Tagblatt Online, 08. April 2010 01:04:59
Choreographien abgefackelt
Es brennt und raucht im Espenblock - und nun zieht der Club die Konsequenzen. (Bild: Bild: Reto Martin)
ST.GALLEN. In der AFG Arena sind ab sofort Choreographien nicht mehr erlaubt. Mit diesem Verbot reagiert der FC St.Gallen auf das jüngste Fehlverhalten seiner Anhänger. «Es ist ein Schuss vor den Bug», sagt Verwaltungsratspräsident Michael Hüppi.
Markus Scherrer
«Der Verwaltungsrat der FC St.Gallen AG lässt sich nicht alles bieten», sagt Michael Hüppi, der dem Gremium vorsteht. Die Vorfälle anlässlich des Cup-Halbfinalspiels vom Ostermontag zwischen St. Gallen und Lausanne-Sport haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Neben vier Feuerzeugen flog auch ein neun Zentimeter langes Sackmesser aus dem Espenblock auf den Platz. Zudem wurden während der Partie Rauchbomben und Fackeln gezündet.
All das ist fein säuberlich im Sicherheitsbericht des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) aufgelistet, in dessen Besitz Hüppi seit gestern ist. Dass jetzt auch noch Messer fliegen, sei «einfach eine Katastrophe», sagt er.
Bussen von 80 000 Franken
Wegen des jüngsten Fehlverhaltens seiner Anhänger wird der Club einmal mehr vom SFV gebüsst werden.
«In dieser Saison mussten wir schon 80 000 Franken wegen Fackeln und anderer Fan-Verfehlungen bezahlen», sagt Hüppi und fügt an: «Allein die 45 Fackeln in Bellinzona kosteten uns 7500 Franken.» Nach den Vorfällen vom Ostermontag wollen die Clubverantwortlichen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. «Sich nun wieder mit den Verantwortlichen des Fan-Dachverbandes an einen Tisch zu setzen und zu sagen, es sei nicht gut gewesen, was vorgefallen ist, bringt nichts mehr.»
Deshalb hat der Verwaltungsrat an seiner gestrigen Sitzung Entscheide gefällt, die Hüppi als «einen Schuss vor den Bug» bezeichnet. Ab sofort und bis auf weiteres sind Choreographien in der AFG Arena nicht mehr erlaubt. «Wir haben festgestellt, dass jeweils im Zeitraum, in dem die Choreographien installiert wurden, auch Pyros hineingeschmuggelt und Fackeln in Behältern versteckt wurden», sagt der Verwaltungsratspräsident. Aus diesem Grund sei nun das Verbot ausgesprochen worden.
«Wir sagen, was abgeht»
Während des Cup-Halbfinalspiels wurde auch der Schiedsrichter mit Sprechchören übel beschimpft. Auch dies sind die Verantwortlichen nicht zu akzeptieren gewillt. Es gehe nicht an, sagt Hüppi, den Referee zu diffamieren. «Wenn das in Zukunft erneut vorkommen sollte, behalten wir uns vor, die Lautsprecheranlage im Espenblock wieder zu entfernen, das Megaphon zu verbieten und den Capo mit einem Stadionverbot zu belegen», sagt der Verwaltungsratspräsident.
Aus Hüppis Sicht haben «die sogenannten Fans übermarcht». Mit dem Entscheid, Choreographien zu verbieten, und der Androhung weiterer Konsequenzen will der Verwaltungsrat dokumentieren, «dass wir sagen, was in der AFG Arena abgeht», so Hüppi. Dennoch will er die regelmässig stattfindenden Gespräche mit den Vertretern des Dachverbandes fortsetzen.
-
Weitere Artikel zu diesem Thema:
- Artikel empfehlen:






Kommentare lesen
rw (10. April 2010, 00:11)
Durchgreiffen...
ist das einzig Richtige.
Beitrag kommentierenWarum wohl hat der DV1879 kaum hat er vom Ausschluss gewusst sofort dagegen gewettert und die Schuld bei anderen gesucht? Reagiert so ein Unschuldiger? Sicher nicht.
