr lässt der Gemeindepräsident und langjährige FDP-Kantonsrat Ernst Tobler all seine Beziehungen spielen, um Geld für den Kauf des Areals zu beschaffen und dieses einer Stiftung zu übergeben. Rund fünf Millionen Franken verlangt Swisscanto für ihre aufgelaufenen Kosten.
1,7 Mio. sind beisammen
Knapp zwei Millionen sollen die Rorschacherberger Stimmbürger an einer ausserordentlichen Versammlung im November beisteuern, drei Millionen sind durch Spenden zu beschaffen. Der Zwischenstand seit Sammlungsbeginn im Frühsommer stimmt Ernst Tobler optimistisch: 1,7 Millionen sind beisammen, von Privatpersonen und Stiftungen. Auch vom Lotteriefonds soll noch Geld kommen.
Die Chancen für eine Rettung des Ensembles von Park und Schloss stehen also gut, zumal in einem angrenzenden Teil des Parks, wo auch eine Überbauung projektiert war, nun nach intensiven Verhandlungen und einem Landabtausch nur ein Einfamilienhaus errichtet werden soll.
Wenn die Mittelbeschaffung gelingt, bedeutete dies ein Happy End im langen Hin und Her um den Park. Ernst Tobler: «Wartegg hat mit seinem Hotel, Restaurant und Kulturangebot eine Ausstrahlung bis ans deutsche Ufer. Da wäre mir ein unverbauter Park lieber als vier Blöcke.»
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