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Tagblatt Online, 05. Mai 2010 01:02:44

Per Job-Inserat auf Präsidentensuche

Noch gibt es in der Schweiz knapp 2600 Gemeinden, aber es werden immer weniger. Zudem ist es selbst in fusionierten Gemeinden schwierig geworden, Behördenmitglieder zu finden. Patentrezepte für dieses Problem gibt es keine.

Markus Rohner

Den meisten Schweizern steht die Gemeinde näher als der Kanton und der Bund. Wenn es auf kommunaler Ebene darum geht, ein neues Polizeireglement zu erlassen, eine Quartierstrasse vom Durchgangsverkehr zu befreien oder ein neues Gemeindeoberhaupt zu wählen, dann gehen an manchen Orten nicht selten die Emotionen hoch.

«Am meisten zu Hause fühlen sich die Schweizer immer noch an ihrem Wohnort», sagte Ulrich König, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbandes, an einer Tagung an der Hochschule für Technik und Wissenschaft (HTW) in Chur.

Aber just diese Gemeinden sind seit ein paar Jahren einem starken Veränderungsprozess unterworfen: Sind zwischen 1850 und 2000 bloss 306 Gemeinden durch Fusionen verschwunden, waren es in den letzten zehn Jahren fast gleich viele, nämlich 303.

Druck von unten und oben

Nach Ansicht von Ursin Fetz, Leiter des Zentrums für Verwaltungsmanagement an der HTW, ist es sowohl der Druck von unten wie von oben – also von Seiten der Bevölkerung wie des Kantons –, der immer mehr Gemeinden fusionieren lässt.

«Dabei ist die Gleichwertigkeit aller Partner wichtig», sagt Fetz. Ziel müsse es sein, dass die neue Gemeinde die wichtigsten kommunalen Aufgaben selbständig erfüllen könne. Aber auch in grösseren Kommunen sei es nicht einfacher, Mitglieder für die Behörden zu finden. Ist der Zusammenschluss einmal über die Bühne, gewöhnen sich die betroffenen Bürger schnell an die neue Gemeinde.

Fetz: «Das Thema Fusion verliert in der Wahrnehmung der Bevölkerung nach der Inkraftsetzung rasch an Bedeutung.»

Fusionen mit Tücken

Auch wenn nicht alle Kantone ihre Gemeindereform so radikal anpacken wie Glarus, wo innerhalb von sechs Jahren aus 76 Körperschaften drei Einheitsgemeinden geschaffen worden sind: Der Weg zu Gemeindezusammenschlüssen ist an vielen Orten mit Unwägbarkeiten und Stolpersteinen gespickt.

Alois Ebneter war während 17 Jahren Gemeindepräsident von Alt St. Johann. Nach dem Zusammenschluss mit Wildhaus schickten ihn die Stimmbürger in die Wüste. «Vielleicht habe ich mich als Gemeindepräsident da und dort zu fest aus dem Fenster gelehnt», sagte Ebneter. Oder er habe zu forsch und zu rasant Projekte in die Wege geleitet, ohne Rücksicht auf alle Bürgerinnen und Bürger zu nehmen.

Für die Gemeindepräsidenten, die sich an der Churer Tagung zu Wort meldeten, waren es nicht in erster Linie pekuniäre Gründe, die sie in dieses Amt geführt haben, sondern die Bereitschaft und das Interesse, der Öffentlichkeit zu dienen. So begeistert Gemeindepräsidenten über ihr Amt berichten, es ist in den letzten Jahren immer anspruchsvoller geworden. «Eine Gemeinde ist wie ein privates Unternehmen zu führen», sagte etwa Markus Feltscher, alt Gemeindepräsident von Felsberg.

Immer mehr Gemeinden suchen ihren neuen Präsidenten denn auch auf dem Inserateweg und mit Hilfe eines Personalbüros. Eine Untersuchung des Soziologischen Instituts der Universität Zürich hat gezeigt, dass es in unserer mobilen Leistungs-, Freizeit- und Familiengesellschaft immer schwieriger wird, geeignete Leute für den Gemeinderat zu gewinnen. «Das ist in der Regel ein Amt mit viel Aufwand und wenig Ertrag, das nur schwer in moderne Lebensläufe passt», führte Soziologe Urs Meuli aus.

Zu wenig attraktiv

Der typische Gemeinderat ist ein gut ausgebildeter verheirateter Mann im gesetzteren Alter, der im Hauptberuf in der Wirtschaft eine leitende Funktion innehat. Um das Amt des Gemeinderates attraktiver zu machen, müssten nach Meuli sein Stellenwert korrigiert werden. «Das Amt sollte nicht als Pflicht, sondern als Chance und Bereicherung und als Teil einer beruflichen Entwicklung genutzt werden.»





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