Der DV weiss genau wer sich falsch verhält. deckt aber diese Leute noch.
Boykottandrohung der Fans? Sollen sie doch fernbleiben. Auf diese Fans ist der FCSG sowieso nicht angewiesen. Die Kosten den Klub ein mehrfaches als sie einbringen.
Wenigstens hätten dann die anderen 18000 endlich Ihre Ruhe und können in Frieden mit Ihren Kindern ein Fussballspiel geniessen.
PGM (08. April 2010, 11:15)
Espenblock
Sehr Schade für den FCSG, das es nicht geklappt hat mit dem Cupfinal.
Beitrag kommentierenFür unseren Espenblock aber bin ich froh, das es nicht gereicht hat.
Aus dem Grund, das doch etliche Fans aus dem Espenblock schlichtweg noch nicht Erwachsen genug und bereit sind sind für Finalspiele und daraus resultierende Europacupspiele.
Herr Hüppi greiffen sie nur durch. wälzen sie die Bussen auf die unrümlichen Fans ab.
Hopp St. Gallen
gyrox (08. April 2010, 08:40)
Schuss nach hinten...
Wenn da der Schuss nur nicht nach hinten losgeht Herr Hüppi! Wird wohl zu einer Trotzreaktion des Espenblocks führen am Sonntag mit einer dementsprechenden hohen und rekordverdächtigen Busse???
Beitrag kommentierenHoffen wir's mal nicht, aber an den Kommentaren in den verschiedenen Foren ist das leider zu befürchten.
espelix (08. April 2010, 08:33)
Mutloser Präsident
Mannschaft und Trainer des FCSG haben das Ausscheiden im Cup-Halbfinale zu verantworten, nicht die Fans. Dadurch sind dem FCSG, gemäss eigenen Aussagen von Präsident Hüppi, rund 0.5 Mio. Franken an Einnahmen entgangen! Der FCSG schafft es, trotz dritthöchstem Zuschauerschnitt der Liga (rund 14'500 Zuschauer pro Match), eines der kleinsten Budgets vorzuweisen. Betriebs-AG sei Dank. Da sind die zweifellos ärgerlichen Bussen wegen der Fans geradezu Peanuts dagegen. Herr Hüppi, räumen Sie lieber einmal im eigenen Boot auf, bevor Sie mutlos Schläge ins Wasser produzieren!
Beitrag kommentierengallus (08. April 2010, 00:09)
nicht so!!
war übrigens der Capo, der die Fans energisch aufforderte sich zusammenzunehmen als es mit dem werfen von Gegenständen losging...hier blindlings auf Choreos und Capo einzuhauen Zeugt von absoluter Kurzsichtigkeit...da können einige Verantwortliche wohl definitiv nicht verdauen dass sie ihren Ehrengästen fürs Cupfinal die Einladung stornieren müssen...zur Niederlage stehen und vorwärts schauen, aber nicht so, bitteschön....
Beitrag kommentierendas wird noch ausarten...
exilsanktgaller (08. April 2010, 00:02)
schnitt ins eigene fleisch
man wird ja sehen, ob di fans nun nicht mehr in der lage sind, pyro ins stadion zu schmuggeln. die eingangskontrollen kommen eher einer streicheleinheit nahe und die pyroidioten kriegen das schon hin. es ist leider so, dass viele personen die choreos organisieren und durchziehen hinter pyros stehen, aber durch das choreoverbot verliert das spiel einen grossen teil seiner farbenprächtigkeit. auch wenn man den capo verbannt, wird der schiedsrichter diffamiert, wie vor dem aufkommen der ultra-bewegung zu espenmoszeiten (aber mal ehrlich, das gehörte schon immer dazu...). letztlich wird auf jeden fall die organisierte, positive stimmung abebben.
Beitrag kommentierenavathyl (07. April 2010, 20:11)
Was soll das?
Intelligent in der jetzigen Situation einen Kleinkrieg mit den Fans anzuzetteln. Hier gibts nur Verlierer, Herr Hüppi.
Beitrag kommentierenKommentar schreiben