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Tagblatt Online, 20. Dezember 2008 01:00:56

Solidarische Weihnachten für Flüchtlinge in St. Gallen

Das Solidaritätsnetz Ostschweiz organisiert solidarische Weihnachten für Flüchtlinge in einem Haus in St. Gallen. Mit der Aktion sollen die Beziehungen zwischen Schweizern und Ausländern verbessert werden.

Yvonne Bugmann

St. Gallen. Weihnachten soll die Zeit der Liebe und Wärme, der Gemeinschaft und des Zusammenhalts sein. Auch für Flüchtlinge. Deshalb organisiert das Solidaritätsnetz Ostschweiz an der Rosenbergstrasse 53 in St. Gallen unter dem Motto «Solidarische Weihnacht» ein «Refugium» für Flüchtlinge. Eine Woche lang, vom 19. bis 26. Dezember, wohnen, kochen und essen Schweizer und Ausländer zusammen, besuchen gemeinsam Workshops und feiern Parties. Das Haus steht allen Interessierten offen. Gestern morgen war Einzug, am Nachmittag waren die Medien eingeladen.

Protest gegen Asylgesetz

«Wir wollen die Beziehungen zwischen Flüchtlingen, Migranten und Schweizern verbessern», erklärt Maya Leu vom Organisationskomitee. «Ziel der Aktion ist auch, gegen den Vollzug des neuen verschärften Asylgesetzes zu protestieren.» Sie stösst sich insbesondere daran, dass Nothilfebezüger in Zivilschutzanlagen wohnen, tagsüber die Unterkunft verlassen müssen und beispielsweise eine fünfköpfige Familie von 21 Franken pro Tag leben muss. Die «solidarische Weihnacht» soll ein Zeichen setzen «gegen die Kälte in unserem Land», wie es doppeldeutig im Informationsflyer heisst.

Sait Uzun aus Kurdistan plädiert für mehr Menschlichkeit in der Schweizer Asylpolitik. Denn «niemand verlässt seine Heimat ohne Grund», sagt der inzwischen eingebürgerte Mann.

Haus wird abgerissen

Kaum möglich gewesen wäre diese «Lagerwoche» ohne den Einsatz der Hausbewohner. Sie stellen den Flüchtlingen und Helfern nicht nur ihren Keller als Ess- und Aufenthaltsraum zur Verfügung, sondern sie lassen die Asylbewerber in ihren Wohnungen schlafen und stellen ihre Zimmer für Workshops zur Verfügung. Ende Januar müssen die Bewohner ausziehen; das Haus wird abgerissen und muss der Fachhochschule St. Gallen Platz machen. «Auch ich werde vertrieben, rausgeworfen und bin deshalb wie auf der Flucht», erklärt Hausbewohner Martin Beyerle. «Ich öffne meine Wohnung aus Solidarität mit den Menschen, die ihr ganzes Leben auf der Flucht sind.»





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