Eklat in der SVA?, 11. November 2009 16:31:40
Erneuter Eklat bei der Sozialversicherungsanstalt?
Eklat in der SVA?
Nach nur fünf Monaten als Mitglied der Geschäftsleitung der Sozialversicherungsanstalt St.Gallen ist Ursula Uttinger im gegenseitigen Einvernehmen wieder ausgeschieden.
(Bild: Archivbild: Ralph Ribi)
ST.GALLEN. Die Leiterin der IV-Stelle bei der St.Galler Sozialversicherungsanstalt (SVA) hat nach nur fünf Monaten ihren Dienst quittiert. Damit gehen die Unruhen in der SVA in die nächste Runde.
UMBERTO W. FERRARI
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St.Gallen kommt nicht zur Ruhe. Im Frühherbst dieses Jahres wurden Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen den Direktor der SVA, Linus Dermont, erhoben. Vom Verdacht «der ungetreuer Geschäftsführung» sprach gar die SP-Fraktion in einer Medienmitteilung im September dieses Jahres. Die St.Galler Regierung eröffnete in der Folge ein Disziplinarverfahren gegen den SVA-Direktor. Es ist noch nicht abgeschlossen.
Und jetzt wird bekannt, dass Ursula Uttinger, die Leiterin der IV-Stelle mit rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Mitglied der Geschäftsleitung, nach nicht einmal fünf Monaten im Amt ihren Posten wieder verlassen hat, ohne Angabe von weiteren Gründen.
«Im gegenseitigen Einvernehmen»
Die SVA hat den Abgang ihres Geschäftsleitungsmitglieds Uttinger bisher nicht aktiv kommuniziert. Nur eine Änderung im Organigramm auf der Homepage der SVA macht den Weggang von Ursula Uttinger deutlich. Das Kästchen «IV-Stelle» ist nicht mehr mit ihrem Namen, sondern mit demjenigen von Michael Rimle gefüllt. Rimle leitet diese Abteilung demnach interimistisch.
Auf Anfrage wollte der in die Kritik geratene Direktor der SVA, Linus Dermont, keine direkte Stellung nehmen, Fragen liess er nicht zu. Durch seinen Pressesprecher, der gleichzeitig der Sohn seiner Lebenspartnerin ist, liess er per Mail folgendes ausrichten: «Die SVA St.Gallen und die Leiterin der IV-Stelle, Ursula Uttinger, haben das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst. Es wurde vereinbart, keine weiter gehenden Stellungnahmen abzugeben. Interimistisch wird die IV-Stelle ab sofort vom bisherigen stellvertretenden Leiter, Michael Rimle, geführt.»
Mauer des Schweigens
Keine zusätzlichen Angaben wollte die Präsidentin der Verwaltungskommission der SVA, die St.Galler Regierungsrätin Kathrin Hilber machen: «Nach dem Ablauf der Probezeit hat man sich im gegenseitigen Einvernehmen getrennt.» Vertraglich und anwaltlich sei abgemacht worden, darüber hinaus nichts über die Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu sagen.
Dennoch erstaunt, dass Uttinger nach so kurzer Zeit das Handtuch geschmissen hat oder entlassen worden ist. Noch jetzt nämlich lobt die SVA auf ihrer Homepage (
www.svasg.ch) die ehemalige Leiterin der IV-Stelle, Ursula Uttinger, in den höchsten Tönen: «Mit der 42-jährigen Ursula Uttinger konnte die SVA St.Gallen eine neue Leiterin der IV-Stelle gewinnen, die dem umfangreichen Anforderungsprofil in jeder Hinsicht entspricht.»
SVA löschte Web-Seite
Kurz nach dem Erscheinen dieses Textes hat die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St.Gallen (SVA) auf ihrer Homepage den Link zur Medienmitteilung gelöscht. Das Dokument finden Sie als PDF hier. (uwf.)
Auch Uttinger schweigt
Das ehemalige SVA-Geschäftsleitungsmitglied Ursula Uttinger selbst hält sich auf Anraten ihres Anwalts mit Äusserungen ebenfalls zurück. Weder der Kanton noch sie selber verraten etwas zu den Kündigungsgründen und Abgangsmodalitäten. Somit ist also beispielsweise nicht bekannt, ob es allenfalls die von Politik und Öffentlichkeit gegen den SVA-Chef erhobenen Vorwürfe waren, die den Ausschlag für Uttingers Weggang gegeben oder mindestens beschleunigt haben.
Uttinger war Hauptmann bei der Kapo
An den fachlichen Qualifikationen von Ursula Uttinger kann es wohl kaum gelegen haben, denn sie war den Verantwortlichen beim Kanton bestens bekannt. Sie war nämlich vor ihrem Wechsel zur SVA während zweier Jahre die Chefin der Stabsdienste bei der Kantonspolizei St.Gallen im Range eines Polizei-Hauptmanns.
Kommentare lesen
Freidenkender (16. November 2009, 15:25)
Saustall zum ausmisten?
Diese Sozialversicherungs-Anstalt scheint ja ein richtiger Saustall zu sein. Meistens stinkt der Fisch vom Kopf her. Eine höchst betrübliche Rolle spielt auch die dem Amt vorgesetzte Sozi-Regierungsrätin Hilber, die sich immer in vornehmes Schweigen hüllt, wenn in ihrem Bereich Sauställe auszumisten sind.
Beitrag kommentiereninfomagazin (13. November 2009, 00:06)
Schweigen im Walde
Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Nicht einmal ein Kommentator oder eine Partei hat Stellung zu den Vorfällen genommen. Darf man uns schon alles verkaufen, ohne dass wir nachfragen. Ich finde es persönlcih schade, wenn Recht zweierlei Wege kennt und niemand stört sich daran. Die beitragszahlenden Kunden und zeitweilige IV-Bittsteller der SVA hätten einen Anspruch auf Informationen. Genau mit der selben Konsequenz, wie man es von Ihnen verlangt. Nicht mehr und nicht weniger. Gleichheit darf nicht vor dem Kader und der Politik Halt machen.
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