Tagblatt Online, 13. März 2010 01:01:09
Bahn-Arbeitsplätze gehen nach Zürich
Der SBB-Verwaltungsrat genehmigt die S-Bahn St. Gallen 2013. Gleichzeitig werden 65 SBB-Angestellte in die neue Betriebszentrale am Flughafen Zürich verlagert. Der St. Galler Regierungspräsident Josef Keller ist «not amused».
CHRISTOPH ZWEILI
Am Donnerstag hat der SBB-Verwaltungsrat das Konzept S-Bahn St. Gallen 2013 genehmigt, das von verschiedenen Investitionen in nationale und regionale Grossprojekte profitiert. Gestern wurde der Entscheid kommuniziert. Am «Quantensprung für den Regionalverkehr» sind der Kanton St. Gallen, die SBB, die Südostbahn (SOB) und die SBB-Tochter Thurbo beteiligt. Die S-Bahn umfasst die Einführung neuer wie auch die Verlängerung und Verdichtung bestehender S-Bahn-Linien.
Die Gesamtinvestitionen für die SBB-Projekte belaufen sich auf rund 50 Millionen Franken. Die Finanzierung dafür erfolgt über den Infrastrukturfonds des Bundes und durch den Kanton St. Gallen.
Aus Ostschweizer Sicht gewichtiger ist die gestrige Mitteilung, dass die SBB im Dezember am Flughafen Zürich mit den ersten Diensten in der neuen Betriebszentrale beginnen.
Aus den ehemaligen Räumen der Skyguide wird ab 2015 der gesamte SBB-Zugsverkehr östlich von Baden bis zum Bodensee und nach Chur gelenkt. 450 Arbeitsplätze werden hier zusammengelegt.
Keller: «Die teurere Lösung»
Der SBB-Verwaltungsrat habe die Umsetzungskredite von 32,8 Mio. Franken freigegeben, teilen die SBB mit. Mit der Mietlösung könne die Betriebszentrale Zürich 2015 und damit früher und kostengünstiger als geplant realisiert werden. Für den Neubau waren ursprünglich 118 Mio.
Franken veranschlagt gewesen. Das Argument kommt in der Ostschweiz nicht gut an.
«Die Zürcher Lösung ist betriebswirtschaftlich sicher teurer», sagt der St. Galler Regierungspräsident Josef Keller. Er sei «not amused» darüber, dass 65 St. Galler SBB-Angestellte nun im Flughafen Kloten arbeiten müssten. Diese haben bis jetzt gleichzeitig im Schichtbetrieb in regionalen Teams von 10 bis 15 Personen gearbeitet.
«Völlig unvorbereitet waren wir gestern nicht», erinnert Keller an eine einfache Anfrage im Kantonsrat vom September 2006. Das ursprüngliche Konzept der SBB sah ein Rail Control Center in Olten und vier regionale Betriebszentralen in Lausanne, Bellinzona, Spiez und St. Gallen vor. «Die SBB haben 2006 den Standort St. Gallen gestrichen, ohne uns zu konsultieren», ärgert sich Keller. «Im neuen Konzept war dann vom Bahnknoten Zürich die Rede. Und jetzt ist es der Flughafen.»
Zürich politisch gesetzt
Hinter dem SBB-Entscheid ist politischer Druck zu vermuten. Schon 2003 wollte sich Zürich nicht von Olten aus fernsteuern lassen: Die Regierung nahm im August 2003 ein dringliches Postulat entgegen, das sie verpflichtete, sich für den Erhalt regionaler Betriebsleitzentralen insbesondere in Winterthur und Zürich einzusetzen. St. Gallen hielt sich eher zurück. Regierungspräsident Keller hat SBB-Verwaltungsrats-Präsident Ulrich Gygi zwar noch einmal wegen der 65 Arbeitsplätze angesprochen, «doch der Entscheid ist unumstösslich».
Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV protestierte gestern entschieden gegen den Rückzug der SBB. «Die SBB bluten die Ostschweiz und Graubünden weiter aus», heisst es im Communiqué. Jetzt brauche es verbindliche Zusagen für neue Arbeitsplätze der SBB in der Region.
Josef Keller hat die SBB denn auch sofort gefragt, wie es denn um die Pläne für das Unterhaltszentrum in St. Gallen bestellt sei. An diesem Standort werde nicht gerüttelt, hiess es.
- Artikel empfehlen:






Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben