Tagblatt Online, 09. November 2009 01:03:10
Kostbares Gut vom Bodensee
Am Ufer des Bodensees aufschlagende Welle. (Bild: Bild: Urs Bosshard)
Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee hat in St. Gallen ihr 50-Jahr-Jubiläum gefeiert. Und dabei das neue Buch «Der Bodensee – Ein Naturraum im Wandel» vorgestellt.
claudia schmid
St. gallen. Das Bodenseewasser ist ein kostbares Gut: Es versorgt bis zu fünf Millionen Menschen mit sauberem Trinkwasser. Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) setzt sich seit 50 Jahren dafür ein, dass zum Bodenseewasser Sorge getragen wird. Ihr Jubiläum hat die Kommission mit einem Festakt in der Stiftsbibliothek gefeiert.
Herzblut investiert
Der St. Galler Regierungsrat Willi Haag erinnerte in seiner Begrüssung daran, dass die konstituierende Sitzung vom 5. November 1959 ebenfalls in den Räumen der Stiftsbibliothek stattgefunden hatte. In den letzten fünf Jahrzehnten hätten die Kommissionsmitglieder viel Herzblut, Zeit und Energie für die Belange des Bodensees eingesetzt und damit für das Naherholungsgebiet einen nachhaltigen Schutz von existenzieller Bedeutung geschaffen.
«In den 50er- und 60er-Jahren hat sich die Wasserqualität rapide verschlechtert. Durch die internationale Zusammenarbeit konnte noch Schlimmeres im letzten Moment gestoppt werden», betonte der Regierungsrat. Heute könnten sich die Anrainerstaaten über ein gesundes Ökosystem freuen. Angesichts der Tatsache, dass fast die Hälfte des Seeufers noch immer stark bis sehr stark verbaut sei, bleibe für die Kommission auch in den kommenden Jahren noch viel zu tun.
Die Internationale Gewässerschutzkommission hat denn auch ein umfangreiches Aktionsprogramm zur Renaturierung verbauter Ufer ins Leben gerufen.
Wasser als Leihgabe
Ministerialdirektor Bernhard Bauer aus Baden-Württemberg stellte das neue Buch «Der Bodensee – Ein Naturraum im Wandel» vor. Es dokumentiert den Bodensee als Trinkwasserspeicher, als Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen und als Attraktion für Freizeitsportler und Touristen. Es ist im Thorbecke-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich.
«Die Arbeit in der Kommission ist wohl so konstruktiv und reibungslos verlaufen, weil sich die Anrainerstaaten stets bewusst waren, dass auf dem Bodensee keine Grenzen existieren», betonte Bauer. Aus der ganzen Welt interessierten sich Fachleute für die Erfahrungen der IGKB, um diese im eigenen Land erfolgreich für den Gewässerschutz einzubringen.
Nach Grussworten des Thurgauer Regierungsrats Jakob Stark, des Vorarlberger Landesrats Karlheinz Rüdisser und der Staatssekretärin Melanie Huml aus Bayern sprach Bischof Markus Büchel zum Thema «Wasser – uns anvertrautes Schöpfungsgut». In der Bibel und im christlichen Gedankengut habe das Wasser einen hohen Stellenwert. Heutzutage sei das Element aber entmythologisiert, oft werde es nur noch als Ware betrachtet. Der St. Galler Bischof rief dazu auf, das Wasser wieder vermehrt als Leihgabe des Schöpfers zu betrachten. In seinem Schlusswort dankte Stephan Müller vom Bundesamt für Umwelt in Bern der Kommission und allen Seeanrainergemeinden für ihren Einsatz. Gesetze für den Umweltschutz zu erlassen, sei das eine, sie umzusetzen, geschehe aber vor Ort.
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