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Tagblatt Online, 11. September 2008 01:00:22

Flugplatz gab den Ausschlag

Die Würth-Gruppe investiert gross in Rorschach – auch St. Gallen stand zur Auswahl

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Endlich tut sich etwas: Mit der Ansiedlung von Würth hofft Stadtpräsident Thomas Müller (stehend) auf einen Entwicklungsschub. Vor ihm Michel Kern (l.), CEO von Würth International in Chur, und der kantonale Standortpromoter Beat Ulrich, der den ganzen Prozess angestossen hat. (Bild: Bild: Hannes Thalmann)

RORSCHACH. Warum gerade Rorschach? Die Ansiedlung von Würth ist ein Musterbeispiel dafür, wie Behörden und Private mit dem Trumpf «lebenswerte Bodenseeregion» im Rücken Erfolg haben können.

Thomas Walliser Keel

Standortmarketing machen alle. Steuergünstigere Kantone und Gemeinden gibt es zuhauf. Trotzdem fiel die Wahl der Verantwortlichen auf Rorschach. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Eines der Hauptargumente war die schöne Lage am See. Die Firma kann zwar ihr Verwaltungs- und Ausbildungszentrum nicht direkt an den See bauen, damit die Spaziergänger weiterhin vorbeiflanieren können. Aber ein Arbeitsplatz und Weiterbildungsort mit derartiger Seesicht ist attraktiv. Entsprechend wurden andere Standorte von Würth Schweiz wie Arlesheim bei Basel, Zürich und Chur zwar angeschaut, die Lage aber als nirgends so ideal wie in Rorschach eingestuft.

Steuererleichterungen

Dazu trug bei, dass das derzeit grossenteils brachliegende Areal hervorragend erschlossen ist: Der Bahnhof liegt gleich gegenüber, der Autobahnanschluss und der Flugplatz Altenrhein sind keine zehn Autominuten entfernt. «Ein Flugplatz in der Nähe war für uns Pflicht», sagte gestern Michel Kern, CEO Würth International mit Sitz in Chur, an einer Pressekonferenz in Rorschach.

Er erwähnte auch die sehr guten Rahmenbedingungen von Stadt und Kanton. «Steuerliche Überlegungen stehen aber nicht an erster Stelle», betonte Michel Kern. Trotzdem nutzte der Kanton St. Gallen bis zu einem gewissen Grad den Spielraum, den das eidgenössische Steuerharmonisierungsgesetz den einzelnen Kantonen lässt, beispielsweise steuerliche Erleichterungen, maximal zehn Jahre lang. Zu den konkreten Abmachungen in diesem Fall wollte sich der St. Galler Volkswirtschaftsdirektor Josef Keller nicht äussern.

Ein weiterer Trumpf war das grosse Rekrutierungsgebiet am Bodensee für die 250 bis 500 Mitarbeitenden.

Ein weicher Faktor dürfte die emotionale Verbundenheit der Besitzerfamilie mit der Region gewesen sein: Firmenpatron und Selfmademan Reinhold Würth fährt seit 40 Jahren nach Davos zum Skifahren, der Bodensee liegt da am Weg. Zudem ist seine Tochter Bettina, gemäss «Bilanz» die reichste Ostschweizerin, durch Heirat zur Appenzellerin geworden.

Vier St. Galler Standorte zur Wahl

All dies trug dazu bei, Würth nach Rorschach zu holen. Die ersten Kontakte hatte die kantonale Wirtschaftsförderung Anfang 2007 geknüpft. Der Leiter der Standortpromotion, Beat Ulrich, sprach die Firma auf ihr ständiges Wachstum an, das wohl nach neuen Standorten verlange. Kurze Zeit später legte er Würth vier Varianten vor, die in akzeptabler Distanz eines Flughafens liegen: zwei Standorte im Westen und Osten der Stadt St. Gallen, einer in St. Margrethen und jener in Rorschach.

Dort wird nun wohl nicht alles aufs Mal gebaut, wie Michel Kern erklärte. Die Zahl von 500 Mitarbeitern soll in etwa 15 Jahren erreicht sein, wenn sich weitere Dienstleistungsbereiche angesiedelt haben werden.

Auch Konzernsitz?

Ob sogar der Hauptsitz von Künzelsau bei Stuttgart nach Rorschach verlegt werden wird, wie gemunkelt worden war, wollte Michel Kern nicht kommentieren: «Ich kann nur für Würth Schweiz reden.» Ein Umzug hätte für die Firmenbesitzer einerseits grosse steuerliche Vorteile, andererseits ist Reinhold Würth mit Künzelsau verbunden, und ein Wegzug würde in Deutschland grossen Wirbel verursachen, umso mehr, als Würth vergangenen Mai in einem Steuerverfahren eine Geldstrafe in Millionenhöhe akzeptieren musste.

Endlich neue Arbeitsplätze

Aber bereits eine Investition in diesem Ausmass bedeutet für das lange Jahre gebeutelte Rorschach einen Riesenschritt. Endlich kann der Stadtrat unter Thomas Müller das 2003 erneuerte Ziel erreichen: hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen.





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