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Tagblatt Online, 18. März 2010 01:01:20

«Vorwürfe sind verleumderisch»

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Im Zentrum des Interesses: Werner Haller, Mitglied des Stiftungsrats, Daniel Zindel, Gesamtleiter, und Martin Bässler, Leiter pädagogischer Betrieb (von links). (Bild: Bild: ky/Arno Balzarini)

Die Stiftung Gott hilft geht in die Offensive: Die Vorwürfe von Michael Handel, man habe Missbräuche vertuscht, sind laut Stiftung eine Verleumdung. Es habe zwar «eine Handvoll» Vorfälle gegeben, diese seien aber aufgearbeitet worden.

urs-peter zwingli

chur. «Es wird eine regelrechte Kampagne gegen uns gefahren», sagte Stiftungsratsmitglied Werner Haller gestern in Chur vor den Medien. Gott hilft sehe sich wegen der «verleumderischen Vorwürfe» gezwungen, «transparent zu informieren».

Missstände im System?

Die christliche Stiftung reagiert damit – wenn auch etwas verspätet – auf die am Montag von der Ein-Mann-Organisation Kinder ohne Rechte erhobenen Vorwürfe (Ausgabe vom 9. März).

Demnach soll es im Herisauer Schulheim Wiesen zu sexuellen Missbräuchen unter Jugendlichen gekommen sein – wegen mangelnder Aufsicht durch die Betreuungspersonen. Dabei handle es sich nicht um Einzelfälle, sondern um «systembedingte Missstände». Der Thurgauer Michael Handel, der Kinder ohne Rechte betreibt, behauptete zudem, Gott hilft habe Vorfälle «vertuscht» und «die Eltern von Kindern bewusst in Unkenntnis gelassen von der Gefahr, der ihre Kinder auf behördliche Anordnung hin ausgesetzt sind».

«Nicht nur Segen hinterlassen»

«Die Anschuldigungen sind pauschal und liegen zum Teil über Jahrzehnte zurück», sagt Daniel Zindel, Gesamtleiter der Stiftung. Er gibt aber auch zu: «Es ist klar, in unserer fast 100jährigen Geschichte haben wir nicht nur Segen hinterlassen.» Allfällige Vorkommnisse müssten «immer im gesellschaftlichen und institutionellen Kontext der entsprechenden damaligen Zeit beurteilt werden». Würden aber ehemalige Schüler die Stiftung mit konkreten Vorwürfen konfrontieren, so werde er persönlich sich «diesen Leuten in Begegnungen stellen».

Es gab Vorfälle

Konkrete Informationen gibt es von der Stiftungsleitung dann zu jüngeren Fällen: So sagt Martin Bässler, pädagogischer Leiter der Stiftung, dass es in den drei Schulheimen, die die Stiftung in Herisau, Trimmis und Zizers betreibt, in den vergangenen fünf Jahren zu «einer Handvoll» Vorfällen gekommen sei – was in einer Institution, die mit «Klienten am Rande der Gesellschaft arbeitet», aber im Rahmen des Normalen liege. Zudem seien in allen Fällen «die erforderlichen offiziellen Stellen informiert worden».

Die Vorfälle reichten von Diebstahl über Gewalt bis hin zu sexuellen Übergriffen unter Jugendlichen. In die letzte Kategorie fällt ein Vorfall, der sich 2007 ereignete: Ein Mädchen wurde von drei Mitschülern mit einem Messer bedroht und sexuell missbraucht. Handel gab wiederholt an, die Heimleitung habe diesen Fall nicht den Behörden gemeldet. Erst auf eine Anzeige des Beistands des Mädchens sei es zu einer Untersuchung gekommen.

Dem widerspricht Bässler: «Wir haben Eltern, Beistand, die Opferhilfestelle und den Kanton informiert – Handel lügt, wenn er das Gegenteil behauptet.» Einen Nachweis, dass die Anzeige von der Heimleitung aus erfolgte, konnte Bässler nicht vorlegen. Wie eine Anfrage beim Ausserrhoder Jugendanwalt Michael Friedli ergab, hat der Beistand eines Täters die Polizei informiert. «Die Heimleitung hat sich im betreffenden Fall gegenüber den Behörden stets kooperativ verhalten», ergänzt Friedli.

«Quellen sind glaubwürdig»

Handel, der an der Medienkonferenz nicht anwesend war, zeigt sich unbeirrt: «Ich halte meine Quellen für glaubwürdig». Materialien, die seine Vorwürfe gegen das Schulheim Wiesen unwiderlegbar beweisen, konnte oder wollte er auch gestern nicht vorlegen.

Dass so kaum eine offizielle Untersuchung in Gang gesetzt wird, stört Handel nicht. Er fordert vielmehr Reue: «Die Stiftung hat die Gelegenheit verpasst, sich kritisch mit der Vergangenheit auseinander zu setzen und sich bei den Opfern zu entschuldigen. Das ist bedauerlich.»





Leser-Kommentare:
15 Beiträge

Kommentare lesen

geneamdahl (22. März 2010, 16:03)
... es rollt und rollt . . . kein Täterschutz mehr

Missbrauchsvorwurf: Thurgauer Pfarrer verhaftet
Aktualisiert um 15:47 Uhr
Gegen den katholischen Pfarrer von Aadorf läuft eine Strafuntersuchung wegen des Verdachts auf sexuelle Handlungen mit einem Kind. Er ist heute verhaftet worden.

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geneamdahl (17. März 2010, 19:43)
. . . und sie rollte die Lawine

17.3.2010 - "CHUR – Gregor M.* ist Priester in Schübelbach SZ. Doch er hat eine schlimme Vergangenheit – und die holt ihn nun ein."


Es wird alles noch viel 'dicker' kommen . . . leider einiges bis zu >40 Jahre zu spät, obwohl vieles schon seit Jahrzehnten bekannt ist. Es sind und waren immer die gleichen Institutionen oder u.a. auch gerechterweise zu sagen in der nächsten Verwandtschaft.

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geneamdahl (15. März 2010, 02:14)
an al.leutenegger - teil 2

Ostschweizer Kantone, u.a. auch Freiburg, sind sehr 'kirchenlastig' ohne hier jemandem kränken zu wollen. Somit muss auch eher mit einer Verquickung(Behörden/Kirche/Heime) gerechnet werden, dass Einiges 'bewusst' nicht ans Tageslicht kommt. Dies wird sich spätestens dann erneut bestätigen, wenn u.a. weitere Kirchenvertreter unter die Räder kommen, so wie in der BRD, Österreich etc. Die Schweiz steht in dieser Hinsicht nicht besser da, als andere Länder. Es darf gehofft werden, dass sich alle/viele Opfer melden ohne Schamgefühle haben zu müssen.

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geneamdahl (15. März 2010, 01:58)
an al.leutenegger

Mehrere Beweise(Dokumente) waren im BLICK auf dem Internet zu sehen. Auch eine Boulevard Zeitung wird (nur) anhand von Belegen/Zeugenaussagen sich auf so was einlassen wegen rechtlichen Konsequenzen. Auf der Webseite von Hr. Handel finden Sie selbst unzählige Dokumente über das(quasi kriminelle) Verhalten, so auch bei vev.ch. Wo das Ganze zuerst publiziert wurde entzieht sich meiner Kenntnisse, da das TB nicht in der ganzen Schweiz 'gelesen' wird. Andere Fragen müssen Sie direkt an Hr. Handel richten @ kinderohnerechte.ch, da ich diese sicherlich nicht beantworten kann. Ich vertraue den Opfern mehr als den Behörden, sofern auch Dokumente/Beweise vorliegen. Ich selbst habe genügend (negative) Erfahrung mit Behörden gesammelt was Kinder anbelangt, so wie andere Elternteile.

