Tagblatt Online, 19. Februar 2010 01:01:57
Und so rätselt Rorschach weiter
«Adda Adda» sei ein Wespennest, lautete ein Ratschlag, wir sollten die Finger davon lassen. Mitgemeint die nette Warnung, dass ein Blick auf das ominöse Buch (Ausgabe vom Mittwoch) wohl oder übel Teil des Spiels werden würde. Und prompt tappt der Journalist in die Falle und wird – auf dem Blog «Rorschacher Echo» – spielerisch als Buchautor mitverdächtigt. Was hier offiziell dementiert sei. Ach!
Dementis und Frechheiten
Dementieren tun alle, zuletzt jener, den die meisten als Autor sehen: Jürg Moser (Leserbrief in gestriger Ausgabe). Und so darf Rorschach weiter rätseln, über eine Urheberschaft, die falsche Fährten legt und sich diebisch freut, ein solches Echo ausgelöst zu haben. Es sei «beeindruckend, dass dieses den Rorschacher aufgegebene Rätsel wirklich grosse Beachtung» finde, schrieb uns ein Stadtrat.
«Hätte man eine Marketingfirma beauftragt, eine ähnliche Wirkung zu erzielen, wäre das ein grosses und ziemlich kostspieliges Unterfangen geworden.»
Das mit der diebischen Freude stimmt nicht ganz. Denn die «Adda-Adda»-Autoren erklären uns per Mail, dass sie zwar mit Rätselraten gerechnet hätten, «aber nicht mit diesem Ausmass der Rätselei». Dieses zeige, «dass in Rorschach, und wahrscheinlich nicht nur in Rorschach, wichtiger ist, wer etwas sagt, als was gesagt wird.
» Das Was, das diskutiert höchstens jene Handvoll Leute, die sich bis dato durchs Buch gekämpft hat.
Arroganz und Hinweise
Man kann es bedauern, dass der Inhalt auf der Strecke bleibt; die 5328 Zeilen Buchstabengewitter, in denen stadtbekannte Outsider wie der Altrocker mit Ghettoblaster und die wütende Ex-Kindergärtnerin ebenso auftreten wie die «Insider», allen voran «Stattrat» und «Stattpräsident». Frech wie diese Schreibweise auch manche Fragen wie jene, ob die Stadt im Aufschwung eine Bananenrepublik sei.
Doch wie gesagt scheitert das Was am Wie. Dazu meint die Autorenschaft – via adda- adda@gmx.ch schreibfreudig erreichbar – mit der Arroganz ihrer Anonymität: «Es lag nicht in unserer Absicht, einen leicht konsumierbaren Text zu schreiben. Vielmehr gings um Verfremdung, um die Komplizierung des Wahrnehmungsprozesses.» Hoppla! Immerhin ist da ein leiser Zweifel: «Vielleicht eine falsche Absicht.»
In langen Erklärungen, die unserem Buch beilagen, verstehen die Autoren ihre Anonymität als «Versteckspiel». Vielleicht werde sich die verantwortliche Person, auf deren Identität es im Buchtext «eindeutige Hinweise» gebe, «früher oder später zu ihrer Verantwortung bekennen – insbesondere natürlich, wenn sich ein juristischer Bedarf danach ergibt». Dabei ist auffällig oft von den FHS-Projekten und der «Stadt als Bühne» die Rede. Sei's drum. Wir lassen es damit bewenden. Bis die wahre Autorin auftritt. Marcel Elsener
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