Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 30. April 2009 01:03:37

Diplome für Imame

Zoom

Wer in einer Moschee in der Schweiz predigt, soll auch die anderen hier vertretenen Religionen kennen. (Bild: Bild: ky/Martial Trezzini)

Der Kanton St. Gallen hat ein Nachdiplomstudium angestossen, das im September startet. Das Angebot fördert den interreligiösen Dialog. Moslem-Vertreter Hisham Maizar ruft die Imame in der Schweiz auf, den Lehrgang zu belegen.

Diana Bula

In Wil erteilt Imam Bekim Alimi moslemischen Kindern islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen. Von Beginn weg stand diese Beschulung in der Kritik. Klaus Rüdiger (SVP), Mitglied des Wiler Stadtparlaments, zweifelte an der Ausbildung der Imame und erkundigte sich vor rund zwei Jahren in einer Interpellation danach. 2004 hatten bereits Vertreter der Bischofskonferenz und des evangelischen Kirchenbundes vorgeschlagen, die Vorbeter der Schweizer Moscheen an hiesigen Universitäten ausbilden zu lassen.

Vorbeter sollen teilnehmen

Geht es nach Hisham Maizar, Präsident des Dachverbandes Islamischer Gemeinden der Ostschweiz und des Fürstentums Liechtenstein (Digo), drücken die Imame in der Schweiz schon bald die Schulbank. Ab September bietet die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur einen neuen Kurs an: ein Nachdiplomstudium mit dem Titel «Religiöse Begleitung im interkulturellen Kontext». «Alle Imame, die in der Schweiz arbeiten, müssen sich mit den Sitten dieses Landes vertraut machen.

Der Lehrgang hilft ihnen dabei», sagt Hisham Maizar und fordert die Imame auf, sich anzumelden.

Der Kanton St. Gallen, die beiden Landeskirchen und der Digo haben das neue Angebot in den vergangenen vier Jahren erarbeitet. Beteiligt war auch der runde Tisch der Religionen mit Hinduisten, Buddhisten sowie Vertretern anderer Glaubensrichtungen. 15 Plätze stehen im ersten Lehrgang zur Verfügung. Religiöse Betreuungspersonen aller Glaubensgemeinschaften können sich bis 15. August anmelden.

Bevor sie zugelassen werden, müssen sie ein Aufnahmegespräch bestehen. Nötig sind gemäss Beda Meier, Integrationsbeauftragter des Kantons St. Gallen, eine akademische Vorbildung und Berufserfahrung. Die Teilnehmer des Kurses erhalten Einblick ins Christentum, in andere Glaubensrichtungen und erkennen die Unterschiede. Wer zuletzt das Zertifikat in Händen hält, kann sich als interkulturell qualifizierter Glaubensbeistand ausweisen, teilt die Hochschule in einem Communiqué mit.

Kurs bald Pflicht?

Der Schweizer Theologie-Nachwuchs reicht laut Beda Meier nicht aus, um die vakanten Pfarrstellen im Land zu besetzen. Immer häufiger predigten Deutsche, Afrikaner und Leute aus anderen Nationen. «Wir haben den Lehrgang zusammengestellt, damit diese Menschen besser für ihre Aufgabe gerüstet sind. Der Kurs kommt aber auch Imamen zugute», betont Meier. Er rechnet damit, dass Christen und Moslems im ersten Kurs etwa je die Hälfte ausmachen werden.

Ausländische religiöse Betreuungspersonen müssen in der Schweiz eine Integrationsvereinbarung unterzeichnen. Diese besagt, dass sie die deutsche Sprache beherrschen und – falls nötig – einen Staatsbürgerkurs besuchen müssen, um die gängigen Bräuche kennenzulernen. «St. Gallen prüft zurzeit, ob wir zudem eine berufsspezifische Weiterbildung wie das Nachdiplomstudium in der Vereinbarung verankern können», sagt Beda Meier. Andere Kantone seien aber noch nicht so weit.





Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / ipad

iPad und E-Paper

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: