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Tagblatt Online, 08. März 2010 01:05:15

Bunte Ausgeburten

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Experimentelle Illustrationen: Veronika Brusa.

Comics Das neue Taschenbuch des Ostschweizer Comic-Fördervereins Sequenz ist eine selbstironisch betitelte «Ostgeburt der Hölle».

Roger Berhalter

Schon der Buchdeckel ist ein Verstoss gegen alle grafischen Regeln. Blaue Schrift auf schwarzem Hintergrund. Einem Werbekunden würde der St. Galler Grafiker Sascha Tittmann eine so schwer lesbare Farbkombination kaum vorschlagen. Als Präsident des Vereins Sequenz aber darf er experimentieren, und das hat er für sein neustes Comic-Taschenbuch erneut getan. Ein «Spielplatz» sei es, wie auch schon die fünf Vorgängermagazine. Und wie früher betont man erneut die Herkunft der Zeichnungen. Das Sequenz-Magazin Nummer 6 heisst «Ostgeburt der Hölle».

In einem Monat entstanden

Das selbstironisch betitelte Buch begleitet eine gleichnamige Ausstellung in der Alten Kaserne in Winterthur. Das dortige Bistro gilt als wichtiger – wenn auch winziger – Ausstellungsraum für das Schweizer Comic-Schaffen. Auch mehrere von Sequenz entdeckte Zeichner waren schon vertreten. Jetzt zeigt sich der Verein erstmals als ganzes und stellt ab morgen Illustrationen von 14 Zeichnerinnen und Zeichnern aus.

«Zuerst überlegten wir uns, eine Werkschau zu machen», sagt Sascha Tittmann. Schliesslich hätte der Sequenz-Fundus auch für zehn Ausstellungen noch genug Material hergegeben. Doch ein reiner Rückblick schien Tittmann und seiner Mitinitiantin Anna Furrer zu einfach. Stattdessen wählten sie aus ihrer Sicht spannende Illustratoren aus und baten diese, für das Taschenbuch und die Ausstellung innerhalb eines Monats je sechs Comic-Seiten zu gestalten.

Waren die bisherigen Sequenz-Magazine eine Plattform für alle (siehe Kasten), gab es für die «Ostgeburt der Hölle» ausnahmsweise keine Ausschreibung, und das Büchlein wird auch nicht mehr tausendfach gratis aufliegen, sondern nur 500mal gedruckt und für zehn Franken verkauft. Eine «wertvolle Spezialausgabe» soll es sein, sagt Tittmann, der zur Finanzierung des teureren Druckverfahrens die Vereinskasse geplündert hat.

Es grüsst der heilige Gallus

Das neue Sequenz-Werk versammelt wie schon die Vorgänger Beiträge unterschiedlichster Art. Es finden sich zum Beispiel abstrakte Punkt-Comics des Flawiler Grafikers Ray Hegelbach, eine Bildergeschichte des Kreuzlinger Primarlehrers Beni Merk und experimentelle Illustrationen der St. Galler Designerin Veronika Brusa.

Anna Furrer hat das Buch gestaltet und die «Ostgeburt» ins Bild gesetzt – als höllische Missgeburten voller Anspielungen, nicht nur auf den heiligen Gallus.

Comics auf dem Klo

Für die Winterthurer Ausstellung haben Tittmann und Furrer im Brockenhaus alte Bilderrahmen gekauft. «Wir gestalten den Raum als impressionistischen Salon», sagt Furrer. Neben dem neuen liegen auch die alten Magazine auf, vier Monitore spielen pausenlos Trickfilme ab. Und weil die Ausstellungsfläche so begrenzt ist, wird es selbst im Klo noch Comics zu sehen geben.

«Sequenz zeigt – Ostgeburt der Hölle», Vernissage morgen Dienstag, 19.00, Alte Kaserne, Winterthur; www.sequenz.net



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