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al.leutenegger (14. März 2010, 21:26)
an geneamdahl:

Ich verstehe Ihre Wut gegenüber den Behörden. Nur: Sie hören von Herrn Handel eine Seite der Geschichte, vom Stiftungsrat eine andere. Dass etwas schreckliches passiert ist, scheint unterdessen allen klar zu sein. Ich frage mich einfach, wieso dieser Herr Handel nicht schon früher damit an die Öffentlichkeit gegangen ist? Und wo sind seine Beweise, die er immer wieder zitiert? Da scheint mir noch einiger Klärungsbedarf... Übrigens: Wieso loben Sie in dieser Geschichte so den Blick? Schliesslich hat das Tagblatt als erste Zeitung über den Skandal geschrieben (merkt man auch, wenn man die "alten" Artikel im Blick nachschaut: da wird immer Bezug aufs Tagblatt genommen...). Grüsse - und bleiben Sie kritisch, Al

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geneamdahl (14. März 2010, 20:40)
@mercator Kommentar Nr. 22

Gerne würde ich den LINK dazu sehen. Ich weiss nicht solche Kommentare versteckt sind.

Mein Ärger richtet sich gegen Behörden, da auch ich wie andere Väter sehr wohl wissen, wie zu viele von denen den Beruf verpasst haben, denn sie sind ganz und gar nicht dazu berufen. Es ärgert auch, wenn man die Aussagen vom diesem Stiftungsrat liest, welcher händeringend versucht sich zu (v)erklären. Eine Konferenz bei dem sogar ein (ungeschulter) Psychologe stutzig werden muss.

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mercator (14. März 2010, 19:49)
.....geneamdahl

Leider kommt die Polizei inzwischen auch nicht mehr, wenn einer für einen Stutz etwas klaut; besser gesagt: sie will und kann nicht mehr kommen, weil andere Delikte den Vorrang haben. Sexueller Kindsmissbrauch gehört aber in diesem Fall nicht dazu. Als Vater von drei Kindern haben Sie mein volles Verständnis für Ihren Zorn auf die untätigen Behörden. Aber wie Sie sicher wissen gehört es mit zum Schwierigsten, Missbrauchsvorwürfe zu beweisen - vor allem wenn sie lange Zeit zurückliegen. Ein einzelner Zeuge oder ein einzelnes Opfer kann da kaum etwas ausrichten. Meinen Albtraum in dieser Angelegenheit habe ich im Kommentar Nr. 22 dargelegt, den Sie sicher gelesen haben.

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geneamdahl (14. März 2010, 17:59)
@mercator

"was Tagblatt-Lesern tatsächlich unter den Nägeln brennt" - Jeder interessiert sich für was Anderes ist ja auch klar. Wo jedoch die Grundrechte eines Menschen dermassen mit den Füssen getreten werden und dies in der SCHWEIZ (nicht Somalia), sollten die Bürger erwarten können, dass hier autom. die Strafverfolgung aufgenommen wird. Klau mal was im Laden für 1Fr - da werden die Behörden 'sofort' aktiv nur bei menschenverachtenden Aktivitäten braucht es die Boulevard Presse oder Herr Handel. Dieses Heim ist erst der Anfang und die Vergehen der Kirche folgen wie in der BRD etc.

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geneamdahl (14. März 2010, 17:51)
@mercator

Danke für den Kommentar. Als Vater von 3 Kinder hätte ich doch einige Reaktionen erwartet. Letzte Woche hatten wir die nationale Frauendemo vor dem Bundeshaus in Bern mit dem Motto:«Her mit dem
schönen Leben». Es soll damit aufgezeigt werden was für eine pervertierte Gesellschaft auch die Frauen, Gewerkschaft, Linken darstellen. Wo sind all diese Leute, die sich für die Rechte der Kinder und gegen den Saustall Heime, Jungendsekretariate in der Schweiz stark machen?? Für mich ist klar, dass hier ein (anständiger) Staatsanwalt von sich aus aktiv werden müsste.

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mercator (14. März 2010, 07:53)
.....der Realität ins Auge gesehen....

