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Tagblatt Online, 30. Juli 2009 01:04:47

Nachhaltig leben im Kurhaus

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Drei Generationen im Ökodorf: Nach der Schliessung 2001 ist im ehemaligen Kurhaus Sennrüti wieder Leben eingekehrt. (Bild: Bild: Michael Hug)

Das Kurhaus Sennrüti in Degersheim stand seit 2001 leer. Lange wurde nach einer Inspiration für eine Neunutzung gesucht. Nun hat eine Gruppe das Kurhaus gekauft und will darin eine ganzheitliche Lebensgemeinschaft aufbauen.

MICHAEL HUG

Degersheim. Es sind drei Generationen, 30 Erwachsene und 26 Kinder unterschiedlichster Herkunft, Ausbildung, Lebenserfahrung und Alter, die in den vergangenen drei Jahren zusammengefunden haben. Regelmässig hat man sich getroffen, hat Visionen und Ziele besprochen, Machbarkeitsmodelle studiert, neue Mitglieder aufgenommen und aussteigende verabschiedet. Aber vor allem hat man eines gesucht: einen Ort, wo die gemeinsame Vision umgesetzt werden kann.

Mit dem ehemaligen Kurhaus Sennrüti in Degersheim glaubt man nun diesen idealen Ort gefunden zu haben. Die zu diesem Zweck gegründete Genossenschaft «Ökodorf Sennrüti» hat die Liegenschaft mit über 100 Zimmern, Gemeinschafts- und Nebenräumen sowie über einer Hektare Umschwung per 1. Juli dieses Jahres gekauft.

Arbeiten und leben

Bei der Erläuterung von Motivation und Zielen der Gruppe muss ihr Sprecher René Duveen weit ausholen: «Wir wollen nicht nur eine grosse Wohngruppe sein, sondern auch miteinander arbeiten.

Mit dem gemeinsamen Ziel, zukünftig in einer nachhaltigen Lebensgemeinschaft zu leben.»

Die Vision einer ganzheitlichen Dorfgemeinschaft bedeutet für die Gruppe nachhaltige Sozialstrukturen, verbunden durch gemeinsame ökologische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Werte. Ein Basispapier, «Common Ground» genannt, hält diese Ziele fest.

Duveen: «Darin wird beschrieben, wie wir mit der Natur, mit anderen Menschen und mit uns selbst umgehen wollen.» Das Papier sei jedoch keine Gesetzessammlung, sondern ein Entwurf, der bei Bedarf geändert werden könne.

Das Ökodorf, so ihr Sprecher, versteht sich nicht als abgegrenzte, sich selbst versorgende Insel im Dorf: «Wir streben eine dezentrale Wirtschaftsweise an, basierend auf einer Mischung von Selbstversorgung und dem direkten Austausch untereinander und mit der Region.

» Dabei wolle man die Landwirtschaft nicht neu erfinden, da es ja in der Umgebung genug Lebensmittel produzierende Betriebe gebe. Bei der bereits in die Wege geleiteten Renovation der weitläufigen Liegenschaft soll das lokale Gewerbe berücksichtigt werden. Die Reaktionen im Dorf seien durchwegs positiv, meint Andrea Schulthess, deren zwei Kinder seit einigen Wochen eine Schule im Dorf besuchen.

Die Gemeinschaft will das gängige Kommunenklischee nicht bedienen. Familien, Wohngruppen oder Einzelpersonen verfügen über ihren Wohnbereich und damit ihre Intimsphäre, so Duveen. Regelmässig soll in einer grossen Runde über Probleme des Alltags oder Organisationsfragen diskutiert werden.

Spiritualität gefragt

Die Gruppe will noch wachsen: Bis 150 Personen könnte die bauliche Infrastruktur aufnehmen. Die Mitglieder des Ökodorfs gehören keiner bestimmten religiösen Gruppierung an. Spiritualität sei trotzdem ein wichtiger Aspekt des Zusammenlebens. In den Zielformulierungen heisst es nämlich: «Wir streben eine bewusste, beseelte Lebenshaltung an, indem wir Spiritualität in den Alltag integrieren.»





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