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Tagblatt Online, 09. September 2010 01:02:40

Andere Zeiten im Zivilschutz

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Umgehen mit der Säge: Zivilschutzpioniere in der Ausbildung. (Bild: Bild: zVg)

Noch immer wird der Schutzdienst bisweilen belächelt – obwohl das bierselige Nichtstun im blauen Gewand längst passé ist. Ein «Truppenbesuch» im Ausbildungszentrum Bütschwil.

Adrian Vögele

St. Gallen. Zwischen eingestürzten Häusern dröhnen Maschinen. Zivilschutz-Pioniere bohren mit einem uralten, aber funktionstüchtigen Schlaghammer Luftlöcher für Verschüttete – imaginäre Verschüttete: Die jungen Männer absolvieren gerade ihre Pionier-Grundausbildung und proben auf der Übungspiste in Bütschwil den Ernstfall.

Gemütlichkeit, wie sie dem Zivilschutz immer wieder nachgesagt wird, kommt an diesem verregneten Morgen im künstlichen Katastrophengebiet keine auf.

«Der Zivilschutz hat sich in den vergangenen 15 Jahren stark verändert», sagt Hans Diem, Ausserrhoder Regierungsrat und Vorsteher des Departements für Sicherheit und Justiz. Das teilweise schlechte Image des Zivilschutzes habe jene Männergeneration geprägt, die nach erfüllter Militärpflicht noch habe Zivilschutz leisten müssen.

1306 neue Zivilschützer

Diese Zeiten sind vorbei: Heute kommt der Zivilschutz-Nachwuchs in der Regel direkt von der Aushebung – und durchläuft ein standardisiertes Ausbildungsprogramm. In der Ostschweiz haben der Kanton St. Gallen und die beiden Appenzell zusammengespannt und bilden ihre Zivilschützer gemeinsam aus. 2009 nahmen 1306 Personen an den Kursen in den Ausbildungszentren Bütschwil und Teufen teil. Geschult wurden sie von 11 vollamtlichen und gegen 30 nebenamtlichen Instruktoren.

Nun warten in den Gemeinden regelmässige Wiederholungskurse auf die neuen Zivilschützer – aber nicht nur: Der Zivilschutz komme im Kanton St. Gallen immer wieder in Ernstfällen zum Einsatz, betont Sicherheits- und Justizdirektorin Karin-Keller-Sutter. Dazu zählen Überschwemmungen wie jene in Eichberg im August 2009. Aber auch an öffentlichen Anlässen leiste der Zivilschutz Unterstützung – etwa am CSIO St. Gallen, mit jeweils 1000 Manntagen.

«Sinnfrage stellt sich nicht»

Ausserdem ist die Arbeit von Spezialisten im Schutzdienst gefragt: So haben die drei Kantone gemeinsam eine Tierseuchen-Pioniergruppe aufgebaut – als Reaktion auf die Vogelgrippe-Pandemie. «Die Sinnfrage stellt sich im Zivilschutz nicht», sagt Ausbildungsleiter Marc Rüdin angesichts der Trümmerhaufen auf der Piste. Nicht zuletzt deshalb seien etwa medizinische Dispensationsgesuche im Zivilschutz selten – im Gegensatz zum Militär. «Unsere regelmässigen Befragungen zeigen, dass die meisten Zivilschützer mit der Ausbildung zufrieden sind.»





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