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Tagblatt Online, 22. Oktober 2009 01:03:28

Schon Kirchtürme provozierten

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In Oberriet wurde der Bau der Lefebvre-Kirche nur bewilligt, wenn im Turm keine Glocken hochgezogen werden. (Bild: Bild: Daniel Ammann)

Wenn Religionsgemeinschaften im öffentlichen Raum ihre Symbole plazieren, löst das nicht selten Streit aus. Nicht erst, seit Moslems bei uns Minarette bauen möchten: Religiöse Vielfalt verursachte schon früher Spannungen und Zwist.

MARKUS ROHNER

Pater Henry Wuillod, Distriktoberer der erzkatholischen Piusbruderschaft, sagt es deutlich: «Fast immer, wenn wir in den letzten Jahren irgendwo eine neue Kirche mit Turm und Glocken bauen wollten, gab es Widerstand.» Zonenpläne und Einsprachen hätten der Bruderschaft das Leben schwer gemacht. So weihten die Lefebvre-Anhänger vor sechs Jahren in Wil ein Gotteshaus ohne Kirchturm ein, und in Oberriet steht neben der Lefebvre-Kirche ein mächtiger Kirchturm ohne Glocken.

Wuillod muss schmunzeln, wenn er erzählt, dass seine Bruderschaft und die Moslems eine Gemeinsamkeit hätten. «Wir beide stehen auf der schwarzen Liste der Bischofskonferenz, die es katholischen Kirchgemeinden untersagt, leerstehende Kirchen und Kapellen an islamische Gemeinschaften und die Piusbruderschaft zu verkaufen.»

Reformierte gegen Katholiken

Auch Reformierten und Katholiken erwuchs früher regelmässig Widerstand. Als die Katholiken in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Zürich, Winterthur und Lausanne ihre ersten Kirchen bauen wollten, löste das in der reformierten Bevölkerung Proteste aus. So musste die 1951 eingeweihte katholische Dreikönigskirche in Zürich-Enge ohne Glockenturm gebaut werden.

Im Thurgau, wo sich Katholiken und Reformierte häufig die Kirchen teilten, gehörten innerchristliche Spannungen zum Alltag. Als die Katholiken von Ermatingen den Chorraum allzu penetrant mit Heiligen- und Marienfiguren schmückten, installierten die Reformierten einen Vorhang.

Kuriose Streitigkeiten

Während es in Bern katholischen Ordensleuten noch im 20.

Jahrhundert untersagt war, den Kanton im Habit zu betreten, durften in der Stadt Basel Katholiken bis 1917 Prozessionen nur innerhalb ihrer Kirche durchführen. Als 1921 in Dornach SO die Anthroposophen um Rudolf Steiner ihr Zentrum bauen wollten, gab es bei reformierten wie katholischen Pfarrherren Widerstand. «So wenig der orientalisch gehaltene Kuppelbau in unsere Gegend passt, so wenig passt die theosophische Geheimlehre zum schweizerischen Denken und Fühlen.

Gesunder Schweizersinn ist gegen die Steinersche, von Berlin importierte Theosophie», warnten die Kritiker. Kurz darauf ging der Kuppelbau in Flammen auf. Als 1883 die Heilsarmee zum ersten Mal in der Schweiz in Erscheinung trat, verwüsteten Bürger deren Räumlichkeiten.

Stapi eröffnete Minarett

Der Widerstand gegen Minarette ist in der Schweiz weniger als fünf Jahre alt. Als 1966 an der Forchstrasse in Zürich das erste, 18 Meter hohe Minarett gebaut wurde, gab es vereinzelt zwar kritische Stimmen, im Vergleich zu heute erregte es die Gemüter, Parteien und Medien jedoch kaum. Der damalige Stadtpräsident, Emil Landolt, pries den Bau als Zeichen der Internationalität und Weltoffenheit seiner Stadt und nahm persönlich an der Einweihungsfeier der Moschee teil.





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