@geneamdahl..Sie legen sich in dieser schändlichen Angelegenheit zwar mächtig ins Zeug und glauben gar, 'das Tagblatt' behindere die Veröffentlichung der Kommentare. Vielleicht haben Sie ja recht, dass etwas manipuliert wird, aber wohl eher bei den Themen, die an dieser Stelle vorgegeben werden. Das Problem ist nicht die Justiz, die nichts unternimmt, sondern der Zustand unserer Gesellschaft. Sie können sich leicht selbst ins Bild setzen, wenn Sie einmal die Rubrik 'GELESEN' konsultieren. Dort können Sie feststellen, was Tagblatt-Lesern tatsächlich unter den Nägeln brennt.

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geneamdahl (13. März 2010, 12:59)
PRIX Courage 2010

Es sei hier noch vermerkt, dass der PRIX COURAGE an Herr Handel und die Blick Redaktion für das Jahr 2010 vergeben werden soll!

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geneamdahl (13. März 2010, 12:41)
Blick vom 13.3.2010

«Gott hilft» heisst die Stiftung, der Natalie F. ihre Söhne anvertraute. Doch die Kleinen mussten durch die Hölle gehen.

Meine Herren Stiftungsräte - es kommt eben immer mehr ans Tageslicht. Was macht die Justiz? Sie schläft wie gewohnt?

"Man habe ihr nahegelegt, nichts weiter zu unternehmen, keine Anzeige zu erstatten. Das sei für die Buben zu belastend." Schon diese Aussage lässt darauf zu schliessen, dass hier quasi Charakterlumpen oder wie Jeremias Gotthelf sagen würde 'Fötzel' am Werk sind/waren.

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geneamdahl (13. März 2010, 12:32)
Teil 2 - Kinderterror

Auch ist diese
Stiftung ist nicht die einzige Institution, welche an Verbrechen gegen die
Menschlichkeit/Kinder involviert ist/war. Weltweit kommen immer mehr
solche Geschichten an die Öffentlichkeit und da ist die Schweiz keine
Ausnahme. Als Opfer würde ich mich sicherlich nicht noch bei der
Täterorganisation melden - hier sollte wirklich die Justiz aufwachen, ausser
auch diese noch befangen ist?

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geneamdahl (13. März 2010, 12:31)
teil 1 - Kinderterror

1.
Was mir besonders auffällt, dass gar keine Kommentare zu diesen unsägliche
Vorfällen nachzulesen sind. Wird hier die Redefreiheit absichtlich durch
das Tagblatt eingeschränkt? Verwunderlich ist auch, dass die
Staatsanwaltschaft nicht aktiv geworden ist. Es ist schweizweit bekannt,
dass Behörden einen unglaublichen Filz bilden und gegen das Wohl der Kinder
in zu vielen Fällen arbeiten. Die Stiftung/Behörden tun sich schwer mit der
Wahrheit. Als Vater kann ich nur empfehlen, dass diese Stiftung umgehend
geschlossen wird und die Täter entsprechend bestraft werden und nie mehr
eine Tätigkeit aufnehmen dürfen im Zusammenhang mit Kindern. Die Verbrechen
von Behörden an Kindern/Eltern kann man getrost unter www.vev.ch und
www.kinderohnerechte.ch nachlesen. Beide Anlaufstellen sind sehr
transparent entgegen aller inszenierten Behauptungen.

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geneamdahl (13. März 2010, 12:29)
Missstände mit System ! ?

Stiftungsratsmitglied Werner Haller benimmt sich wie ein kleiner ertappter Schulbub. «verleumderischen Vorwürfe» - wenn man die offiziellen Dokumente anschaut, stimmen eben die Angaben der Opfer schon. «immer im gesellschaftlichen und institutionellen Kontext der entsprechenden damaligen Zeit beurteilt werden» Ein Verbrechen bleibt ein Verbrechen, ansonsten wird noch die Judenverfolgung durch diese Stiftung gerechtfertigt.

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