Tagblatt Online, 10. September 2009 01:03:35
Mehr Piste am Flumserberg
Der Bund heisst die Ausdehnung des grössten Wintersportgebiets im Kanton St. Gallen gut. Das Skigebiet Flumserberg kann gegen Süden in das Gebiet der Alp Panüöl erweitert werden.
CHRISTOPH ZWEILI
FLUMS. Mit dem Ausbau des Pistenangebots auf über 1800 Meter über Meer in die neue Geländekammer will die Bergbahnen Flumserberg AG die Marktposition erhalten und den drohenden Pistenverlust durch das Ansteigen der Schneefallgrenze kompensieren. Das eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek)hat jetzt die ausserordentliche Richtplananpassung genehmigt, wie die St. Galler Regierung am Mittwoch meldete.
Richtplanänderung nötig
Die geplante Neuerschliessung – die einzige im Rahmen des Tourismuskonzepts 2004 im Kanton St. Gallen – betrifft ein landschaftlich wertvolles Gebiet mit einer vielfältigen Tierwelt, im bisherigen Richtplan als Lebensraum-Kerngebiet ausgeschieden. Eine Erweiterung des Skigebiets ist also nur über eine Richtplanänderung zu erreichen.
Die St. Galler Regierung gab im Herbst 2008 grünes Licht für diese Richtplanänderung für zusätzliche Skipisten, sie hielt eine Freigabe des Gebiets für vertretbar, weil das Gebiet bereits heute durch Abfahrten, Winterwanderweg, Langlaufloipe und den Betrieb des Bergrestaurants stark belastet ist. Die Grünen im Kanton wehrten sich: Wegen der Klimaerwärmung in unberührte Gebiete vorzustossen, sei problematisch, kritisierten sie. Auch Pro Natura St. Gallen-Appenzell, WWF St. Gallen und BirdLife St.
Gallen stimmten der technischen Erschliessung des Gebiets Panüöl nur mit Vorbehalten zu.
Natur- und Landschaftsschutzanliegen standen daher bei der Vernehmlassung des Baudepartements zur Richtplananpassung im November 2008 im Vordergrund. Das Bundesamt für Raumplanung gab vor, dass Terrainanpassungen für neue Skipisten auf der Alp Panüöl auf ein Minimum beschränkt werden.
«Der revidierte Richtplan sieht nun eine Kompensation des Schutzgebiets auf der rechtsseitigen Flanke des Schilstals vor, um Auer- und Birkhühner zu schützen», sagt Willi Hangartner vom Amt für Raumentwicklung.
«Skigebiet nicht zu retten»
Pro Natura beurteilt die Erweiterung des Skigebiets als «nach wie vor nicht nachhaltig». Die wirtschaftlichen Vorteile seien «sehr gering». Zudem sei die Klimaerwärmung nicht genügend berücksichtigt worden: «Langfristig kann das Skigebiet auch mit dieser Erweiterung nicht gerettet werden», sagt Geschäftsführer Christian Meienberger.
«Dann dürfte die Region noch mehr vom Sommertourismus abhängig sein.» Die verbaute Landschaft werde dann ein grosses Hindernis bei der Vermarktung der Region sein. «Leider beurteilen der St. Galler Regierungsrat und der Bund die Fakten anders als die Umweltverbände.»
Seebenanlage als Rückbringer
Mit dem Bau einer Sechser-Sesselbahn Seeben für 7,2 Mio. Franken verdreifacht die Bergbahnen Flumserberg AG die Förderleistung des letzten Schlepplifts im Kerngebiet. Der Anlage, die im November in Betrieb gehen soll, kommt im Zusammenhang mit den Ausbauplänen im Raum Panüöl eine wichtige Funktion als Rückbringer zu.
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